"Ich habe beschlossen, mich nicht wie eine Kreatur zweiter Klasse zu fühlen."

Eigentlich sollte Anna Musytschuk jetzt in Riad zeigen, wie schnell und strategisch sie denken kann. In der Hauptstadt Saudi-Arabiens finden seit Dienstag die Weltmeisterschaften im Schnellschach statt. 

Musytschuk ist Ukrainerin und gewann im vergangenen Jahr den Weltmeistertitel im Schnell- und im Blitzschach, im März wurde sie außerdem Vize-Weltmeisterin der Frauen. Aber die 27-Jährige ist nicht nach Saudi-Arabien gereist.

Sie boykottiert die Veranstaltung – weil sie sich nicht den diskriminierenden Regeln beugen will, die das Land Frauen auferlegt.

In einem Facebook-Post schreibt Musytschuk: 

"In ein paar Tagen werde ich zwei Weltmeistertitel verlieren – einen nach dem anderen. Nur, weil ich beschlossen habe, nicht nach Saudi Arabien zu gehen, nicht nach den Regeln anderer zu spielen, nicht Abaya zu tragen, nicht begleitet zu werden, wenn ich rausgehe und mich insgesamt nicht zu fühlen, wie eine Kreatur zweiter Klasse."

In a few days I am going to lose two World Champion titles - one by one. Just because I decided not to go to Saudi...

Posted by Anna Muzychuk on Samstag, 23. Dezember 2017

Der saudi-arabische Schachverband hatte zuvor erklärt, dass die Spielerinnen unter anderem Abayas – eine Art Übergewand – inklusive Kopftuch tragen müssten. Zwar nicht während des Turniers, aber außerhalb der Veranstaltungsortes. 

Musytschuk aber besteht auf ihre Bewegungsfreiheit, sie möchte tragen, worauf sie Lust hat – auch als Frau.

Sie schrieb:

"Ich bin bereit, für meine Prinzipien einzustehen und die Weltmeisterschaft abzusagen – auch wenn ich dort wahrscheinlich in fünf Tagen mehr verdient hätte als sonst auf ein Dutzend solcher Veranstaltungen zusammen."

Das Schlimme daran, sagt die Musytschuk, sei nicht der Verlust ihrer Titel, sondern dass sich die meisten nicht um die Begründung scherten. "Das fühlt sich bitter an, aber es wird meine Meinung und Prinzipien trotzdem nicht ändern."

Mit den Rechten der Frau ist es in Saudi-Arabien nicht so weit her – aber es ändert sich langsam etwas:

Während viele ihre Entscheidung auf Facebook und Twitter unterstützen, empfinden sie andere als Vorwand oder perfide. Denn noch im März war Musytschuk bei der Frauen-WM in Iran beim Spielen mit Kopftuch zu sehen. Einige Twitter-Nutzer weisen daraufhin, dass bei der WM in Saudi Arabien aber nicht mal das zu sehen sei – weil die Regeln nur für außerhalb des Geländes gelten.

Andere hätten sich mehr Offenheit gewünscht – nicht zuletzt, um die Frauen vor Ort besser zu verstehen und von ihnen zu lernen. 

Bereits zuvor hatte es für die Schachspieler Ärger gegeben: Diplomatischer Streit Saudi-Arabiens mit einigen Ländern im Nahen und Mittleren Osten sorgte für Probleme. 

So können sieben israelische Profispieler nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen, weil sie kein Visum erhielten. Spieler aus Katar bekamen ihre Einreisegenehmigungen erst in der Nacht auf Dienstag, was für eine Teilnahme am Schnellschach zu spät war. Zur Blitzschach-Meisterschaft am Samstag und Sonntag aber wollen sie kommen. Und der einzige qualifizierte Spieler aus Iran versuchte gar nicht erst, ein Visum zu bekommen. 

Schach ist in Saudi Arabien generell umstritten. Im Januar 2016 hatte Großmufti Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh das Spiel für unvereinbar mit dem Islam erklärt. (SPIEGEL ONLINE)

Das Land selbst hat keine Profispieler. Es bekam den Zuschlag für die WM vermutlich, weil es die hohen Veranstaltungskosten zahlen konnte. Trotzdem nehmen elf saudische Spieler an der Schnellschach-WM teil. (Faz.net)

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