Bild: Screenshot ZDF
Huh, konnte ja auch keiner erwarten...

Sommerinterviews sind meistens unspektakulär. Allein in diesem Jahr gab es davon schon zehn – ohne dass es jemand wirklich bemerkt hätte. Meist sind die Gespräche auf Dachterrassen, Badeinseln oder Ausflugsschiffen vorhersehbar. Das Sommerinterview mit AfD–Chef Gauland war es nicht. (ZDF)

Schon kurz nach der Ausstrahlung diskutierten viele über das knapp 20-minütige Interview. Grund: ZDF-Moderator Thomas Walde konfrontierte den AfD-Chef, fragte wenig zu Flüchtlingen. Schon allein deshalb war es ein ungewöhnliches Gespräch. Das Ergebnis: In fast allen Themenfeldern hatte Gauland wenig zu sagen, Zuschauerinnen und Zuschauer konnten kaum klare Positionen erkennen.

Shahak Shapira spottete anschließend: 

Doch was sagte der Vorsitzende der größten Oppositionspartei im Bundestag im Detail? Wir haben das Interview analysiert. Diese fünf Punkte zeigen, wie hilflos Gauland agiert, wenn er nicht über Flüchtlinge und Ausländer reden darf.


Diese 5 Momente des Sommerinterview zeigen, wie ahnungslos Gauland wirklich war:

1

Thema Klimawandel

Moderator Thomas Walde konfrontiert Alexander Gauland gleich zu Beginn des Sommerinterviews mit dem Grundsatzprogramm seiner Partei und zitiert daraus: "Die AfD (...) macht aber Schluss mit der 'Klimaschutzpolitik'"

Dazu der AfD-Chef:

(Bild: ZDF/bento)

Weiter sagt Gauland: "Ich glaube nicht, dass es gegen den Klimawandel etwas gibt, das wir machen können."

Beide Aussagen führen in die Irre. Es ist wissenschaftlich klar belegt, dass die Erderwärmung seit der Industrialisierung deutlich zugenommen hat. Und es ist klar, dass Menschen etwas dagegen unternehmen können. Der AfD-Chef widerspricht damit einer Erkenntnis, die unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit Konsens ist. Seine Begründung bleibt zudem ziemlich vage.

2

Thema Rentenpolitik

Im zweiten Teil konfrontiert Thomas Walde Gauland damit, dass seine Partei bis heute kein klares Konzept in der Rentenpolitik hat. Als sich Gauland damit rechtfertigt, die AfD sei "noch eine junge Partei", zeigt Walde eine Parteitagsrede von AfD-Bundesvorstandsmitglied Andreas Kalbitz. Dieser sagt: "Ich kann das Gerede von einer jungen Partei nicht mehr hören. (...) Wir sind die größte Oppositionspartei im deutschen Bundestag."

Daraufhin versucht Gauland zu erklären, er habe eigentlich genau dasselbe sagen wollen wie Kalbitz. Der Moderator hakt erneut nach und fragt, ob Gauland wie sein Co-Vorsitzender Jörg Meuthen das bisherige Rentensystem abschaffen oder eher – wie andere AfD-Politiker – weiter ausbauen wolle. 

Wieder findet Gauland keine klare Antwort. Walde fragt ein letztes Mal: "Sie haben also keine Alternative?" Gaulands hilflose Antwort: 

(Bild: ZDF/bento)

3

Thema Digitalisierung

Inzwischen ist bereits mehr als die Hälfte des Interviews vorbei, wirklich punkten konnte Alexander Gauland selten. Moderator Thomas Walde zeigt eine AfD-Bundestagsrede, in der die Digitalisierung als "elementarer Paradigmenwechsel" bezeichnet und "radikales Umdenken und Umsteuern" gefordert wird. Kann der Parteichef die großen Worte erklären?

