Wir haben mit dem Vertreter von "Zukunft Sachsen" über seinen persönlichen Wahlkampf gesprochen.

Sascha Kodytek hat einen Plan – und bei dem geht es um nicht weniger als die Verhinderung der AfD in Sachsen. Anfang September wird dort ein neuer Landtag gewählt, die Rechtspopulisten könnten laut aktuellen Umfragen stärkste Kraft werden. Damit sie künftig nicht die Regierung stellen, will Sascha gemeinsam mit anderen die Bürgerinnen und Bürger im Freistaat beeinflussen.

Die Initiative nennt sich "Zukunft Sachsen" – und sorgt derzeit für viel Aufsehen.

Erst im März gegründet, versammelte die Gruppe vor rund einem Monat mehrere Hollywoodstars, die in einem offenen Brief Stellung zur Bürgermeisterwahl in Görlitz bezogen. Ihr Wunsch an die Görlitzer: Wählt bitte nicht den AfD-Kandidaten. In der Stichwahl unterlag dieser dann tatsächlich, ob und welchen Einfluss der Appell aus Hollywood hatte, ist unklar. (SPIEGEL ONLINE)

In einer weiteren Aktion veröffentlichte "Zukunft Sachsen" nun Statements von dutzenden CDU-Landtagsabgeordneten, in denen sie sich deutlich von einer möglichen Koalition mit der AfD distanzieren. Auf ihrer Homepage klären die Aktivisten akribisch darüber auf, wie Sächsinnen und Sachsen im Herbst wählen müssten, wenn sie eine AfD-Regierung verhindern wollten.

Die meisten, die bei "Zukunft Sachsen" mitmachen, sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, alle leben sie in Sachsen und sind "eine bunte Mischung aus Azubis, Studierenden und Angestellten" sagt Sascha. Er selbst ist 23, studiert in Leipzig Jura und jobbt nebenbei als Möbelpacker. 

(Bild: privat)

Ihr habt Hollywood-Stars versammelt, um einen AfD-Bürgermeister zu verhindern und nun alle sächsischen CDU-Landtagsabgeordneten nach ihrer Nähe zur AfD befragt. Warum macht ihr sowas?

"Wir haben tatsächlich nur dieses eine konkrete Ziel: eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern. Wir wollen nicht, dass die Partei in den kommenden fünf Jahrne die Zukunft von Sachsen aktiv mitgestalten kann. Daher geben wir Wahlempfehlungen ab, wie sich verhindern lässt, dass die AfD an die Hebel der Macht kommt. Warum genau gegen die AfD? Da hat jeder von uns seine eigenen Gründe, als Gruppe wollen wir aber keine nennen – eben, um neutral zu bleiben."

Aber dann bleibt es sehr unkonkret.

"Nein, wir wollen nur nicht politische Strömungen gegeneinander ausspielen. Die einen stört zum Beispiel, dass die AfD den Klimawandel leugnet. Für uns junge Leute ist das quasi eine Absage an unsere Zukunft. Andere sagen, die AfD macht Vorschläge, die nicht finanzierbar sind. Aber wenn wir das zum Thema machen würden, müssten wir Debatten genau darüber führen – dann geht es nicht mehr um das eigentliche Ziel, die AfD im sächsichen Landtag möglichst klein zu halten."

Du persönlich musst aber doch Gründe haben, dich bei "Zukunft Sachsen" zu engagieren?

"Klar, aber da spreche ich jetzt nicht für die Gruppe. Mein Hauptproblem mit der AfD ist, dass sie sich in der Art, wie sie Politik macht, immer gegen etwas richtet. Die AfD funktioniert nicht ohne Feindbilder. 

Eine Partei, die so tickt, braucht immer Feinde, sucht sich immer neue Opfer: 

„Die AfD zeichnet eine Welt aus Kampf und Konkurrenz und Boshaftigkeit.“

Sie definiert sich nicht über eine Vision, sondern über einen Satz: 'Das wollen wir nicht.'"

Und jetzt macht ihr aber eine Kampagne, in der ihr auch ganz klar sagt: "Die AfD wollen wir nicht." 

"Ja, aber wir sind ja auch keine Partei. Wir treten nicht an, um das Land zu gestalten oder Wahlen zu gewinnen. Einem Schützenverein würde ja auch niemand vorwerfen, dass er keine politischen Visionen zum Beispiel zur Armutsbekämpfung hat. Und wir sind noch nicht mal ein Verein."

Im "Regierungsprogramm" der sächsischen AfD stehen doch durchaus Forderungen, für die sich die Partei einsetzen will – auch, wenn nicht alles davon auf Landesebene umsetzbar ist (bento). 

"Ja, und dazu stellen sie Forderungen, die gar nicht finanzierbar sind. Das zeigt mir: Der Partei geht es nur um Aufmerksamkeit, nicht um eine wirkliche gestalterische Politik. Es geht um Symbole."

Du hast vorhin gesagt, eure Initiative will – außer in der Ablehnung der AfD – neutral bleiben. Gleichzeitig gebt ihr konkrete Wahlempfehlungen für CDU, SPD und Grüne ab. Das geht nicht ganz zusammen.

"Doch, das geht schon. Wir sagen ja nur: Mit diesen drei Parteien ist eine stabile Mehrheit abseits der AfD möglich. Sie könnten die sogenannte Kenia-Koalition bilden. Das haben wir statistisch anhand aktueller Umfragen ausgerechnet. Weil Umfragen auch mal ungenau sein können, schauen wir uns mehrere an und bilden aus allen Ergebnissen einen Mittelwert.

