Bild: BKA

Das Bundeskriminalamt ist auf der Suche nach Anis Amri. Der 24-jährige Tunesier wird verdächtigt, den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz verübt zu haben. Bei der Lkw-Attacke kamen zwölf Menschen ums Leben, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt.

Amri war den deutschen Sicherheitsbehörden bereits als sogenannter "Gefährder" bekannt – er stand unter Verdacht, einen islamistischen Anschlag in Deutschland vorzubereiten. Trotzdem konnten sie ihn nicht verhaften. Wie kann das sein?

Was hatten Behörden über Amri herausgefunden?

Sicherheitsbehörden hatten Amri bereits Anfang des Jahres als islamistischen "Gefährder" eingestuft ("Süddeutsche Zeitung"). In Deutschland gibt es laut Verfassungsschutz etwa 8350 Salafisten. Rund 550 von ihnen gelten als Gefährder – das heißt, ihnen wird zugetraut, Gewalttaten zu begehen. Amri galt als besonders gefährlich.

Laut Sicherheitsbehörden benutzte er mindestens acht Identitäten und hatte Kontakt zu bekannten deutschen Islamisten. So soll sich Amri nach SPIEGEL-Informationen mehreren Hasspredigern als Selbstmordattentäter angeboten haben. Laut der "Süddeutschen Zeitung" hatte er unter anderem Kontakt zum dschihadistischen Prediger Abu Walaa.

In der Fotostrecke - das ist die deutsche Islamistenszene:
Ex-Profiboxer aus dem Rheinland, heute salafistischer Prediger mit populärem YouTube-Channel. Der 38-Jährige erklärt dort eine konservativ bis mittelalterliche Interpretation des Islam, distanziert sich aber von Gewalt.
Früher bei der Feuerwehr in Mönchengladbach, heute die ruhige Stimme der deutschen Salafi-Szene. Der Verfassungsschutz attestiert dem 35-Jährigen eine Radikalisierung, der Bundesstaatsanwalt sieht ihn als Terroristen.
Früher als Rapper "Deso Dogg" in den Charts, heute als Propagandamann für den IS in Syrien. Der 40-Jährige soll schon mehrfach umgekommen sein, taucht dann aber immer wieder in neuen IS-Videos auf.
Initiator der umstrittenen Aktion "Lies!", bei der Korane in Fußgängerzonen verteilt werden, soll mehrfach Juden und Christen beschimpft haben. Verurteilt wegen Betrug: Nagie hatte zu Unrecht 54 000 Euro Sozialleistungen kassiert.
Anführer einer fundamentalen Bewegung aus der Türkei. Wurde früher der "Kalif von Köln" genannt und zur Haft verurteilt, nachdem er den Mord eines anderen Geistlichen in Auftrag gab. Mittlerweile an die Türkei ausgeliefert.
1/12
Wie wurde Amri beobachtet?

Von März bis September wurden Amris Bewegungen observiert. Dazu gehörte auch die Beobachtung seiner Kommunikation – so wurden zum Beispiel seine Kontakte zu Abu Walaa herausgefunden.

Warum wurde er nicht abgeschoben?

Behörden hatten genau das vor: Im Juli wurde Amri als Asylbewerber abgelehnt, bestätigte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch (bento). Die Abschiebung schlug allerdings fehl, weil Ausweispapiere aus Tunesien fehlten. Die dortigen Behörden hatten laut Jäger zuerst bestritten, dass Amri ihr Staatsbürger sei. Am Mittwoch – zwei Tage nach dem Anschlag – wurden die Dokumente nachgereicht.

Und warum wurde Amri nicht wenigstens verhaftet?

Auch das war geplant: Bereits Anfang März übermittelte der Generalbundesanwalt dem Generalstaatsanwalt in Berlin die Information, dass Amri Kontakt zum Prediger Abu Walaa hat – und regte ein Verfahren wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat an.

Berlin ermittelte gegen Amri wegen des Versuchs der Beteiligung an einem Tötungsdelikt. Bitter: Amris Äußerungen aus der Telekommunikationsüberwachung seien so verklausuliert gewesen, dass sie nicht als Beweis für eine Festnahme gereicht hätten (SPIEGEL ONLINE).

Weiterlesen:


Videos

Dieses autistische Mädchen rettet die Stimmung
Sie singt einfach so unglaublich schön

Kaylee Rodgers hat die Ruhe weg. Scheinbar ohne jede Aufregung und mit der Stimme eines Engels steht sie auf der Weihnachtsfeier ihrer Schule und singt mit dem Chor Leonard Cohens "Hallelujah". Hunderttausende Menschen haben das Video davon bereits gesehen.