Bild: Bernd Thissen/dpa

Die Ehe für alle ist beschlossen. Eigentlich ist damit alles gut. Aber für die CDU bleibt die Öffnung trotzdem Wahlkampfthema – bei dem man Nachtreten kann. 

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hat nun genau das getan. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" bezeichnete die CDU-Politikerin die Ehe für alle als gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

Kramp-Karrenbauer wurde gefragt, wie die Ehe für alle die Gesellschaft verändern werde. Das war ihre Antwort:
"Ich halte an meiner ablehnenden Haltung fest. Ich kann aber verstehen, dass die Entscheidung im Bundestag freigegeben war. Ich sehe in meiner Partei, dass dazu jeder seine persönliche Meinung hat, das respektiere ich. Mit der Entscheidung für die Ehe für alle wird die Welt sicherlich nicht zusammenstürzen. Man muss aber im Blick behalten, dass das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts dadurch nicht schleichend erodiert."

Im Bundestag hatte es seit Jahren eine Mehrheit für die Ehe für alle gegeben. Sowohl CDU wie SPD hatten aber lange eine Abstimmung gescheut. Im Wahlkampf wurde das Thema plötzlich aktuell – Martin Schulz, der SPD-Spitzenkandidat, hatte eine Entscheidung gefordert und Angela Merkel, die CDU-Spitzenkandidatin, daher die Abstimmung freigegeben.

Merkels Manöver: Die CDU als christliche Partei steht für die Ehe zwischen Mann und Frau, aber jeder CDU-Abgeordnete soll selbst entscheiden können, ob er sie persönlich auch für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. 

Kramp-Karrenbauer zeigt nun, wie CDU-Mitglieder ticken, die nicht für eine Öffnung sind.

Wie genau die Gesellschaft zerbricht, wenn zwei Menschen heiraten, die sich lieben, erkärt sie im Interview nicht – aber ein älteres Interview könnte darüber Aufschluss geben.

Im Juni 2015 sagte sie der "Saarbrücker Zeitung", die Ehe für alle sei kein Zeichen gegen Diskriminierung – sondern eine Gefahr für die "Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau". Denn wenn Schwule und Lesben das Eherecht einfordern, könnten es bald auch Verwandte oder Polyamoreuse. 

Kramp-Karrenbauer sagte: 

"Es stellt sich die Frage, ob wir grundlegende Definitionen unserer Gesellschaft verändern wollen, und zwar mit womöglich weitreichenden Folgen. Wir haben in der Bundesrepublik bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen. Wollen wir das wirklich?"
Also um das noch mal deutlich zu machen: In der CDU empfinden manche die Ehe für alle als Vorstufe zur Inzest.

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