Es geht darum, die sächsischen Bürgerinnen und Bürger zu informieren, wie sie am besten die AfD verhindern können. Welche Partei davon man wählt, ist uns egal."

„Am Ende zählt nicht das Share-Pics auf Insta, mit dem man die AfD doof findet – sondern die abgegebenen Stimmen.“

Wenn jeder immer taktisch wählt und nicht, von wem er vertreten werden will, ist das dann noch echte Demokratie?

"Na klar, wir engagieren uns hier zivilgesellschaftlich. Und wir zwingen ja auch niemanden, so zu wählen – es bleibt also demokratisch. Ich bin grundsätzlich auch kein Fan von taktischem Wählen, aber hier steht es Spitz auf Knopf. Am Ende entscheidet vielleicht ein Sitz im Landtag. Wer da aus demokratie-theorischen Gründen nicht taktisch wählen will, mag nobel handeln, aber verhindert halt nicht, dass Menschen an die Macht kommen, denen unsere Demokratie sowieso egal ist."

Ihr empfehlt unter anderem die CDU. Was ist, wenn die mit der AfD eine Koalition eingeht?

"Klar, das könnte passieren. Aber bei unserer Aktion 'Klarheit schaffen' haben sich gerade 45 von 60 CDU-Landtagsabgeordneten in sehr deutlichen Worten von der AfD distanziert. Die Partei denkt schon darüber nach, was nach der Wahl sein kann – und ist aktuell eher für eine Minderheitsregierung als für eine Partnerschaft mit der AfD. Außerdem haben CDU und AfD schon eine Mehrheit. Unsere Kampagne hilft also nicht dabei, diese zu beschaffen, sondern eher die Alternative zur Alternative zu stärken."

Wen genau wollt ihr überhaupt erreichen?

"Das sind zwei Gruppen. Zum einen alle, die bisher nicht CDU, SPD oder Grüne wählen – also die Anhängerinnen und Anhänger von Linke, FDP und Freien Wählern. Die wollen wir überzeugen, über ihr Wahlverhalten noch mal nachzudenken: Ist ihnen die Stimme für die eigene Lieblingspartei wichtig? Oder ist ihnen dieses Mal wichtiger, die AfD zu verhindern – und dafür ihre Wahlgewohnheiten zu ändern?

Zum anderen wollen wir die Nichtwähler erreichen. Vor fünf Jahren hatten wir in Sachsen bei der Landtagswahl 49,1 Prozent Wahlbeteilung. Das heißt..."

...dass jeder zweite Wahlberechtigte keinen Bock hatte, sein Kreuz zu machen.

"Du sagst es. Diese Wahlbeteiligung wollen wir nun steigern, 60 Prozent wären gut. Denen wollen wir signalisieren, dass sie mit ihrer Stimme die Möglichkeit haben, wirklich was zu beeinflussen. Wir haben es durchgerechnet: Es reichen schon 75.000 Menschen – etwa drei Prozent – die taktisch wählen müssen, um die Kenia-Koalition zu sichern."

Die AfD sitzt im Landtag, auch in vielen Städten und Gemeinden ist sie vertreten. Wie nimmst du als Sachse ihre politische Arbeit bislang wahr?

"Die AfD trifft in Sachsen faktisch noch keine Entscheidungen, sie ist eine klare Oppositionspartei. Aber sie ist wahnsinnig aktiv im Wahlkampf – und schlägt da meiner Meinung nach klar populistische Töne an.

„Manches, was die AfD in Sachsen so behauptet, ist weit abseits der Faktenlage.“

Görlitz zum Beispiel liegt nahe der polnischen und tschechischen Grenze. Die Grenzkriminalität sinkt seit Jahren, trotzdem machte die AfD dort beim Bürgermeisterwahlkampf das zum zentralen Thema. 

Und bei mir in Leipzig macht die AfD Stimmung gegen eine Straße, in der es mehrere Döner-Läden und Spielotheken gibt und erklärt die Ecke zur 'No-Go-Area'. Klar gibt es dort einen Kriminalitätsschwerpunkt, aber es quasi zu Klein-Bagdad zu erklären, ist schon ziemlich drüber. Angst ist kein guter Wegweiser für Politik."

Manche Beobachter des politischen Betriebs glauben, dass sich die AfD selbst entzaubert, wenn sie einmal Verantwortung hat. Warum nicht einfach fünf Jahre AfD-Regierung in Sachsen und fertig?

"Regierungen, egal ob im Landtag oder schon im Stadtrat, sind keine Experimentierkästen, wo man drauf hofft, dass sich der Antidemokrat vielleicht entzaubert. Mit so einer Wahl wird Einfluss auf das echte Leben genommen."

Bis zur Wahl sind es jetzt noch gut sechs Wochen...

"Es sind genau 46 Tage!"

...und ihr sagt, ihr müsst noch 75.000 Menschen von eurer Sache überzeugen. Welche Aktionen plant ihr noch?

"Das kann ich noch nicht alles verraten, aber es bleibt spannend. Eine Sache wird auf jeden Fall sein, auf die Direktkandidaten zu verweisen. Wir wollen die Wählerinnen und Wähler sensibilisieren, ihre Erststimme derjenigen oder demjenigen mit den größten Erfolgsaussichten zu geben – um eben zu verhindern, dass ein Bezirk künftig von einem AfD-Kandidaten vertreten wird. 

Und nach der Wahl?

"Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wir hoffen, dass 'Zukunft Sachsen' auch weiterhin eine spannende Plattform sein kann, bei der Menschen zusammenkommen, um zu überlegen, was am besten für Sachsens Zukunft ist. 


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