Bild: C-SPAN
"Antworten Sie nur mit 'Ja' oder mit 'Nein'."

Sie braucht weniger als fünf Minuten und nur ein einfaches Frage-Antwort-Spiel: Bei einer Anhörung in einem US-Ausschuss hat die 29-jährige Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez clever gezeigt, wie leicht es Politikern und Politikerinnen in den USA gemacht wird, sich zu bereichern. 

Alexandria Ocasio-Cortez nennt ihr Gedankenexperiment das "Corruption Game" – der Auftritt gehört nun auf Twitter zu den meistgesehenen Videos aller Zeiten.

Die junge Politikerin gehört zu den Abgeordneten, die seit Januar neu im US-Kongress sitzen. Noch nie waren so viele Frauen in dem Parlament vertreten, "AOC", wie Ocasio-Cortez auch genannt wird, gehört zu den schillerndsten. Ihre Arbeit teilt sie umfangreich auf Twitter und Instagram, radikale Forderungen zum Klimaschutz auch.

Vergangene Woche saß Alexandria Ocasio-Cortez im Ausschuss für Aufsichts- und Reformfragen. Darin geht es um Finanzierungsfragen für Politiker oder darum, wie das Wahlsystem vereinfacht werden kann. Gäste, die vor dem Ausschuss geladen sind, müssen den Abgeordenten wahrheitsgemäß antworten.

Die Abgeordnete nutzt das clever aus, indem sie nur Fragen stellt, die die anwesenden nur mit "Ja" oder mit "Nein" beantworten können – und so zugeben müssen, wie korrupt die US-Politik ist.

Ocasio-Cortez spielt in ihrem Gedankenexperiment die Böse – und will versuchen, es legal mit Korruption bis ins Weiße Haus zu schaffen. 

Also malt sie sich aus, wie es wäre, wenn ihr eine Wahlkampagne von Lobbyisten der Pharma- oder Energieindustrie finanziert würde: "Gibt es da irgendetwas, was mich davon abhält?" Die Antwort: Nein.

Dann will sie wissen, ob sie als Politikerin "Schweigegeld" zahlen dürfe, um unliebsame Gerüchte zu verhindern. Die Antwort: Ja. Alexandria Ocasio-Cortez fasst zusammen:

„Ich nutze also meine eigenen Interessen, etwa das Geld, das im Verborgenen in meine Kampagne gesteckt wird, um Leute zu bezahlen, die ich bezahlen muss, damit ich gewählt werde.“

Im nächsten Schritt des Gedankenexperiments ist sie tatsächlich US-Präsidentin geworden. Aber kann sie ihre Lobbyisten aus dem Wahlkampf nun unterstützen, indem sie Gesetze zu ihren Gunsten schreibt? 

AOC fragt also: "Gibt es nun irgendwelche strikten Grenzen, die mich darin einschränken, die herrschenden Gesetze zu verändern oder die Gesetzgebung im Namen derer zu beeinflussen, die meine Wahlkampagne finanzierten?" Die Antwort: Nein.

Im letzten Schritt will AOC wissen, wie sie sich nun weiter bereichern kann, und zwar mit "so wenig Aufwand wie möglich":

„Gibt es irgendetwas, was mich davon abhält, etwa Aktien eines Öl- oder Gaskonzerns zu besitzen? Und dann Gesetze zu lockern, die diese Industrie regulieren?“

Die Antwort lautet auch hier: Nein, das ist legal.

Das "Corruption Game" hatte natürlich seinen Hintergedanken: Der Fall ist nicht komplett fiktiv, sondern passt auf US-Präsident Donald Trump.

Trump – aber auch seine Vorgänger – konnten mit Lobbygeldern Wahlkampf führen und bleiben den Lobbyisten auch im Amt verbunden. Unter Trump sitzen viele Ölmagnaten nun sogar mit im Kabinett und schaffen Gesetze, die ihren Unternehmen helfen, aber der Umwelt schaden (bento). 

Alexandrai Ocasio-Cortez schließt also: 

„Es ist jetzt schon total legal, wie wir sehen, ein böser Typ zu sein. Es ist also viel einfacher für den US-Präsidenten, einer zu sein.“

Das Video mit dem kleinen Gedankenspiel hätte außerhalb des Ausschusses nur für wenig Aufmerksamkeit gesorgt – wenn nicht die US-Videoplattform "Now This" es auf Twitter geteilt hätte. Nun gehört es dort zu den meistgesehenen Videos aller Zeiten.

Schon in den ersten 24 Stunden schauten 21 Millionen Menschen den Clip. In nur fünf Tagen hat der Auftritt von Alexandria Ocasio-Cortez nun mehr als 37 Millionen Views geholt. Tatsächlich dürften es noch weit mehr sein – unter anderem der US-Politsender C-SPAN und auch Comedian James Corden haben Versionen der Rede geteilt.

Hier kannst du die Rede von Alexandria Ocasio-Cortez sehen:


Future

Metzger Aleks, 30: Was er von Vegetariern hält und wann er auf Fleisch verzichten würde
Das erzählt er in unserem Job-Podcast "Und was machst du so?"