Bild: "Modus"
Statt Autowerbung gibt es einen Spendenaufruf für Seenotretter.

Wenn Punker in der Fußgängerzone "Bild" lesen, ist möglicherweise irgendetwas nicht richtig. Das dachte sich vermutlich auch die Polizei im sächsischen Riesa, als sie am Rande des AfD-Europaparteitags gleich mehrere junge Menschen beim Lesen der Boulevardzeitung antraf, die optisch eher linksalternativ aussahen. Doch spätestens beim Blick auf die Titelseite der Zeitung dürfte auch den Beamten klargeworden sein, dass diese "Bild" nicht echt ist. 

Die vermeintliche "Bild"-Zeitung ist eine Fälschung.

Statt Trennungsschmerz von Florian Silbereisen ist die EU-feindliche Politik der AfD Aufmacherthema ("Deutschland RAUS aus der EU?"), statt Autowerbung gibt es einen Spendenaufruf für Seenotretter. Während es in der echten "Bild" von heute um schlechtes Wetter geht ("So gefährlich wird das Wetter!"), thematisiert die Fake-Ausgabe das Sterben von Flüchtlinge im Mittelmeer. 

(Bild: "Modus")

Unter der Überschrift "Kriminalstatistik" informiert das Blatt über eine "krasse" Entwicklung: "Deutschland ist so sicher wie seit einem guten Vierteljahrhundert nicht mehr."

Es ist eine Boulevardzeitung, die sich viele Gegnerinnen und Gegner der AfD wohl wünschen würden. 

Bekannt gemacht wurde die Aktion von einer Gruppe, die sich "Modus" nennt. Sie hatte schon die Aktion "Afdentskalender" (bento) im vergangenen Jahr verbreitet. Wer dahinter steckt, ist bislang allerdings unklar.

Auf Nachfrage von bento erklärte die Gruppe jedoch, "mehrere tausend Exemplare" in der sächsischen Stadt verteilt zu haben. Zu der Aktion bekennen wollte sie sich wegen möglicher Konsequenzen vorerst nicht. Doch auch die Polizei bestätigte gegenüber bento, dass die gefälschte Boulevardzeitung an gleich mehreren Orten in Riesa auftauchte, unter anderem am Bahnhof und in einem Einkaufszentrum. Bilder zeigen sie außerdem in Briefkästen und vor Kiosken.

Nach Angaben von "Modus" schafften es auch einige Exemplare in den Saal, in dem die AfD an diesem Wochenende ihr Europawahlprogramm verabschieden will, mit dem möglicherweise auch ein EU-Austritt Deutschlands gefordert wird. Doch nicht nur dort, sondern auch bei den Gegenprotesten sorgte die Zeitung für Aufmerksamkeit. Bilder zeigen, wie junge Menschen mit Irokesenschnitt und Sidecut die "Bild" stolz in die Kamera halten.

Weniger Spaß verstand dagegen die Polizei. Nachdem die Beamten vor Ort die Aktion bemerkt hatten, wurden die mutmaßlichen Organisatoren kurzzeitig festgesetzt. Mehr als 400 Exemplare der Fake-"Bild" seien beschlagnahmt worden.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin wird gegen die Aktivisten jetzt wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Kunsturhebergesetz ermittelt

Wirklich geschadet hat das der Aktion allerdings offenbar nicht. Kurze Zeit später verbreiteten die unbekannten Aktivisten neue Bilder, die die alternative "Bild" noch an ganz anderen Orten zeigten – darunter auch bei der Axel-Springer-Zentrale in Berlin.

Einen negativen Einfluss auf die zahlreichen Proteste gegen die AfD in Riesa hatte die Aktion nicht. Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion Dresden zeigte sich die zuständige Sprecherin ziemlich entspannt: "Alles friedlich soweit, jaja."