Doch der AfD-Vorsitzende versucht nicht mal, eine eigene Antwort zu geben und sagt: 

(Bild: ZDF/bento)

4

Thema bezahlbarer Wohnraum

Moderator Thomas Walde leitet das Gespräch weiter auf das Thema bezahlbarer Wohnraum. Als er Gauland fragt, wie er Menschen in Mietwohnungen vor den Folgen von Airbnb schützen wolle, schaut der AfD-Vorsitzende seinen Gesprächspartner fast hilflos an. 

Als Walde das Thema noch einmal erklärt, redet Gauland kurz von Wohnungsbau, ohne auf Airbnb einzugehen. Wieder hakt der Moderator nach: Wie soll denn Airbnb nun genau reguliert werden? Schließlich antwortet Gauland:

(Bild: ZDF/bento)

5

Thema Erinnerungspolitik

Im letzten Teil des Sommerinterviews geht es um ein Thema, über das Alexander Gauland selbst gerne spricht: den Umgang mit der deutschen Geschichte. Der Moderator erinnert an eine alten Satz Gaulands: "Es ist das Land unserer Väter und Mütter und wir wollen es behalten, wie wir es übernommen haben."

Walde will wissen: Was heißt das bei einem Mann, der 1941 geboren wurde? (Kleine Erinnerung: Damals waren die Nazis an der Macht.) Wieder spricht der AfD-Chef abwehrend von "den zwölf Jahren" (gemeint ist die Herrschaft des Nationalsozialismus) und schwärmt von der restlichen deutschen Geschichte, weicht aus. Als Walde es wieder ganz konkret wissen will, sagt der AfD-Chef:

(Bild: ZDF/bento)

Besser hätte Gauland sein eigenes Interview wohl kaum zusammenfassen können: Er hatte in den rund zwanzig Minuten wenig zu sagen, geriet ins Schwimmen, ist ganz offensichtlich bei einigen Themen nicht im Bild – besonders wenn er nicht über Flüchtlinge reden darf. Obwohl das Interview keineswegs außergewöhnlich war, hat es dem AfD-Chef seine Grenzen aufgezeigt.

Das zeigt vor allem zwei Dinge:

  • Wie ihr Vorsitzender tut sich die AfD ingesamt schwer, wenn es um andere große Themen wie Sozialpolitik oder Digitalisierung geht. Die Partei teilt sich oft in zwei Lager. Die einen sind strikt gegen staatliche Eingriffe und wollen den Sozialstaat radikal beschneiden. Die anderen fordern das genaue Gegenteil – wenn auch meist nur für Deutsche. Wahrscheinlich sind Gaulands zögerliche Aussagen zum Teil auch darauf zurückzuführen.
  • Trotz aller Defizite gibt es einen zweistelligen Anteil an Wählern, die die AfD dennoch wählen würden. Obwohl sie in vielen Bereichen kaum nennenswerte Vorschläge macht. Diesen Menschen scheinen der Protest und die ausländerfeindliche Rhetorik der AfD wichtiger zu sein, als wohlüberlegte Aussagen zur Airbnb-Regulierung und zur Rentenpolitik.

Thomas Walde, der Moderator des Sommerinterviews, fasste am Ende die Haltung des AfD-Chefs übrigens so zusammen:

Kann es sein, Herr Gauland, dass Sie mit diesen Zukunftsthemen überfordert sind und deshalb immer Ihr Heil in der deutschen Geschichte suchen?
Thomas Walde, ZDF-Moderator

Grün

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Frankreich will mehr gegen die Plastikflut tun. Bereits vor zwei Jahren hat die Regierung ein Gesetz erlassen, das in Zukunft Geschirr und Besteck aus Plastik verbietet (bento). Ab 2020 muss sämtliches Einweggeschirr biologisch abbaubar sein. 

Jetzt folgt der nächste Schritt: Verpackungen aus nicht-recyceltem Plastik sollen teurer werden – und so vom Markt gedrängt werden.