Bild: Oliver Ziebe/WDR/dpa
Andere AfD-Politiker dürfen weiter auftreten.

Was ist passiert?

Frank Plasberg möchte AfD-Chef Alexander Gauland nicht mehr in seine Polit-Talkshow einladen. Das sagte er dem Tagesspiegel.

Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei "Hart aber fair" sein. Daher werden wir Alexander Gauland in Zukunft nicht mehr einladen.
Frank Plasberg

Was hat Gauland getan?

Der AfD-Chef hatte am Samstag auf dem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" (JA) im thüringischen Seebach gesagt:

Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.
Alexander Gauland

Davor hatte er gesagt: "Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre", aber: "Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre."

Anschließend hatte Gauland versucht, seine Aussage zu verharmlosen. Seit Jahren versucht die AfD, sich durch gezielte Provokationen Aufmerksamkeit zu verschaffen. Anschließend werden radikale Äußerungen häufig als Belanglosigkeit abgetan.

"Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren", sagte Gauland nun am Montag.

"Vogelschiss ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf, mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe."

Dabei war das bei weitem nicht die erste rechtsradikale Aussage von Alexander Gauland. Den schwarzen Fußballprofi Jerome Boateng hatte er nicht als Nachbarn gewollt und die frühere Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz wollte er "in Anatolien entsorgen". (Mehr dazu hier bei bento)

Gilt Plasbergs Gauland-Ausschluss für die gesamte AfD?

Nein. Laut Tagesspiegel will Plasberg aber auch Björn Höcke nicht mehr einladen. Der Vertreter des rechtsradikalen Flügels in der AfD sei wegen seiner relativierenden Äußerungen zum Nationalsozialismus und Holocaust noch nie bei "Hart aber fair" gewesen.

Andere Vertreter der AfD sollen aber weiter in der Sendung auftreten. "Vertreter der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag" würden selbstverständlich weiter eingeladen, zitiert der Tagesspiegel Frank Plasberg. Auf Twitter war die Redaktion von "Hart aber fair" am Wochenende kritisiert worden. Die Sendung übernehme immer wieder die Themen und die Darstellung der AfD, hieß es. (mehr bei bento)

Wie verhalten sich die anderen Talkshow-Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender?

Auch die Redaktionen von "Maybrit Illner" und "Anne Will" hatte der Tagesspiegel angefragt. Sie gaben allerdings keine klare Antwort.

Wie reagiert die Bundesregierung auf Gaulands Äußerung?

Viele Medien und Politiker haben den AfD-Chef seit Samstag kritisiert, weil er die Nazi-Zeit verharmloste. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte am Sonntag:

"Wer heute den einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, kleinredet oder relativiert, der verhöhnt nicht nur die Millionen Opfer, sondern der will ganz bewusst alte Wunden aufreißen und sät neuen Hass, und dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen."

Auch die Bundesregierung verurteilte die Aussage. Merkel-Sprecher Steffen Seibert sagte:

"Es ist beschämend, dass wir uns mit solchen Äußerungen eines Bundestagsabgeordneten befassen müssen." Nur weil sich Deutschland und alle Bundesregierungen zum Massenmord an Juden bekannt hätten, sei Deutschland in der Lage gewesen, wieder ein anerkanntes Mitglied der Staatengemeinschaft zu werden."

Mit Material von dpa

So berichtet bento über die AfD

Wir verhelfen der AfD zu mehr Aufmerksamkeit, wenn wir über die Provokationen und Tabubrüche der Rechtspopulisten berichten. Wenn wir sie ignorieren, melden sich Menschen und fragen: Wo bleibt der Aufschrei? Ist das, was die AfD sagt, etwa schon "normal"?

Wie wir mit diesem Dilemma umgehen und wann wir wie berichten, haben wir hier aufgeschrieben.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass auch die "Maischberger"-Redaktion Gauland nicht mehr einladen wolle. Das ist nicht richtig. Wir haben den Fehler korrigiert.


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Wie wir mit den Provokationen der AfD umgehen

In einer Rede hat AfD-Parteichef Alexander Gauland die Nazi-Zeit als "Vogelschiss" der deutschen Geschichte abgetan. Das hat Methode. Bei der AfD gehört die Provokation zum Programm. Immer wieder überschreiten AfD-Politiker absichtlich Grenzen. Bei jedem neuen Tabubruch stehen wir als Redaktion vor der Frage, ob und wie wir berichten.