Auf Platz zwei: IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi.

Man kann mit ihr übereinstimmen oder nicht, aber sie nimmt sicher nicht den einfachen Weg." Mit diesen Worten würdigt das Magazin "Time" Angela Merkels Wirken in der Flüchtlingskrise. Die US-Zeitschrift hat die Bundeskanzlerin zur Person des Jahres 2015 gekürt.

Sie habe diese Auszeichnung verdient, "weil sie mehr von ihrem Land verlangt als die meisten Politiker wagen würden, wie sie sich der Tyrannei entgegenstellt und weil sie moralische Führung gibt - in einer Welt, in der es daran mangelt", heißt es in der Begründung von "Time"-Chefredakteurin Nancy Gibbs. Merkel habe in jeder Krise, die Europa bewältigen müsse, eingegriffen und sei damit die "Kanzlerin der freien Welt".

"Die Tochter eines Pfarrers setzte Barmherzigkeit wie eine Waffe ein", heißt es außerdem ein wenig pathetisch in der Begründung. Das Bild auf dem Cover hat der nordirische Künstler Colin Davidson gemalt. "Ich hoffe, dass ein bisschen von der Würde, dem Mitgefühl und der Menschlichkeit der Kanzlerin in dem Gemälde enthalten ist", sagte der Maler.


Merkel setzte sich bei der Wahl gegen IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi und Donald Trump durch, die auf den Plätzen zwei und drei landeten. In der engeren Auswahl des Magazins waren zudem Irans Präsident Hassan Rohani, die Transsexuelle Caitlyn Jenner, Uber-Chef Travis Kalanick und die Protestbewegung "Black Lives Matter" aus den USA.

Der Titel "Person of the Year" ist nicht immer als Auszeichnung gemeint. In der Liste finden sich auch einflussreiche Personen, die die Welt negativ geprägt und verändert haben. Darum war in diesem Jahr Abu Bakr al-Baghdadi in der engeren Auswahl, deshalb wurde 1938 Adolf Hitler zur Person des Jahres ernannt.

Merkel ist die erste "Time"-Person des Jahres aus Deutschland seit Willy Brandt 1970. Der Titel wird seit 1927 vergeben, Merkel ist erst die vierte Frau, die ihn erhält. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, er sei sich sicher, dass Merkel die Wahl "als Ansporn in ihrer Arbeit" empfinde.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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