Bild: dpa/Jörg Carstensen

Am Samstag ziehen wieder israelfeindliche Demonstranten durch Berlin – jedes Jahr aufs Neue. Angemeldet sind 2000 Menschen. Die Polizei schaut auf die Demo besonders kritisch: Denn jedes Jahr kommt es zu antisemitischer Hetze und zu Straftaten. 

Kein Wunder: Die Al-Quds-Demo versammelt Hamas- und Hisbollah-Sympathisanten, Neonazis und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Wer genau steckt hinter der Demo? Und wie wehren sich Berliner gegen die Antisemiten? Die wichtigsten Antworten zur Al-Quds-Demo:

1.

Was ist die Al-Quds-Demo?

Quds ist der arabische Name für Jerusalem – und ein Symbol für den Nahostkonflikt. Israel und Palästina beanspruchen Jerusalem für sich als Hauptstadt. Der alljährliche Al-Quds-Tag soll von arabischer Seite aus daran erinnern, dass die Palästinenser ein Anrecht auf Jerusalem haben.

Aber: Tatsächlich geht es nicht um Politik, sondern um Hass. Extremistische muslimische Verbände nutzen die Demos am Quds-Tag, um gegen Juden zu hetzen, Neonazis und andere Israelfeinde stimmen mit ein.

Vergangenes Jahr trugen Teilnehmende Symbole der Terrororganisation "Volksfront zur Befreiung Palästinas", über Lautsprecher wurde "Kindermörder Israel" skandiert, auf Schildern hieß es, Israel töte "alle 3 Tage" ein Kind. (Tagesspiegel)

Demonstranten auf dem Quds-Tag.(Bild: dpa/Gregor Fischer)

2.

Warum findet sie jährlich statt?

Weil sich die Demo an einem bestimmten Datum orientiert – dem letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan. Der iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte diesen 1979 ausgerufen, um das Existenzrecht Israels infrage zu stellen.

In Berlin rufen Israelfeinde seit 1996 zur Al-Quds-Demo. 

3.

Wer steckt hinter der Demo-Anmeldung?

Beobachter vermuten, dass die Hisbollah hinter den Aufmärschen steckt. Die Hisbollah ist eine von Iran unterstützte Terrorgruppe aus dem Libanon. Sie organisiert weltweit viele der Proteste, heißt es in einem Gutachten des Bundes. 

In Deutschland soll das unter anderem durch das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) geschehen. Das IZH wird vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet und in Berichten als "Instrument der iranischen Staatsführung" eingestuft. Offiziell tritt das IZH nicht mehr als Veranstalter auf, eine Gruppe namens "Quds-AG" organisiert die Demos.

4.

Was macht die Al-Quds-Demo so gefährlich?

Die Antisemiten verstecken ihren Hass hinter möglichst harmlosen Formulierungen. Das gewählte Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet: "Kreuzzug gegen den Islam? Gemeinsam gegen das Unrecht auf die Straße!"

Und in dem Demo-Aufruf auf Facebook heißt es: "Für ein freies Palästina und ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller Religionsgemeinschaften". Die Worte "Israel" oder "Jude" werden gar nicht erwähnt. 

  • Dennoch geht es dann um Antisemitismus: Bei der Berliner Kundgebung 2014 riefen Teilnehmer: "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf’ allein". Auch Anhänger der israelfeindlichen Kampagne BDS – kurz für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen – laufen bei den Quds-Märschen mit. (SPIEGEL ONLINE)
Aktivisten der Gegendemo.(Bild: dpa/Hannibal)

5.

Welchen Gegenprotest gibt es?

Laut "Berliner Morgenpost" diese beiden:

  1. Das ADC Bildungswerk für Demokratie und Kultur hat die Veranstaltung "Gemeinsam gegen Antisemitismus, Islamismus und Homophobie – Solidarität mit Israel und der iranischen Demokratiebewegung" beantragt. rund 1000 Teilnehmer werden erwartet.
  2. Der Protestumzug "Kein Al-Quds-Tag" erwartet etwa 100 Teilnehmer, Anmelder ist das "Bündnis kein Al-Quds-Tag", das zur Antifa gezählt wird.

Alle im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien, außer der AfD, unterstützen die Gegendemos. Außerdem der DGB, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die Kurdische Gemeinde Deutschland sowie der Lesben- und Schwulenverband.


Gerechtigkeit

Eine Linie Koks ist hier das Feierabendbier: Drogensüchtige aus Kolumbien erzählen
Qualität und die richtige Dosis retten Menschen.

Julian ließ sich auf einer Party zum ersten Mal Heroin spritzen. Er war 22 Jahre alt und hatte dort neue Leute kennengelernt, sie boten ihm Heroin an. Er streckte seinen Arm hin, sie setzten die Nadel an. "Es war wie in einem Impfzentrum – einer nach dem anderen ließ sich einen Schuss setzen", sagt Julian. Von da an sei er süchtig gewesen. 

Vor acht Jahren war das. Heute ist Julian 30. Er trägt ein Superman-Shirt, Sonnenbrille. Blasse blaue Flecken auf seinem linken Arm sind der einzige Hinweis darauf, dass er ohne Heroin nicht mehr leben kann. "Es ist ein Klischee, dass nur Leute von der Straße heroinsüchtig sind", sagt Julian. "Es kann sein, dass hier einer neben uns sitzt, der Heroin nimmt – aber man sieht es ihm nicht an."