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Nadine, 24: "Man muss jetzt erst recht für andere Werte aufstehen"
Nadine Reibert, 24, Vorsitzende vom "Arbeitskreis Jugend" des Gemeindejugendwerks Baden-Württemberg(Bild: Privat)

"Ich hatte gehofft, dass die AfD nicht so stark wird. In Sachsen-Anhalt haben sie fast doppelt so viele Stimmen wie die SPD bekommen, das ist krass. Ich frage mich ernsthaft, was ist eigentlich gerade los?

Dass die Grünen so ein gutes Ergebnis erzielt haben, ist okay, aber ich bin kein Fan von ihrer Bildungspolitik. Von der Sexualerziehung schon im Kindergarten oder dem Gesamtschul-Konzept halte ich nicht viel.

Was ist eigentlich gerade los?

Man muss jetzt erst recht für andere Werte aufstehen. Dafür, dass alle Menschen gleich sind, dass man keine Unterschiede machen sollte. Natürlich stehen wir vor einer Herausforderung, wie man zusammenleben kann, wie die verschiedenen Kulturen zusammenfinden können. Aber dafür muss man Lösungen suchen, anstatt zu verteufeln. Man sollte vor allem das Gespräch suchen mit Menschen, die rechte Einstellungen äußern. Ihnen eine neue Perspektive aufzeigen.

Die spannende Frage ist, welche Auswirkungen das Ergebnis jetzt haben wird. Koalieren will im Moment noch niemand mit der AfD, die Frage ist, ob sie noch mehr an Stärke gewinnen. Vielleicht müssen wir uns da auf was gefasst machen."

Malte, 31: "Es bringt doch nichts, eine Partei zu wählen, die so radikal unterwegs ist"
Malte, 31, engagiert sich im Verein "Freundeskreis Asyl Ostfildern" und koordiniert die Arbeit von Ehrenamtlichen in der "Blumenhalle", einer vorübergehenden Notunterkunft für Flüchtlinge. (Bild: Privat)

"Natürlich habe ich am Sonntag gewählt. Demokratie ist ein Privileg, für das viele Menschen auf der Welt sterben müssen.

Als die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden, habe ich mich gefreut, dass die grüne Regierung weitermachen kann. Aber ich war auch geschockt, dass so viele Menschen die AfD gewählt haben. Ich hatte gehofft, dass die Baden-Württemberger ein bisschen klüger sind. Klar, ich habe Verständnis, dass einige Menschen verärgert sind, aber es bringt doch nichts, eine Partei zu wählen, die so radikal unterwegs ist.

Ich hoffe, dass die Politiker den Wink mit dem Zaunpfahl sehen.

Ich arbeite nebenbei in einer Bar, gestern Abend hatte ich Schicht. Das gute Abschneiden der AfD war DAS Thema. Überall herrschte Fassungslosigkeit darüber, dass die AfD aus dem Stand auf 15 Prozent gekommen war.

Ich glaube, viele haben die AfD gewählt, weil sie mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unzufrieden sind. Und tatsächlich läuft da vieles schief, das muss man nicht schönreden. Es ist für alle ein neues Thema, aus dem Stegreif DEN Plan zu haben, ist utopisch. Ich hoffe, dass die Politiker zur Kenntnis nehmen, warum so gewählt wurde – und da auch ansetzen."

Fotostrecke: Mit diesen Menschen haben wir gesprochen
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Philipp, 23: "Auf bundespolitischer Ebene wird Angela Merkel unter Druck geraten"
Philipp Porep, 23, Jurastudent und ALFA-Kandidat für den Wahlkreis 46 in Freiburg(Bild: Privat)

"Das Ergebnis hat mich überrascht: Zum einen, dass die Grünen so stark sind und zum anderen, dass die AfD mit 15 Prozent in den Landtag eingezogen ist. Das ist ein heftiges Signal, obwohl ich damit gerechnet habe. Die anderen Parteien schieben sie in die rechte Ecke, ohne sich inhaltlich mit der AfD auseinanderzusetzen. Ich glaube, dass das der falsche Weg ist, dieser Partei zu begegnen.

Ich war natürlich auch enttäuscht über das Abschneiden unserer eigenen Partei ALFA (Anmerkung der Redaktion: Die ALFA hat sich vergangenes Jahr von der AfD abgespalten und vor acht Monaten neu gegründet).

Die großen Parteien wurden massiv abgestraft. Auf bundespolitischer Ebene wird Angela Merkel unter Druck geraten.

Hier in Baden-Württemberg stellt sich nun die Frage, welche Regierung gebildet werden kann. Es ist wichtig, dass wir eine gute und vernünftige Regierung bekommen. Parteiinteressen sollten keine Rolle spielen. Eine gute Regierung versucht die beste Politik für das Bundesland und dessen Bürger zu machen. Sie fragt die Bürger bei umstrittenen Themen per Volksentscheid nach ihrer Meinung."