Bild: dpa/ Paul Zinken
Ein rechtes Hausprojekt in Halle verbindet beide Seiten.

Er steht da einfach nur am Fenster und guckt mit prüfendem Blick nachdenklich nach draußen. Vor dem Haus tummelt sich das Who-is-who der rechten Szene. Burschenschaftler, Rechtsradikale, ehemalige Mitglieder der NPD-Jugend. 

Und eben er. Hans-Thomas Tillschneider, Landtagsabgeordneter der AfD in Sachsen-Anhalt. Direkt gewählt

Die Szene am Fenster spielte sich bereits Anfang Juli ab. Damals verkündete die vom Verfassungsschutz beobachteten "Identitären" in Sachsen-Anhalts zweitgrößter Stadt Halle den Start ihres ersten Hausprojektes in Deutschland. Mittlerweile stehen die Namen mehrerer rechtsradikaler Studenten am Klingelschild.

Jetzt sorgt das Haus wieder für Wirbel – ein AfD-Politiker hat das Projekt finanziert. 

Wie die "Welt" berichtet, wurde der Kauf über einen Parteifreund von Tillschneider abgewickelt. Der hessische AfD-Politiker Andreas Lichert soll den Rechtsradikalen dabei geholfen haben, das Haus direkt gegenüber des Uni-Campus in Halle für 330.000 Euro inklusive Grundstück zu erwerben (lsa-rechtsaußen). 

Wie Tillschneider ist auch Lichert eine Figur der rechten Szene: In Hessen gehört Lichert dem AfD-Landesvorstand an, auf Listenplatz 7 kandidiert er für den Bundestag. In Sachsen-Anhalt agiert er als Vorsitzender des sogenannten "Instituts für Staatspolitik", einem neurechten Thinktank. Zwischenzeitlich trieb er noch weitere Initiativen voran, darunter eine "Projektwerkstatt", in der Referenten auftraten, die zuvor bereits in rechtsextremen Verlagen publiziert hatten. (Frankfurter Rundschau)

Was jetzt an die Öffentlichkeit kommt, ist seit Jahren gewachsen.
Stefan Schmidt, Beobachtungsnetzwerk "LSA Rechtsaußen"

Die enge Verbindungen zwischen AfD-Mitgliedern, "Identitären", Burschenschaftlern und früheren NPD-Mitgliedern hätten besonders in Sachsen-Anhalt System, sagt Stefan Schmidt* vom Beobachtungsnetzwerk "LSA Rechtsaußen". 

Der 28-jährige Student aus Magdeburg beobachtet die Szene seit langem: "Was jetzt kurz vor der Bundestagswahl an die Öffentlichkeit kommt, ist in Sachsen-Anhalt seit Jahren gewachsen." 

Überrascht ist Schmidt vor allem davon, wie offen AfD-Mitglieder wie Lichert und Tillschneider mittlerweile mit der ganz rechten Szene flirten. Mehrere der "Identitären" aus Halle waren früher in der rechtsradikalen Kameradschafts-Szene aktiv oder sind wegen Gewaltdelikten vorbestraft

Wer sind die "Identitären"?

Die "Identitäre Bewegung" sind Rechtsextreme, die seit 2012 in Deutschland aktiv sind. Die Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Flüchtlinge und Zuwanderer islamischen Glaubens werden von den "Identitären" in extremer Weise diffamiert. Auf Twitter macht das rechte Bündnis unter "Ein Prozent" Stimmung.

Die "Identitären" wenden sich gegen eine angebliche "Überfremdung" durch Einwanderer. Im vergangenen August besetzte die Gruppierung kurzzeitig das Brandenburger Tor.

Inzwischen gibt es mehrere Initiativen wie das "Institut für Staatspolitik", in denen sich AfD-Politiker und Mitglieder verschiedener völkischer und nationalistischer Gruppierungen offen begegnen können. 

