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"Wir erfüllen die Versprechen von Donald Trump."

Im vergangenen Herbst gewann Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten – auch mit Stimmen vom rechten Rand. Die sogenannte Alt-Right-Bewegung unterstützt Trump offen.

Alt-Right steht für "alternative Rechte", tatsächlich verstecken sich hinter dem Begriff Neonazis, Ultrakonservative und weiße Rassisten. In der US-Stadt Charlottesville haben sich diese Gruppen am Wochenende nun zu einer großen Demo versammelt. 

  • Rechte marschierten unter dem Motto "Unite the Right" auf. Es kam zu Schlägereien mit Gegendemonstranten. Ein Mann von ihnen fuhr ein Auto in eine Gruppe linker Gegendemonstranten und tötete eine 32-jährige Frau und verletzte 19 weitere Menschen.
  • In den USA hat das eine neue Debatte über rechte Gewalt ausgelöst. Auch Donald Trumps gerät dabei in die Kritik. Er verurteilte ausdrücklich die Gewalt "auf beiden Seiten."

Hier erfährst du mehr über den Anschlag:

Welche rechten Gruppen nahmen teil?

Eine Mischung aus Neonazis und Ultrakonservativen, die sich unter dem Überbegriff "White Power" sammeln. Insgesamt waren mehrere Tausend Menschen aus verschiedenen "White Power"-Gruppen da. Die Demo zeigte, wie gewaltbereit die ultrarechte Szene in den USA ist – aber auch, wie gut organisiert sie ist.

Die Polizei von Charlottesville ging vor der Demo davon aus, dass sich unter anderem Anhänger der Alt-Right-Bewegung, des Ku-Klux-Klans, Mitglieder der rechten Gruppe "3 %" und militante Neonazis versammeln würden:

Dafür stehen die rechtsextremen Gruppen:
Der selbstgewählte Begriff ist relativ neu und versucht, Nazis als harmlose "Alternative" zu beschreiben. Die Bewegung träumt von einer "ethnischen Säuberung" der USA, ist gegen Einwanderung und Gleichstellung. Einer ihrer Anführer ist Richard Spencer, der Trump mit dem Hitlergruß zujubelt (bento).
Der KKK ist ein 1865 gegründeter rassistischer Geheimbund. Er wird auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt. Der KKK steckt hinter mehreren Gewalttaten und Morden (Southern Poverty Law Center).
White Supremacy: Sie glauben an die biologische Überlegenheit Weißer. Bekannte Gruppen sind die "Aryan Nation" und "Vanguard America", auf Demos tragen sie schwarze Schilde mit weißem Kreuz.
Sie glauben ebenfalls an die Überlegenheit der Weißen, wollen das aber auch in einem "reinen" Staat umsetzen. Die Nationalisten orientieren sich an Nazi-Deutschland und tragen oft Hakenkreuze.
"Three Percenters": Die 3-Prozenter sehen sich als patriotische Bewegung, die die USA vor ihrer angeblich korrupten Regierung schützen will. Der Name leitet sich von der Gruppe Soldaten ab, die während der Amerikanischen Revolution gegen die Briten Widerstand leisteten.
Eine militante, rechte Bewegung, die ähnlich der "3-Prozenter" am Sturz der Regierung arbeitet. Der "Schwur" bezieht sich auf die US-Verfassung – die mit Waffengewalt gegen innere und äußere Feinde geschützt werden soll.
Die Anhänger sind antidemokratisch, schwulenfeindlich und rassistisch. Sie eint die Erinnerung an den Amerikanischen Bürgerkrieg. Ihr Erkennungszeichen ist die alte Südstaatenfahne. ​
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Wie hängen diese Gruppen mit Trump zusammen?

Trump selbst leugnet jede direkte Verbindung zur Alt-Right – gibt sich aber auch keine große Mühe, die ideologische Nähe zu verschleiern:

  • Die deutlichste Verbindung zur den Rechten: Stephen Bannon. Bannon leitete lange Zeit die rechte Nachrichtenseite "Breitbart", sie ist Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung. Mittlerweile arbeitet er als Trumps Chefstratege im Weißen Haus. Das illustriert, wie sehr Trump im Wahlkampf auf die Stimmen der weißen Rassisten setzte.
  • Viele Neonazi-Bewegungen fühlen sich seit Trumps Sieg in ihrem Rassismus bestätigt. Bereits im vergangenen November luden Neonazis des Thinktanks "National Policy Institute" zu einer Konferenz nach Washington. Dort hielten sie Vorträge über die "Überlegenheit der weißen Rasse", der Chefredner rief "Heil Trump" und zeigte den Hitlergruß:

  • Die Nähe zu Trump zeigte sich nun auch bei der "Unite the Right"-Demo in Charlottesville. David Duke ist ein den USA bekannter Neonazi und war hochrangiges Mitglied des KKK. Am Rande der Demo sagte er:
"Wir holen uns unser Land zurück. Wir erfüllen die Versprechen von Donald Trump."
David Duke
Wie hat Trump auf Charlottesville reagiert?

Bereits am Freitagabend war es zu Ausschreitungen gekommen, Trump blieb ungewöhnlich still. Erst am Samstag äußerte er sich und verurteilte den Hass und die Gewalt, betonte aber, dass sie "von vielen Seiten" ausgegangen sei.

Dass Trump diese Sichtweise auch noch hervorhob, kam bei US-Bürgern und Politikern schlecht an. Schließlich demonstrierten auf der einen Seite Rassisten und Neonazis – und auf der anderen viele normale Bürger gegen rechten Extremismus. 

Der Anschlag war Trumps Chance, sich von den Rechtsextremen zu distanzieren, die "Heil Trump"-Rufen durch die Stadt gezogen waren. Genutzt hat er sie nicht.

Erst am Montagabend beugte sich Trump dem Druck der Öffentlichkeit – und äußerte sich erstmals direkt zum KKK und den White Supremacists (bento).

Wie geht es jetzt weiter?
  • Das US-Justizministerium hat Ermittlungen gegen den Attentäter eingeleitet, der absichtlich ein Auto in die Gegendemo fuhr (NBC).
  • Und das Weiße Haus hat bei Trumps Aussagen nachgebessert. Wenn er Gewalt auf allen Seiten verurteile, dann schließe das "natürlich" auch rechte Extremisten mit ein (ABC).

Die Situation beruhigen wird das wohl kaum: Was in Charlottesville passiert ist, zeigt, wie sehr die Amerikaner unter Trump gespalten sind. Und wie sehr sich Rassisten ermutigt fühlen, ihre rassistische Ansichten zu verbreiten.

Weiterlesen:
  1. Hier interviewt Vox die Expertin Angela Nagle, die die Bewegung mehrere Jahre untersucht hat.
  2. Und hier beschreibt die "Süddeutsche Zeitung" das Verhältnis von Trump und Bannon.

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