Bild: dpa / Fredrik von Erichsen
"Mogelpackung"

Kaum jemand würde bestreiten, dass sich die AfD seit ihrer Gründung ziemlich weit nach rechts bewegt hat. Nur die NPD nicht. Sie bezeichnet die AfD auf Facebook als "Mogelpackung wie aus einem Lehrbuch für Betrüger", von denen sich stramme Nationalisten bloß nicht "verarschen" lassen sollten. So weit rechts ist die AfD nun schon, dass die Rechtsextremen Angst bekommen.

Besorgte Bürger und Fremdenhasser fühlen sich offenbar bei der AfD bestens aufgehoben, und das kurz vor den Landtagswahlen am 13. März in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Ausgerechnet die NPD kann nicht von der Angst vor Flüchtlingen und dem Hass auf die Regierung profitieren.

2016 ist Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland in Deutschland, in dem die NPD im Landtag sitzt. Bei der Kommunalwahl in Hessen war die NPD dort stark, wo die AfD nicht angetreten war. In aktuellen Umfragen spielt die NPD kaum eine Rolle. Wer auf Pegida-Demos Verständnis für brennende Asylunterkünfte äußert, wählt auch AfD.

Für die NPD ist das fatal. Sie verfolgt deswegen zwei Ansätze: Zum einen will man im Fahrwasser der AfD wenigstens Zweitstimmen abgreifen. Am Montag präsentierte NPD-Parteichef Frank Franz in Berlin ein entsprechendes Plakat. Die AfD bestritt anschließend schnell Schnittmengen zwischen den beiden Parteien.

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Wenn es nur so einfach wäre. Weil die NPD sehr wohl Schnittmengen erkannt hat, soll nun im Wahlkampf deutlicher als bisher Position bezogen werden. Die NPD will klar machen, dass die von der AfD im Grunde gar keine richtigen Rechten sind. Das ist der zweite Ansatz.

Zum Beispiel in Baden-Württemberg, wo der dortige AfD-Spitzenkandidat Jörg Meuthen nicht mehr als 200.000 Flüchtlinge im Jahr ins Land lassen will. Flüchtlinge ins Land lassen? Die NPD schreibt auf Facebook: "Eine Mogelpackung wie aus einem Lehrbuch für Betrüger. Lasst Euch von denen nicht verarschen!" Das Grundgesetz haben dabei beide Parteien gegen sich, das überhaupt keine Obergrenze für politisch und religiös verfolgte Menschen vorsieht.

Applaus dafür in den Kommentaren. Marcus aus Esslingen schreibt: "Alte korrupte Säcke raus", womit er Meuthen meint. Außerdem fürchte er sich vor einer drohenden Islam-Scharia und gleichzeitig vor einem von zionistischen Juden regierten Deutschland. Mario aus Schwäbisch Gmünd schreibt darunter: "Nur die Null-Grenze rettet Deutschland; wir sind nicht die Caritas!"

Das ist offizielle Parteilinie. In ihrem Wahlprogramm plädiert die NPD unter anderem für die "Wiedereinführung des Bundesgrenzschutzes" und will keine Steuergelder für die Integration angeblich "kulturfremder Invasoren" ausgeben.

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke

Aber als AfD-Vizechefin Beatrix von Storch neulich erklärte, man müsse an der Grenze notfalls von Schusswaffen Gebrauch machen und auf Frauen schießen, nicht jedoch auf deren Kinder, ging selbst die NPD auf Distanz. Wo macht man da als Rechtsradikaler nun sein Kreuz? Später relativierte von Storch: Sie sei auf der Computermaus ausgerutscht.

Von Invasoren wiederum schwadroniert auch Björn Höcke, Oberstudienrat und Thüringens AfD-Chef. Auf einer AfD-Demo in Erfurt warnte er von einem "Sturm auf Deutschland", einer "Invasion der Flüchtlinge". Trotz des auffällig ähnlichen Sprachgebrauchs liegt auch der AfD eine Menge daran, sich von der NPD abzugrenzen. Mit tumben Nazis wollen die besorgten Bürger schließlich nichts zu tun haben.

Allerdings spielt die NPD das Rechtsaußen-Spiel schon ein bisschen länger und kann in der Disziplin für gänzlich unverblümt zur Schau gestellten Rassismus punkten. Der Landesverband Rheinland-Pfalz stellte das am 24. Februar unmissverständlich auf Facebook klar.

Sie zeigen ein Werbeplakat für eine Veranstaltung mit dem AfD-Politiker Achile Demagbo aus Schleswig-Holstein, der seine Wurzeln nicht in Nordfriesland oder Steinburg, sondern im westafrikanischen Benin hat. Die Positionen seiner Parteikollegen in Flüchtlingsfragen teilt er natürlich trotzdem.

Die NPD kommentiert: "Wer afrikanische Politik in Deutschland will, soll AfD wählen." Die Facebook-Kommentare schäumen über. "Soll so in Zukunft der deutsche Kanzler aussehen?", ist noch einer der freundlicheren Reaktionen. Der Rest ist ganz dumpfer, übler Rassismus.

Die NPD versucht einen Spagat: Einerseits sollen besorgte Bürger sich trauen, endlich rechtsextrem zu wählen – und nicht bloß AfD. Dafür darf die Partei eigentlich nicht zu radikal wirken. Gleichzeitig muss sie zeigen, dass sie noch viel radikaler sein kann, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

Die Facebook-Seite "Brigade Halle/Saale" schlägt nun vor, bei der Landtagswahl am besten bei AfD und NPD gleichzeitig ein Kreuz zu setzen. "Zweitstimme heißt ZWEI Stimmen auf der rechten Seite", schreiben die Betreiber der Seite. Derart ausgefüllte Wahlzettel sind allerdings ungültig.

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