Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit. Soldaten der Roten Armee drangen in das Konzentrationslager der Nationalsozialisten ein, sie fanden ein System der Unmenschlichkeit. In kargen Zellen waren Männer, Frauen und Kinder inhaftiert. In Gaskammern hatten die Nazis sie umgebracht, es war industriell betriebener Massenmord.

Zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen sind in Auschwitz umgekommen. Der Tag der Befreiung ist in Deutschland seit 1996 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 auch international.

Nun hat die AfD das Auschwitz-Gedenken perfide ausgenutzt, um auf ihre eigene angebliche Unterdrückung hinzuweisen.

Die rechte Partei regt sich über den Vorschlag eines HSV-Mitglieds auf, das "AfD-Mitgliedern oder gleichgesinnte Personen" verbieten will, Mitglied des HSV zu werden. Der Fußballverein stehe für Toleranz – entsprechend hätten Rassisten nichts im Verein zu suchen. (Die Welt)

Die Berliner AfD reagierte am Mittwoch wie folgt auf den Vorschlag:

Zwischen dem Antrag eines Einzelnen in einem privaten Sportverein (!) zieht die AfD eine Parallele zu einem Nazi-Erlass. Die Rechten, die die Ausgrenzung von Minderheiten seit Jahren betreiben, bezeichnen sich plötzlich selbst als ausgegrenzte Minderheit. Dazu verwendet die AfD den Hashtag #NieWieder. 

Der Slogan wird oft verwendet, um an die Schrecken des Nationalsozialismus zu erinnern. Im Speziellen ist der Hashtag dieser Tage auf eine Initiative des deutschen Fußball zurückzuführen. Die Aktion "Nie wieder" wurde 2004 im KZ Dachau gegründet und will das Gedenken in die Fußballkultur holen und sich für Toleranz im Stadion einsetzen.

Kay Gottschalk, der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, hatte am Freitag in einem Bundestagsgespräch noch einen drauf gesetzt. "Wehret den Anfängen!", sagte er über den HSV-Vorschlag. Der Verein würde so Gewalt fördern. "Wo geht es weiter?", fragte Gottschalk, "irgendwann müssen wir offen AfD-Abzeichen tragen." (Die Welt)

  • Damit spielte der AfD-Politiker auf das Tragen von Judensternen an. Im Nationalsozialismus mussten Juden stets öffentlich erkennbar sein. 

In anderem Zusammenhang forderte Gottschalk in der vergangenen Woche, türkische Geschäfte in Deutschland zu boykottieren. Er wollte das als Erdogan-Kritik verstanden wissen – der Spruch erinnert aber gefährlich an die Nazi-Losung "Kauft nicht bei Juden!".

Auf die Nähe angesprochen, behauptete Gottschalk – wie das bei AfD-Politikern oft gemacht wird – es nicht so gemeint zu haben. Er habe nicht den Boykott türkischer Händler in Deutschland fordern wollen, sondern offizielle, staatliche Sanktionen gegen das Erdogan-Regime in der Türkei. 

Außerdem bat Gottschalk um Nachsicht: Da AfD-Politiker noch nicht lange im Geschäft seien, "trifft man vielleicht manchmal den falschen Ton oder zieht ungünstige Vergleiche". Was er sagen will: Auch nach Jahren des rassistischen Dauerfeuers merken die AfD-Politiker immer noch nicht, was Volksverhetzung ist.

Was macht die Masche so zynisch? 

Die AfD stellt sich gerne als Opfer dar, das in Deutschland unterdrückt wird – obwohl sie mittlerweile im Bundestag sitzt, obwohl AfD-Politiker in Talkshows eingeladen werden, obwohl das Netz voller Lügen und Hetze von Seiten der AfD ist. 

Dass sie ihren eingebildeten Opferstatus nun mit der Minderheit vergleicht, die am stärksten unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatte, ist mehr als perfide. Es zeigt, dass die AfD die deutsche Geschichte nicht nur etwa vergessen machen, sondern gleich komplett umdeuten will.


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Die Grünen wollen jetzt weniger links sein
Was die Wahl auf dem Grünen-Parteitag bedeutet.

Die Grünen haben sich auf einem Parteitag am Samstag eine neue Doppelspitze gegeben. Die neuen Parteivorsitzenden heißen Annalena Baerbock und Robert Habeck. Beide Politiker gehören dem "Realo"-Flügel an.

Das heißt: Die Grünen wollen sich künftig weniger links geben.

Habeck wurde mit 83,3 Prozent der Stimmen gewählt. Baerbock konnte sich in einer Kampfabstimmung gegen die linke Gegenkandidatin Anja Piel mit 64,5 Prozent der Stimmen durchsetzen. Zuvor hatten Cem Özdemir und Simone Peter das Amt inne. (SPIEGEL ONLINE)