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Robert, 24: "In meiner Facebook-Timeline habe ich gestern Abend immer wieder das Wort 'Schande' gelesen"
Robert Weber, 24, studiert Wirtschaftsingenieurwesen für Logistik in Magdeburg und ist Sprecher der Burschenschaft Prata-Schleusingen zu Magdeburg(Bild: privat)

"Ich bin geschlossen mit meinen Bundesbrüdern von der Burschenschaft wählen gegangen. Ich kenne niemanden, der zu Hause geblieben ist. Bei der vergangenen Landtagswahl sah das noch anders aus. Die hohe Wahlbeteiligung finde ich gut.

Dass so viele Leute offene Protestparteien wie die AfD oder Die Linke gewählt haben, finde ich schwierig. Ich kann doch keine Partei wählen, die sich nur mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt und offen eine Regierungsverantwortung ablehnt.

Vielleicht wird es ja sogar Neuwahlen geben
Robert Weber

In meiner Facebook-Timeline habe ich heute immer wieder das Wort 'Schande' gelesen. Viele meiner Facebook-Freunde haben sich für das hohe Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt geschämt.

Vor der Wahl war ich bei einem CDU-Stand in Magdeburg. Viele Leute haben dort gesagt, dass sie etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen wollen. So erkläre ich mir das Ergebnis für die AfD.

Ich persönlich denke, dass es jetzt sehr schwierig sein wird, eine Regierung zu bilden. Vielleicht wird es ja sogar Neuwahlen geben. Das wünsche ich mir beim jetzigen Ergebnis."

Fotostrecke: Mit diesen Menschen haben wir gesprochen
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Jan, 24: "Die Menschen in Sachsen-Anhalt möchten wieder eine ehrliche Politik"
Jan Schmidt, 24, studiert BWL und ist Landesvorsitzender der Jungen Alternative

Das Wahlergnis zeigt: Die Menschen in Sachsen-Anhalt möchten wieder eine ehrliche Politik. Die Wahlprogramme der Altparteien sind dabei unglaubwürdig. Erst bauten sie Personal bei der Polizei ab und dann versprachen sie kurz vor der Wahl eine Aufstockung des Personals. Hinzukommt, dass die Wähler von der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung enttäuscht sind.

Gerade bei den jungen Menschen ist die Politikverdrossenheit enorm. Hier müssen demokratische Partein handeln und der Jugend die Politik wieder näherbringen. In Sachsen-Anhalt ist uns das durch die Junge Alternative gelungen: Kurz vor der Wahl erhielt die AfD in einer Umfrage von infratest dimap bei den unter 30-Jährigen den größten Zuspruch unter allen Parteien (jetzt.de)

Wir haben von den Wählern einen Vertrauensvorschuss bekommen, jetzt sehen wir uns in der Pflicht, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dabei werden wir als AfD eine wahre Opposition bieten. Eine Opposition, die sich deutlich von den Grundsatzfragen der Regierung unterscheidet und nicht die gleichen Ziele in einer anderen Parteifarbe verfolgt.

Wir werden auch weiterhin öffentlich auf politische Missstände und Rechtsbrüche hinweisen. Auch wenn die anderen Parteien und Medien uns deswegen als demokratiefeindlich und rechtsextrem betiteln.

Christian, 25: "Viele wurden von dem Ergebnis aufgeschreckt"
Christian Annecke, 25, Vorsitzender des Sprecher_innenkollegiums des Studierendenrates der Uni Halle(Bild: Privat)

"Ich fand das Ergebnis erschreckend. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die AfD über 20 Prozent in Sachsen-Anhalt bekommt. Genauso schlimm fand ich, dass Die Linke und die SPD so massiv an Stimmen verloren haben.

Viele wurden von dem Ergebnis aufgeschreckt. Am Sonntagabend gab es hier eine spontane Gegendemonstration in der Stadt, um zu verdeutlichen, dass Nationalismus raus aus den Köpfen muss und rassistische Positionen keine Meinung sind, sondern Verbrechen.

Man kann die AfD nach diesem Ergebnis nicht einfach ignorieren
Christian Annecke

Man kann die AfD nach diesem Ergebnis nicht einfach ignorieren, man muss gegen rechte Tendenzen einschreiten. Wir vom Studierendenrat haben das auch in der Vergangenheit gemacht. Man sollte die AfD entzaubern und offen zeigen, dass hinter den Parolen nichts Substanzielles steckt. Viele Menschen sind einfach enttäuscht und frustriert und suchen sich für ihre Situation andere Schuldige.

Das einzig Positive an der Wahl war: Hier in Sachsen-Anhalt war die Politik sehr dröge, die Menschen haben sich nicht dafür interessiert. Jetzt wird wieder über Politik geredet, die Probleme sind erkannt. Wir sollten versuchen, sie im gemeinsamen Dialog zu lösen, aber dennoch unsere humanistischen und demokratischen Ideale wahren.“

Robert, 19: "Die NPD ist für mich ultrarechts und da ist die AfD schon ein guter Kompromiss"
Robert, 19, kommt aus Magdeburg und ist Anhänger der AfD(Bild: bento / Bianca Mayer)

"Sachsen-Anhalt hat es nötig, dass endlich mal etwas Neues geschieht. Die Wahlversprechen der CDU und der SPD sind einfach nur Luftnummern gewesen: Es ändert sich nichts. Da wurde schon bei der vergangenen Wahl viel versprochen.

Und bei der Flüchtlingskrise: Das Handeln der Bundesregierung ist natürlich total inakzeptabel. Man lässt einfach fremde Leute hier rein, man weiß noch nicht mal, wer sie sind. Es gibt einfach keine klare Regelung. Da ziehen alle Parteien mit, es ist fast egal, wen man wählt. Ob man CDU, SPD oder die Linke – sie stehen alle für dasselbe.

Die NPD ist für mich ultrarechts und da ist die AfD schon ein guter Kompromiss. Sie ist auch nicht fremdenfeindlich, so wie ich sie verstehe. Da ist es gut, dass sich was ändert.

Ich denke, die AfD macht vieles anders, dass sie zum Beispiel auch Tabuthemen anspricht, wie die Flüchtlingspolitik, und die Regierung dabei auch stark kritisiert. Die AfD hat auch Mut dazu, dass zu sagen, was andere nicht so in den Mund nehmen würden."

Was denken jungen Menschen über die Ergebnisse in Rheinland-Pfalz?

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