Mehr als 22.000 Personen zählen die Behörden zur rechtsextremen Szene in Deutschland. 25 davon gelten als "Gefährder", also Neonazis, denen die Polizei Terroranschläge zutraut. So unterscheidet sich die rechte Szene:
In den Neunzigern war die NPD sehr aktiv, heute ist die Partei fast vergessen. Mehrere Tausend Extremisten sind dennoch in ihr aktiv. Auch andere Kleinstparteien wie "Der 3. Weg" oder "Die Rechte" ziehen Rechtsradikale an.
Die Identitären nennen sich Bewegung, haben hier aber nur etwa 100 aktive Mitglieder. Sie geben sich modern, distanzieren sich von Gewalt – ihre Wurzeln liegen aber in der Neonazi-Szene. Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet.
Als in den 90ern rechte Parteien verboten wurden, sammelten sich viele Neonazis in "Freien Kameradschaften". Die Gruppen arbeiten lokal, sind aber gut vernetzt – von ihnen gehen oft rassistische Gewalttaten aus. In Deutschland gibt es etwa 200.
Aktionsbündnisse wie "Pegida" oder "Pro-NRW", die regelmäßig zu Demos gegen den Islam aufrufen. Offiziell warnen sie "nur" vor Terrorismus – tatsächlich geht es pauschal gegen Muslime und Ausländer. Demoleiter sind mit der Neonazi-Szene verbunden.
Der Begriff vereint Nationalisten, die mit Buchverlagen und Think Tanks die öffentliche Meinung beeinflussen wollen. Einer der Vordenker ist der Verleger Götz Kubitschek, er hat Verbindungen zu den Identitären und in den völkischen Flügel der AfD.
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Manchen AfD-Parteifreunden ist diese Nähe zum rechten Rand nicht mehr ganz geheuer. 

Als Lichert im Landkreis Wetterau in den Kreisvorstand gewählt wurde, traten gleich mehrere Mitglieder des Gremiums aus Protest zurück (HR). Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wollte Lichert dagegen zum Mitarbeiter seiner Fraktion machen. Die Vereinbarung eines Arbeitsvertrags scheiterte jedoch – am Veto der eigenen Fraktionskollegen Höckes, die Lichert "sehr weit rechts" verorteten. (Panorama

Dass Lichert Rechtsradikalen dabei geholfen hat ein Haus zu kaufen, könnte in der AfD jetzt wieder für Diskussionen sorgen: Denn eigentlich verbietet es ein Unvereinbarkeitsbeschluss allen Mitgliedern, mit den Identitären zusammenzuarbeiten. 

Lichert stört das nicht – der Kauf sei lediglich durch eine Dachorganisation der Identitären erfolgt. "Der Skandal bleibt aus", sagte er in einer Stellungnahme. Ob er damit Recht hat, wird sich zeigen.

Anmerkungen: Der Name "Stefan Schmidt" ist ein Pseudonym. Eine Anfrage von bento an die AfD Hessen blieb bislang unbeantwortet.

So wehren sich Studenten in Halle gegen das rechte Hausprojekt:


Food

Warum du Gemüsechips lieber nicht essen solltest

Sofa, Netflix und eine Tüte Chips. Für manche Menschen der perfekte Ausklang für einen harten Tag. Gerüchten zufolge sollen die normalen Kartoffelchips aber nicht ganz so gesund sein. Zu viel Fett, zu viel Salz. Chips gelten nicht gerade als Vitamin- und Mineralstofflieferant. 

Seit einiger Zeit gibt es im Supermarktregal neben Kartoffelchips auch sogenannte Gemüsechips. Also zum Beispiel Wirsing-, Grünkohl- oder Rote-Bete-Chips. Diese Sorten kosten meistens sehr viel mehr als normale Kartoffelchips, sollen aber gesünder sein. Gemüse halt. 

Fans dieser Chips-Alternative müssen jetzt stark sein: 
  • Stiftung Warentest hat 15 verschiedene Gemüsechips-Sorten getestet. 
  • Das Ergebnis ist nicht gerade appetitanregend.