Auch wer im Internet Mist baut, muss dafür geradestehen

Kyle ist 26. Andere Männer in seinem Alter haben gerade das Studium abgeschlossen, reisen umher oder gründen Familien. Kyle konnte all das nicht – denn er ist gerade aus dem Gefängnis gekommen. Weil er 2014 auf 4chan mit einem Amoklauf an einer Grundschule drohte und damit eine Panik auslöste. 

Betrunken hatte er damals, in seiner Bude in Florida, eine Schule im 1400 Kilometer entfernten Bundesstaat Ohio ausgesucht und eine Amokdrohung gepostet. (wsaz

Einfach so, aus Langeweile – ohne an die Konsequenzen zu denken.

"Swatting" nennt man das in den USA, nach dem Namen der Spezialeinsatzkräfte der Polizei, den SWAT-Teams. Diese gehen oft sehr rabiat vor und stürmen mit entsicherten Waffen die Wohnung von Verdächtigen. Teenager machen es sich zum Spaß, durch Droh-Posts und -anrufe SWAT-Teams zu vermeintlichen Feinden zu schicken. Und riskieren so, dass der andere von der Polizei umgebracht wird, die auf das Schlimmste vorbereitet erscheint. (SPIEGEL ONLINE)

Kyle hatte die Polizei in eine Grundschule geschickt. Tagelang blieben Kinder nach der Drohung zu Hause, bis Kyle vom FBI identifiziert wurde. 

"Ihr solltet das auf keinen Fall nachmachen. Bitte lernt aus meiner Geschichte, falls ihr den selben dunklen Weg einschlagt, zu viel im Internet rumhängt und trollt."
Kyle

Dass er nun – nach weniger als drei Jahren – wieder frei ist, hat er auch seinem Sinneswandel zu verdanken. Denn der Staatsanwalt hatte eigentlich acht Jahre Haft gefordert. Er scheint aus seinem Fehler, wenn man das so nennen kann, gelernt zu haben. 

Bei einem "Ask Me Anything" auf reddit stand er nun für Fragen rund um seine Tat zur Verfügung und versuchte so, andere von ähnlichen Ideen abzuhalten. Fast 6000 Kommentare hat sein Angebot, über Trollen, Swatting und das Gefängnis zu reden, in nur einer Nacht erhalten. 

Hier sind Kyles Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Wie sah deine Verhaftung aus?
"Ich wurde bei der Arbeit abgeholt und musste dann 27 Tage in einer Arrestzelle warten, bis ich dem Richter vorgeführt wurde."
Wann ist die klar geworden, dass das nicht nur ein dummer Spaß war?
"Als die Person am anderen Ende des Telefons sich als FBI-Agent vorstellte."
Warst du seitdem wieder auf 4chan?
"Nein. Ich habe sowas wie eine posttraumatische Belastungsstörung. Ich habe der Site abgeschworen."
Tut es dir leid?
"Ja, jeden Tag. Ich wünschte, ich wäre nicht so ein Loser gewesen. Am schlimmsten war es aber, als ich die Opfer meiner Tat wirklich getroffen habe."
Was ist die größte Erkenntnis aus deinen Erlebnissen?
"Dass ich an mir arbeiten muss, um ein guter Mensch zu sein. Mein Leben war ein Trümmerhaufen, als ich das gemacht habe."
Glaubst du, das Gefängnis hat dir geholfen?
"Ja, weil ich nicht so werden wollte wie die anderen Männer dort. Drogendealer, Schläger, Kinderschänder. Ich will mal eine Familie haben."
Wo wärst du heute, wenn du nicht verhaftet worden wärst?
"Wahrscheinlich tot. Ich hätte mich auf jeden Fall betrunken ans Steuer gesetzt und wäre losgefahren."
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Amokdrohungen sind leider kein reines US-Problem: Erst vergangene Woche hatte ein junger Mann in Trier über Jodel mit einer Gewalttat gedroht. Der 24-Jährige wurde festgenommen. (SPIEGEL ONLINE


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