Grün

Aldi, Edeka, Rewe und Co. führen ein gemeinsames Tierwohl-Label ein. Was das bringen soll

Egal ob Fleischesserin oder Veganer, Paleo-Jünger oder Frutarierin – in einer Sache sind sich vermutlich alle Menschen einig: Tiere zu quälen ist Mist.  Doch was aus dieser Erkenntnis folgt, ist oft sehr unterschiedlich. Manche verzichten komplett auf tierische Produkte, andere versuchen, einfach nicht daran zu denken, wie es dem Schwein wohl ergangen ist, das auf ihrem Teller liegt. Andere wiederum prüfen Bio- und Qualitätssiegel.

Doch gerade die sind oft sehr unterschiedlich. Das soll sich jetzt ändern. Sieben große Supermarktketten haben sich zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Tierwohl-Kennzeichen zu entwickeln. Damit kommen sie der Politik zuvor. 

Doch was bringt das? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

1 Was ist das für eine Tierwohl-Kennzeichnung?

Es geht um einen Verpackungsaufdruck für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel. Er soll über die Haltungsbedingungen der Tiere informieren. Das teilte die von Einzelhandel finanzierte "Initiative Tierwohl" mit. 

Auf dem Label stehe dann "Haltungsform" und darunter die Einordnung in eine von vier Kategorien:

  1. "Stallhaltung" – hier werden Tiere unter den minimal notwendigen gesetzlichen Anforderungen gehalten. 
  2. "Stallhaltung plus" – hier bekommen die Tiere unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. 
  3. "Außenklima" – diese Kategorie garantiert Tieren noch etwas mehr Platz und "Frischluft-Kontakt". 
  4. "Premium" – hier haben die Tiere außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.  

2 Wer macht mit und wann geht es los?

Starttermin ist der 1. April. Ab dann soll das Kennzeichen auf Packungen bei Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe zu sehen sein.

Sie alle gehören der Initiative Tierwohl an, die sich durch die teilnehmenden Unternehmen finanziert. Das Prinzip: Kauft jemand ein Kilo Fleisch, zahlt der Einzelhändler vier Cent in einen Fonds. Aus diesem Fonds wiederum fließt Geld an Bauern, die die Lebensbedingungen ihrer Tiere verbessern. 

Die Initiative Tierwohl versucht also, Massentierhaltung dadurch zu verbessern, dass Menschen beim Discounter Billigfleisch kaufen. Eine Logik, die schon seit der Gründung 2015 für Kritik sorgt. (SPIEGEL ONLINE)

Einige der Unternehmen hatten bislang eigene Kennzeichnungen. Diese werden jetzt abgeschafft.

3 Sind mit der gemeinsamen Lösung der Unternehmen alle zufrieden?

Nicht ganz. 

  • Das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Julia Klöckner (CDU) arbeitet selbst an einem Tierwohl-Kennzeichen, das 2020 starten soll (BMEL). Diese Pläne sollen noch weitergehend sein: "Die gesamte Lebensspanne des Tiers" soll in den Blick genommen werden, also von Geburt bis Schlachtung. Schon die erste der vorgesehenen drei Stufen soll deutlich über dem gesetzlichen Standard liegen. Allerdings soll die Kennzeichnung nur freiwillig sein. Grünen-Ernährungspolitikerin Renate Künast kritisiert deshalb: "Der Handel sagt durch die Blume: Niemand braucht das freiwillige Klöckner-Bauernverbands-Label."
  • Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die Handelsinitiative zwar, findet sie aber nicht ausreichend. "Der gesetzliche Standard ist aus Tierschutzsicht ungenügend", so Präsident Thomas Schröder der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Unternehmen sollten stattdessen Fleisch aus den Regalen nehmen, bei dem nur Mindeststandards eingehalten würden. Wenn der Handel es ernst meine, müsse er außerdem die Werbeaktionen für billiges Fleisch beenden. 
  • Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert außerdem, dass Kriterien wie der Platz im Stall nicht garantierten, dass es Tieren gut gehe.