Bild: Getty Images/Sean Gallup
In seinem ersten großen Interview als Kanzlerkandidat offenbarte er unerwartete Schwächen.

Die Ausgangslage: mega!

So ist derzeit die Stimmung bei der SPD. Schließlich ist Schulz laut Umfragen fast genauso beliebt wie Angela Merkel. Und mehr als 1300 Menschen sind in den vergangenen Tagen in die SPD eingetreten.

"Mega" stand deshalb auch auf einem Plakat, das ein Zuschauer bei der Rede von Martin Schulz im Willy-Brandt-Haus hochhielt. Es zeigt Schulz im Look des Hope-Posters von Obama. (Alles Wichtige zur Rede gibt es hier bei bento.)

Aber was bleibt von der Euphorie übrig, wenn sich Schulz konkreten Fragen stellen muss? Hier sind die Highlights der Sendung:

Die Szene der Sendung:

Zu Beginn der Sendung erinnert Martin Schulz daran, dass Anne Will seine Kandidatur schon früh vorausgesagt habe. Einstudiert, klar. Aber trotzdem irgendwie putzig.

Die vier schwächsten Momente von Martin Schulz:

  • Deutschland sei die "größte Mitgliedsnation der Europäischen Union" sagte Schulz, natürlich habe er sich gefragt, ob er sich das Amt des Kanzlers zutraue. Warum er die Bedeutung des Amtes an der Einwohnerzahl des Landes bemisst, ist nicht ganz klar. Wenn er unsicher ist, schweift Schulz Richtung EU ab, greift auf Satzbausteine zurück, die er aus seiner Zeit als EU-Parlamentspräsident kennt. Dort fühlt er sich wohl. In der nationalen Politik offensichtlich noch nicht so sehr.
  • Wofür steht Martin Schulz, was will er anders machen? Auf diese Frage hatte Martin Schulz keine passende Antwort. Ein gerechteres Land wolle er. Mehr Steuergerechtigkeit, der "kleine Mann" soll wieder ernst genommen werden. Ja, aber das fordere auch Sigmar Gabriel, das fordere die gesamte SPD seit Jahrzehnten, entgegnete Will. Wozu brauche es dann ihn? Am Ende sagte Schulz, er sei der bessere Kandidat, weil er Klartext rede. Naja.
  • Schulz war nervös und reagierte patzig, vergriff sich auch gegenüber Anne Will beinahe im Ton: "Keine Unterbrechungen bitte, Frau Will." Und: "Wir haben es heute schwer miteinander."
  • Schulz konnte keine konkreten Forderungen präsentieren. Der Mindestlohn solle erhöht werden, presste Anne Will schließlich aus ihm heraus. Wie hoch soll er denn sein? Konnte Schulz nicht sagen. Da müsse er die Koalitionsverhandlungen abwarten. Die Wahrheit ist: Schulz hat mit dem Interview den Wahlkampf eingeläutet, weiß aber nicht genau, mit welchen Forderungen er und seine Partei in den Wahlkampf ziehen wollen.

Seine stärksten Momente:

​Das höre ich ja oft, ich hätte keine Regierungserfahrung. Das Schicksal teile ich mit Barack Obama, der hatte auch keine Regierungserfahrung.
  • Das saß. Auf die Kritik an seiner fehlender Regierungserfahrung war Martin Schulz vorbereitet. Er konterte nicht nur mit Obama, sondern auch mit seiner Zeit als Bürgermeister in Würselen. Er wisse, wie normale Menschen ticken.
Wir sehen da jemanden, der mit der Abrissbirne durch unsere Grundwerte der Demokratie geht.
Martin Schulz über Donald Trump
  • So eine scharfe Formulierung hätte man von Angela Merkel wohl nicht gehört. Schulz kann es sich leisten, auch weil er nicht Außenminister oder Kanzler ist. Schulz war am stärksten, wenn er tatsächlich Klartext redete. Das tat er vor allem in der Außenpolitik. Er kritisierte Trumps "frauenverachtendes Menschenbild" und sagte, er hätte ihn auf das Völkerrecht und die Grundrechtecharta der Vereinten Nationen hingewiesen.
Doch, klar.
Martin Schulz auf die Frage, ob er gar keine Angst vor einer Wahlniederlage habe.

Ab und zu nahm Schulz sich Zeit, wirklich über die Fragen von Anne Will nachzudenken. Immer dann wirkte er offen und ehrlich. Diese Situation ganz am Ende der Sendung war eine der wenigen.

Was sagt Martin Schulz über Angela Merkel?

Jeder weiß, dass Angela Merkel sozialdemokratisiert ist. Das Problem ist nur, die CDU und CSU sind es weiß Gott nicht.

Schulz kritisierte Merkel nicht. Bisweilen wirkte es, als wüsste Schulz gar nicht, was er überhaupt an der Bundeskanzlerin bemängeln könnte. Als Anne Wills Redaktion in einem kurzen Film zeigte, wie ähnlich die Positionen der beiden sind, fiel Schulz nichts weiter ein, als die CSU zu kritisieren. Überzeugend wirkte das nicht.

Fazit:

Seit einer Woche weiß Martin Schulz, dass er Kanzlerkandidat der SPD werden soll. Parteichef Sigmar Gabriel hatte es so beschlossen, sich selbst zum Außenminister gemacht und Schulz ins Rennen geschickt.

Bei Anne Will musste Schulz erstmals Fragen zu seiner Kandidatur beantworten – und rettete sich gerade so über die Runden.

  • Schulz war sichtlich nervös und schlecht vorbereitet. Bisweilen entstanden unangenehme Pausen; Anne Will lockte ihren Gast mit einfachen Fragen nach konkreten Forderungen aus der Reserve.
  • Die SPD muss sich fragen, ob es klug war, ihren Kandidaten jetzt schon allein in eine große Talkshow zu schicken. Schulz redete immer zu von einer gerechteren Gesellschaft. Was er konkret machen möchte, konnte er aber kaum sagen.

Nicht überzeugt? Inzwischen ist die Sendung in der Mediathek verfügbar, hier kannst du sie dir anschauen.


Art

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