Bild: Christian Charisius/dpa
Eine Geschichte, drei Perspektiven.

Wer am Mittwoch beim Bundesliga-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach anruft, landet erst einmal in der Warteschlange. Das Vereinslied ertönt. "Ja, was ist denn heute in Aspach los", heißt es. Der Verein, "bei groß und klein beliebt, bekannt", hat Ärger.

Die Nachwuchsfußballer zwischen 17 und 19 Jahren sollen beim Aufbau des Open-Air-Konzerts von Schlagersängerin Andrea Berg helfen – ohne Geld dafür zu bekommen. Die Auftritte finden am 19. und 20. Juli in der eigenen Arena in Aspach in Baden-Württemberg statt, ganz in der Nähe von Bergs Wohnort. Ihr Ehemann Uli Ferber war früher Präsident der SG.

Nutzt Berg also die Kontakte, um kostengünstig aufzutreten? So einfach ist das dann wohl doch nicht. Das sagen die Beteiligten:

1

Die Mutter:

Erst ein Bericht der "Bild"-Zeitung brachte die Geschichte an die Öffentlichkeit. Die Mutter von einem der U19-Spieler prangerte in der Zeitung an: "Vom Trainerteam gab es eine Aufforderung an die Jungs, was sie bei dem Konzert zu leisten haben. Alles ohne Lohn. Das ist eine Unverschämtheit."

Die "Bild" zitiert aus einer Helferliste: "An beiden Tagen dauert das Ganze ca. acht Stunden. Es bleibt jeder so lange vor Ort, bis alles erledigt ist." Handschuhe sollen mitgebracht werden, für Verpflegung sei gesorgt. 

2

Das Management von Andrea Berg:

Die Jugendlichen bekommen tatsächlich kein Geld, der Verein insgesamt soll aber entschädigt werden. 

3

Der Verein:

Hier versucht man zu beschwichtigen und betont, die Aktion sei freiwillig, niemand werde zur Hilfe gezwungen. Bergs Ehemann sei nur noch einfaches Mitglied im Vorstand. Für den Verein lohne sich die Hilfe, sie spüle einige Euros in die Kasse, um zum Beispiel künftig Trainingslager zu finanzieren. Das Statement des Vorstandsvorsitzenden Andreas Benignus:   

„Die SG Sonnenhof Großaspach ist ein Verein bei dem Teamarbeit und Ehrenamtlichkeit groß geschrieben wird – das ist im Profifußball nicht alltäglich, Teil unserer DNA und macht uns so erfolgreich. Bei uns packen die Mitglieder im Rahmen der satzungsgemäßen Aufgaben an, insbesondere wenn es um ihre Heimstätte geht. Alle Mitglieder profitieren hiervon – insbesondere die Jugendarbeit in unserem Verein, denn hierdurch werden verschiedenste Team-Aktivitäten wie Trainingslager erst möglich. Das ist gemeinsames Handeln von Jung und Alt, Rentnern, Vorständen, unserer aktiven Mannschaft, Jugendtrainern und Jugendlichen – möglicherweise in Amateurvereinen normal, im Profifußball leider nicht mehr. Das ist aber auch das, was in unsere Gesellschaft gefordert wird, alles basiert auf Freiwilligkeit und wir setzen es um. Wer etwas anderes behauptet, liegt völlig falsch und konterkariert soziale Aktionen unserer SG, beispielsweise viele Aktionen zur Sammlung von Spenden aller Mitglieder für bedürftige Menschen. Wir können alle stolz auf unsere Mitglieder und unseren Verein sein.“

Was genau sollen die Nachwuchs-Fußballer eigentlich machen?

"Die helfen nicht beim Konzert, sondern decken im Vorfeld den Boden ihres Rasenplatzes ab – sonst nichts", sagt der Sprecher des Vereins zu bento.

Und das soll dann also 16 Stunden dauern.

Update: Nach den Berichten über den unbezahlten Arbeitseinsatz sei dieser von den Betreuern per Rundnachricht abgesagt worden. (Bild)


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