Bild: Hivi Nekshebendi

Wer an den Irak denkt, denkt an Bomben, Schutt und Krieg. Die Bilder, die uns erreichen, zeigen Szenen des Terrors und ein Land, das in einer ewigen Krise steckt. Hivi Nekshebendi, eine 26-jährige Fotografin, wollte ein anderes Bild vom Nordirak einfangen. Für ihre diesjährige Abschlussarbeit reiste sie in die Heimat ihrer Eltern und kam nach sechs Monaten mit Fotos und Erfahrungen zurück.

In der Slideshow kannst du dir die schönsten Bilder von Hivi anschauen:
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Hivis Reise fängt eigentlich schon vor zwei Jahren an.

Sie ist mit ihren Eltern im Nordirak auf Familienbesuch, als der IS Mossul einnimmt, die zweitgrößte Stadt des Landes. "Das war wie die Pest, die man einfach nicht aufhalten kann", sagt sie über den Einfall der Terrormiliz.

Zurück in Deutschland will sie nicht wegschauen, und als ein Jahr später ihre Abschlussarbeit in Kommunikationsdesign an der privaten "Institut of Design"-Hochschule in Düsseldorf ansteht, hat sie schon ihren Plan gefasst: Ein halbes Jahr mit Kamera durch die autonome Region Kurdistan im Nordirak.

"Natürlich, man kann viel über Kurdistan lesen, aber dann hat man trotzdem keine Ahnung, wie es wirklich in Krisengebieten aussieht", sagt sie. Ihre Bilder sollen den Fokus auf die Menschen richten, die dort leben, wo Kriegsreporter hinreisen, auf die Bevölkerung, für die es einen Alltag zwischen Krieg und Terror gibt.

Die Hauptstadt Erbil liegt nur 30 Kilometer entfernt von den Gebieten, die der IS besetzt. Die Stadt aber ist voller Menschen, Verkehr, Märkte. Auch das will Hivi zeigen: "Ich versuche immer meinen Freunden zu erklären, wie wunderschön es dort ist. Es gibt mehr als nur die Bilder, die in den Medien verbreitet werden."

Ein Mann hätte nicht immer erklären müssen, was er mit den Fotos vorhat.
Nicht alle sind von Hivis Idee begeistert.

Freunde reagieren mit Unverständnis auf ihre Reisepläne. "Wie, du fliegst dahin?!" – ihr Dozent traut ihr das Projekt nicht zu. Natürlich weiß Hivi, dass auch Schwierigkeiten auf sie zukommen: "Ich hatte von Anfang sehr viel Respekt davor." Sie weiß aber auch, dass sie nicht auf sich allein gestellt ist: Ihr Vater unterstützt sie bei den Vorbereitungen und fliegt mit, um während der Reise an ihrer Seite zu sein.

In den ersten Wochen hat Hivi Probleme: Viele misstrauen der jungen Frau mit der Kamera, verwickeln sie in Diskussionen und verstehen nicht den Zweck, den Hivi mit ihren Aufnahmen verfolgt.

(Bild: Hivi Nekshebendi)

Als sie einen Bauarbeiter bei der Arbeit fotografiert, protestiert eine Gruppe von Männern, die Situation eskaliert, Hivi und ihr Vater müssen abhauen. Solche Erfahrungen lassen sie am Projekt zweifeln, sie fühlt sich als Frau nicht respektiert: "Ein Mann hätte nicht immer erklären müssen, was er mit den Fotos vorhat."

In ihrer Rolle als Frau ist Hivi immer wieder mit konservativen Wertvorstellungen konfrontiert. Sie kennt das schon von Urlauben bei ihrer Familie in Kurdistan. Dort diskutierte sie mit ihren Cousins, ob Frauen nach alter Tradition erst nach den Männern essen sollten. "Das ist für mich totaler Bullshit", sagt Hivi, in Deutschland mit einem liberalen Frauenbild aufgewachsen. In Erbil, der Heimat ihrer Eltern, eckt sie deshalb an: "Ich habe eine große Klappe, egal ob ich in Düsseldorf oder Kurdistan bin."

Auch wenn das ein bisschen bescheuert klingt: Ich würde gerne in alle möglichen Krisengebiete reisen
Hivi
Zwei Bilder bedeuten ihr besonders viel.

Mit der Zeit gewöhnt Hivi sich an die Diskussionen und sie bekommt ein Auge für die guten Motive: "Umso mehr ich unterwegs war, desto zufriedener war ich!"

In Erbil entsteht ein Foto, das ihr besonders wichtig ist: Eine alte Frau steht vor einem Camouflage-Tuch auf einem der zahlreichen Märkte der kurdischen Hauptstadt. Die Frau habe ihr sehr viel erzählt, von den Soldaten, die die kurdische Heimat verteidigen, davon, wie stolz sie sei auf ihr Land und ihre Kinder. Dabei lachte sie und strahlte einen bedingungslosen Optimismus aus. "Sie hat mir gezeigt, dass es Einstellungssache ist, wie man mit schwierigen Situationen umgeht."

Das zweite Foto, das Hivi am Herzen liegt, schießt sie bei einer Autofahrt von der Grenzregion zurück nach Erbil. Sie hatte davor mit ihrem Vater eine Militärstation besucht, sie grenzt an das vom IS besetzte Gebiet an, galt aber zu dem Zeitpunkt als relativ sicher. Doch kurz nachdem sie dort ankommen, werden sie beschossen und müssen sich in einem Luftschutzbunker verstecken.

Auf der Rückfahrt kommt ihnen ein Junge auf seinem Esel entgegen. Sie sind erst wenige Kilometer von der umkämpften Station entfernt, doch der Junge macht auf sie einen völlig entspannten Eindruck. Hivi löst aus – und erst später bemerkt sie, dass auf dem Foto im Hintergrund noch die Rauchwolken eines Raketeneinschlages zu sehen sind. Ein friedliches Kind mit dem Krieg im Rücken. Ein Bild mit Symbolcharakter.

Inzwischen ist Hivi zurück in Deutschland, mit mehr als 800 Fotos im Gepäck.

200 davon hat sie ausgewählt für ein Fotobuch, die Abschlussprüfung ist bestanden – derzeit denkt sie über eine Ausstellung nach.

Es zieht sie aber schon wieder ins Ausland: "Auch wenn das ein bisschen bescheuert klingt: Ich würde gerne in alle möglichen Krisengebiete reisen." Für ihre nächste Reise in den Norden des Irak hat sie schon ein neues Projekt geplant: Sie will Kurdinnen portraitieren, die sich für Frauenrechte engagieren.


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