Bild: dpa
Es ist eine bizarre Verdrehung der Wirklichkeit.

Wenn sich rechte Politiker in den vergangenen Jahren nach Terrorangriffen äußerten, klang das oft ähnlich. Nach dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz twitterte Marcus Pretzell, damals AfD-Europaabgeordneter, etwa: "An die 'Erstmal-abwarten-Fraktion': Sowas kommt von abwarten". Auch bei Parteikolleginnen und -kollegen war der Tenor: Wir haben es euch ja gesagt, diese Migrationspolitik ist Schuld am Terror, Danke Merkel. Aus den Tweets tropfte förmlich der Stolz: Die eigenen vermeintlichen Vorhersagen waren eingetreten. 

Nach dem Terroranschlag in Neuseeland liegt der Fall anders. Die typische und einfache Schuldzuschiebung der AfD funktioniert nicht. Denn es waren Muslime, die angegriffen wurden – mutmaßlich von einem 28-jährigen Rechtsradikalen. Deshalb bleiben den Rechtspopulisten wenig Argumente, um die Verantwortung für die Tat bei Muslimen zu suchen. 

Den Berliner AfD-Politiker Harald Laatsch brachte das am Tag nach dem Attentat trotzdem nicht zum Schweigen. Er suchte einfach eine andere Schuldige, und kam auf Greta Thunberg

Die Reaktion von Laatsch zeigt exemplarisch, wie wenig es rechten Politikern um Mitgefühl und ehrliches Aufarbeiten solcher Taten geht. Sie wollen vor allem eines: Feindbilder erzeugen. 

Und wenn das nicht Muslime sein können, ist es eben Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin wurde schon in der Vergangenheit immer wieder angegriffen, wegen ihrer Autismus-Diagnose als "nicht gesund" bezeichnet und persönlich beleidigt. Selbst CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte sie öffentlich nur "arme Greta". 

Die "Fridays for Future"-Bewegung passte rechten, konservativen und liberalen Politikern von Anfang an nicht. In den letzten Wochen wurden die Angriffe häufiger (bento). Auch auf der Straße im Sauerland etwa bauten AfD-Mitglieder kürzlich eine Mahnwache während der "Fridays for Future"-Demo auf, um auf die Schulpflicht hinzuweisen (Westfalenpost). 

Für den Berliner Abgeordneten Laatsch ist Greta Thunberg offenbar eine Möglichkeit, von der rechtsradikalen Gedankenwelt des mutmaßlichen Täters abzulenken. In dessen wirrem Manifest war die rassistische Einstellung hinter dem Anschlag auf insgesamt 74 Seiten leicht wiedererkennbar. Der rechtsextreme Utoya-Attentäter Anders Breivik wird als Vorbild genannt. Auf der Tatwaffe standen menschenverachtende Sprüche über die Opfer.

Der Anschlag von Christchurch wurde im Internet angekündigt. Darunter posteten andere Nutzer diese Kommentare.

(Bild: Screenshot/Twitter)

Aber Laatsch griff sich einfach ein Wort aus dem Text, das er für passend hielt: "Öko-Faschist". Eine von vielen Selbstcharakterisierungen des Autors. Der damit übrigens meinte, die Welt aus "Umweltschutz" von Migranten, Muslimen und Afrikanern befreien zu müssen. Eine rassistische Drohung, kein Klimaschutz-Bekenntnis.

Doch Laatsch behauptete damit einfach das Gegenteil: Es sei bei der Tat um Klimaschutz gegangen, nicht um Rassismus. Die "Klimapanikverbreiter", also alle, die sich wie Greta Thunberg für mehr Klimaschutz und Umweltbewusstsein einsetzen, seien mitverantwortlich für den Anschlag von Christchurch. 

Es ist eine bizarre Verdrehung der Wirklichkeit.

Aber das Verhalten zeigt eben vor allem: Wer nur Feinde und Schuldige sucht, vergisst die Inhalte. Die Reaktionen unter Laatschs Twitter-Post lassen zumindest vermuten, dass Viele das inzwischen verstanden haben. Nicht nur einmal heißt es in den Kommentaren: "Ich dachte, die AfD kann nicht weiter sinken". 


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