Bild: bento / Katharina Hölter

Sie sind gekommen, um zu zeigen, dass er ihnen nicht passt: Hunderte Menschen demonstrieren am Dienstagabend vor dem US-Konsulat in Hamburg gegen Donald Trump. Sie schwenken Plakate und Fahnen, machen Krach mit Trillerpfeifen, brüllen ihre Wut in den dunklen Himmel hinein.

Es geht um Solidarität mit Freunden in Amerika, darum, sich von der anderen Seite des Atlantiks zu melden. Um zu sagen: Wir denken an alle, die wegen des Einreiseverbots nicht mehr in die USA können, wir denken an die, die auf die Straße gehen und protestieren – an die, die jetzt Angst haben, verzweifelt sind, aufstehen. Auch, wenn wir in Deutschland sind.

Das sind die Plakate und Fahnen, die die Demonstranten durch die Dunkelheit schwenken – zum Klicken:
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Wir haben die Leute vor Ort gefragt: Was bewegt euch, warum seid ihr hier?
Anna, 27, Studentin
Anna, 27(Bild: bento / Katharina Hölter)

Ich will einfach Präsenz zeigen und dafür einstehen, dass die Leute wieder mehr demonstrieren – gegen all das, was ihnen stinkt. Ich finde es cool, dass wir uns hier zusammentun, um zu zeigen: Es ist nicht richtig, Minderheiten auszuschließen. Wir sind für eine freie Demokratie. Auch wenn jemand gewählt ist, muss er die Stimmen des Volkes hören.

Wir sind für eine freiere Demokratie
Anna

Gegen Trump zu protestieren ist aber nicht mein größtes Anliegen. Für mich persönlich gäbe es noch wichtigere Themen, für die man auf die Straße gehen sollte: faire Milchpreise, günstiger Wohnraum, das Wohlergehen der Leute in unserer Nachbarschaft. Solche Themen sind noch näher an meinem eigenen Leben.

Julian, 30, Doktorand
Julian, 30(Bild: bento / Katharina Hölter)

Ich habe zwei Jahre in den USA gelebt, in Kalifornien Ingenieurwissenschaft studiert und anschließend in Minnesota gearbeitet. In diesen Orten ich kenne viele, die dort gerade auf die Straße gehen – manche sind auch für Trump. Mir ist es wichtig, den Gegnern zu zeigen, dass ich sie unterstütze.

Jetzt in die USA? Ein No-Go!
Julian

Ich will Solidarität zeigen mit allen, die jetzt aufstehen, und hoffe, dass die Leute auf der anderen Seite des Atlantiks die kommenden Jahre durchstehen. Was in der vergangenen Woche in den USA passiert ist, hat das Fass zum übergelaufen gebracht. Noch einmal in die USA zu gehen wäre für mich im Moment ein absolutes No-Go.

Charley, 20, Erasmus-Student
Charley, 20(Bild: bento / Katharina Hölter)

Ich komme aus Manchester. Mein Großvater kommt aus Pakistan, kam in den Fünfzigerjahren nach England. Hätte es damals so etwas wie ein Einreiseverbot für Muslime gegeben, hätte er seinen Traum nicht verwirklichen können – und im Übrigen wäre ich dann heute auch nicht in Europa, könnte kein Erasmus in Deutschland machen.

In meiner Familie sprechen wir gerade viel über das Verbot, es beschäftigt uns sehr. Keiner von uns mag Trump. Und ich habe Angst vor der Zukunft. Wie es weitergeht, weiß ja gerade niemand. Deswegen bin ich hier.

Katina, 26 und Daniel, 30, beide Studenten
Katina, 26 und Daniel, 30

Katina: Trump mit seinen verqueren Ansichten ist kein geeigneter Mann, um irgendein Land zu regieren. Man sollte seine Meinung äußern, um ihm zu zeigen: Es gibt auf der ganzen Welt Stimmen gegen dich.

In meinem Freundeskreis reden wir total viel über Trump, wir finden es alle unfassbar, sind wütend. Was der schon alles verbrochen hat. Das rüttelt viele wach, die sich vorher vielleicht weniger für Politik interessiert haben, auch mich. Ich möchte mich jetzt stärker engagieren – auch, wenn ich dafür in keine Partei eintreten würde. Denn von allen, die es hier in Deutschland gibt, kann ich mich mit keiner so richtig identifizieren.

Fuck off!
Daniel

Daniel: Trump respektiert die Rechte nicht, die Menschen aus westlichen Ländern im 21. Jahrhundert haben. Das kann nicht sein. Würde ich Trump treffen, hätte ich ihm nur eins zu sagen: Fuck off!

Anika, 26, Projektmanagerin
Anika, 26(Bild: bento / Katharina Hölter)

Ich habe in Amerika eine Highschool besucht und American Studies studiert. Es ist im Moment nicht mehr das Land, das ich liebe. Ich habe immer noch Kontakt zu meiner Gastfamilie, meine Gastmutter ist liberal, geht in Ohio gegen Trump auf die Straße. Mein Gastvater ist großer Trump-Supporter. Das zeigt, wie gespalten das Land ist.

Es ist nicht mehr das Land, das ich liebe
Anika

Ich bin das erste Mal bei einer Demo, aber ich könnte mir vorstellen, von nun an häufiger zu gehen. Bislang habe ich nicht das Gefühl, dass unsere Probleme hier so weitreichend sind wie die in Amerika. Fünf bis zehn Prozent der Wähler sind hier AfD-Anhänger. In Amerika unterstützen mehr als 50 Prozent Trump. Ein großer Unterschied.

Jules, Musikerin und Songwriterin
Jules(Bild: bento / Katharina Hölter)

Ich gehe nicht nur demonstrieren. Ich drücke meine Haltung auch in meiner Musik aus. Sie war schon immer ein politisches Sprachrohr. Musiker – und wir alle – dürfen uns nicht einschüchtern lassen.

Trump und der Wahlkampf in den USA sollten auch eine Warnung für Deutschland sein. So dürfen wir hier nicht miteinander umgehen.

Ich drücke mich auch durch Musik aus
Jules

Er propagiert Hass, er verbreitet Unmögliches über Frauen. Wir müssen uns wehren. Diese Politik, die er betreibt, darf nicht weiter vorrücken.


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