Bild: dpa/DHA-Depo Photo/Hasan Kirmizitas
"Das verurteilen wir auf das Schärfste."

Seit mehr als sechs Wochen kämpft die türkische Armee in Syrien. Gemeinsam mit syrischen Milizen und Panzern aus Deutschland rückt sie im Land vor. Nun hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Vorgehen erstmals deutlich verurteilt. 

Im Rahmen ihrer Regierungserklärung sagte sie am Mittwoch: 

"Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo tausende und abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen."

Afrin ist eine größere mehrheitlich von Kurden bewohnte Stadt in Nordsyrien. Die Türkei bezeichnet die kurdischen Kräfte dort als "Terrorgruppe" – am Sonntag haben sie Afrin eingenommen. Mehr als 200.000 Menschen sollen geflohen sein.

Merkel sagte nun: "Das verurteilen wir auf das Schärfste." 

Worum geht es beim Konflikt zwischen der Türkei und syrischen Kurden?

Die Stadt Afrin ist die letzte Hochburg kurdischer Verbände im Nordwesten von Syrien. Kurden haben schon immer in Syrien gelebt, viele Jahrzehnte wurden sie unterdrückt. Seit mehreren Monaten nutzen sie das Chaos im Syrienkrieg, um sich im Norden eigene Landstriche zu erobern – ihr Ziel ist ein Staat im Staat, ähnlich der Autonomieregion im Nordirak.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in den Kurden eine Bedrohung. Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist in der Türkei verboten und wird international als Terrorgruppe betrachtet. Da die PKK Milizen in Syrien unterstützen soll, hat Erdogan die Armee losgeschickt, um selbst in Syrien einzugreifen. Die "Operation Olivenzweig" genannte Mission dient jedoch weniger dem Schutz und mehr nationalistischen Zwecken.

Was ist in Afrin passiert?

Die türkische Armee hat mehrere Wochen gebraucht, um sich die 30 Kilometer von der Grenze bis nach Afrin vorzuarbeiten. Am Sonntag meldeten sie dann die Einnahme der Stadt. Die Armee hat sich mit Islamisten und lokalen syrischen Kämpfern verbündet. Mehr als 300 Zivilisten sollen getötet worden sein. (SPIEGEL ONLINE)

Über die Truppen, die sich nun in der Stadt aufhalten, heißt es, sie würden Restaurants, Geschäfte und Häuser plündern. Der türkische Präsident Erdogan spottete, die Kurden seien "Terroristen, die mit eingekniffenem Schwanz davongerannt" seien.

Warum ist das wichtig?

Die Türkei ist Mitglied der Nato, dem atlantischen Verteidigungsbündnis, dem unter anderem auch die USA und Deutschland angehören. 

  • Als Nato-Partner lagert die Türkei unter anderem Atomwaffen und gibt anderen Ländern eine Basis bei ihren Angriffen gegen islamistische Stellungen in Syrien. 
  • Vor allem die USA unterstützen in Syrien die kurdischen Milizen – sie helfen im Kampf gegen Islamisten und erhoffen sich so ihren eigenen Staat. 

Nun kämpfen zwei Partner im Syrienkrieg selbst gegeneinander – das macht es für die Nato schwer, sich in Syrien zu positionieren. Und eröffnet in dem sowieso schon unübersichtlichen Konflikt neue Fronten. Ein Ende des Krieges rückt in weite Ferne.

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