#AleppoIsBurning

Keine grinsenden Gesichter – sondern blutrote Flächen. Keine Urlaubsfotos – sondern blutrote Flächen. Keine Katzenfotos – sondern blutrote Flächen.

Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken tauchen seit einigen Tagen rot gefärbte Profilfotos auf. Manchmal als Rotfilter über dem echten Bild, so wie bei den Solidaritätsfotos mit der französischen Flagge nach den Anschlägen in Paris. Manchmal als einfache rote Flächen, plakativ und simpel.

Die Rotbilder gehören zur Aktion #AleppoIsBurning – einer Social-Media-Kampagne, die auf die Situation in Aleppo aufmerksam machen will.

Wo liegt Aleppo und was passiert da?

Aleppo war die größte Stadt Syriens und hatte einst noch mehr Einwohner als die Hauptstadt Damaskus. Sie liegt im Norden des Landes, nahe der Grenze zur Türkei.

In Syrien herrscht seit mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg (hier findest du die wichtigsten Infos). Aleppo galt als wichtige Wirtschaftsmetropole – und war daher von Anfang an hart umkämpft. Zu den wichtigsten Kriegsparteien gehören die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und die Rebellenmilizen, die sich gegen ihn erheben. Weitere Gruppen kämpfen für die beiden Seiten oder für eigene Ziele.

So sieht es in Aleppo aus:
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Warum startet gerade jetzt die Aktion #AleppoIsBurning?

Um für Aufmerksamkeit zu sorgen: Am Wochenende sind die Kämpfe um Aleppo so heftig aufgeflammt, wie seit Monaten nicht mehr (SPIEGEL ONLINE, Al-Monitor). Assads Luftwaffe wirft täglich Fassbomben auf bewohnte Stadtteile ab – die Bomben zersplittern in alle Richtungen, auch Zivilisten werden so getroffen. Die Rebellen torpedieren die Gegenseite mit Granaten – auch hier ohne genau zu zielen. Mindestens 19 Zivilisten starben so jüngst bei Rebellenangriffen (Beobachtungsstelle I).

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass insgesamt in der letzten Aprilwoche mehr als 250 Zivilisten getötet wurden, darunter 90 Kinder (Beobachtungsstelle II). Die Aktivisten versuchen, einen Überblick über den Krieg zu schaffen; endgültige Zahlen können sie jedoch nicht liefern. In ganz Syrien kamen laut ihren Recherchen im April mehr als 850 Zivilisten ums Leben (Beobachtungsstelle III). Und darüber hinaus mehr als 2000 Kämpfer:

Aber gab es nicht bereits einen Waffenstillstand in Syrien?

Richtig, eigentlich haben die in Syrien kämpfenden Parteien Ende Februar einer Waffenpause im Land zugestimmt. Vermittelt wurde sie von internationalen Mächten, darunter die USA und Russland.

Tatsächlich hörten die Gefechte allerdings nie auf, denn es gab ein Schlupfloch in der Vereinbarung: Angriffe auf Islamisten waren weiter erlaubt, wie zum Beispiel auf die Terrormiliz "Islamischer Staat", den IS. Wer als Islamist gilt, definierten die Kriegsparteien aber unterschiedlich: Vor allem Assad bombte also weiter gegen Zivilisten und nannte das Antiterrorkampf.

Die Friedensgespräche gehen nebenbei trotzdem weiter. Vergangene Woche wurde eine Verhandlungsrunde überschattet, als ein Luftangriff Assads ein Krankenhaus traf. Zwischen 14 und 27 Unbeteiligte sollen gestorben sein (SPIEGEL ONLINE), darunter der angeblich letzte Kinderarzt der Stadt:

Wer steckt hinter #AleppoIsBurning?

Es gibt keinen wirklichen Initiator. Die arabischsprachige Version wurde bereits 2012 verwendet, aber erst seit dem 28. April findet sie im Netz tausendfache Verbreitung. Es sind also vor allem Aktivisten im Nahen Osten, die auf die Schrecken des Syrischen Bürgerkriegs hinweisen wollen. (Syria Deeply)

Schnell hat sich auch ein eigener Account gegründet, der weltweite Demos und Protestaktionen abbildet:
Und die Menschen nehmen Anteil:
Weitere Berichte zu Aleppo:


Gerechtigkeit

Warum wir in einer Greisen-Republik leben – und was man dagegen tun kann
Das erklärt der junge Autor und Aktivist Wolfgang Gründinger in seinem neuen Buch

Damit eines gleich klar ist: Das Buch "Alte Säcke Politik" ist kein Bashing von Senioren. "Ein alter Sack oder eine alte Schachtel kann jeder sein", erklärt der Autor Wolfgang Gründinger. Es geht ihm vor allem ums Denken, weniger ums Alter.

Wolfang Gründinger ist 31 Jahre alt, Politikwissenschaftler und selbsternannter "Zukunftslobbyist", als Autor und Aktivist beschäftigt er sich viel mit der Rente, mit Demografie und Generationengerechtigkeit, zudem engagiert er sich unter anderem in der SPD. Er hat etwas gegen all diejenigen, die einen Stillstand in Deutschland bewirken, eine "Merkelisierung". "Viele konservieren lieber das Gestern, als das Morgen zu ermöglichen", sagt Gründinger.

In seinem neuen Buch beschreibt er, was die Bundesrepublik zu einer Greisen-Demokratie macht – und wie wir seiner Meinung nach aus der Misere wieder herauskommen.