Keine einzige Zahl stimmt

Schon der erste Satz enthält eine Unwahrheit: "Seit dem 1.1.2018 wurden in Chemnitz 60 Frauen vergewaltigt", schreibt der Dresdner Anwalt und AfD-Politiker Maximillan Krah in seiner Kolumne für das rechtsradikale und AfD-nahe Magazin "Deutschland Kurier". In Wirklichkeit wurden 14 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht.

Reihenweise falsche Behauptungen

Doch auch der restliche Text enthält Zahlen, für die es so keinerlei Belege gibt. So behauptet Krah, der auch stellvertretender AfD-Landesvorsitzender in Sachsen ist, "die Polizei" mache Migranten für 56 der angeblichen Taten verantwortlich, bei vier weiteren seien die Täter unbekannt.

Demnach gab es in Chemnitz in diesem Jahr keine einzige dokumentierte Vergewaltigung durch Deutsche. Auch das ist nicht wahr.

In Wirklichkeit ist es genau andersherum. Wie die Polizei Sachsen mitteilte, gab es in diesem Jahr bis Ende Juli 14 Vergewaltigungen. Nur bei drei davon sei ein nichttdeutscher Täter ermittelt worden.

Statt 60 Vergewaltigungen waren es 14. Dabei wurden nicht "56 Migranten" als Täter ermittelt, sondern nichtdeutscher Herkunft. 

Die Polizei widerspricht

Zusammengefasst: Statt 60 Vergewaltigungen waren es 14. Dabei wurden nicht "56 Migranten" als Täter ermittelt, sondern lediglich drei Personen nichtdeutscher Herkunft. In Wahrheit werden Vergewaltigungen in Chemnitz also zum ganz überwiegenden Teil von Deutschen begangen.

Die Polizei schreibt selbst dazu:

Die Zahlen von Maximillian Krah können wir nicht nachvollziehen.

Auch andere Passagen im Text des AfD-Politikers sind falsch oder irreführend

So zitiert Krah eine Überschrift der Chemnitzer "Freien Prese", in der es heißt: "Sexuelle Übergriffe in Chemnitz: Fast jeden Tag ein neuer Fall." 

Den entsprechenden Artikel gibt es wirklich

Doch anders als von Krah suggeriert, meint die Zeitung damit nicht die Vergewaltigungen im gesamten Jahr, sondern drei sexuelle Belästigungen und eine Vergewaltigung innerhalb weniger bestimmter Tage

Andernfalls hätte es in der sächsischen Stadt auch nicht die von Krah behaupteten 60, sondern eine dreistellige Zahl an Vergewaltigungen geben müssen, was der Wirklichkeit jedoch  widerspricht.

Tatsächlich heißt es im Artikel dagegen:

Keine einzige Zahl im Artikel stimmt

Auch eine andere Behauptung des stellvertretenden AfD-Landeschefs ist falsch: So schreibt Krah, der am Sonntag vergangener Woche gewaltvoll ums Leben gekommene Mann sei "mit 25 Messerstichen ermordet" worden. Diese Zahl kursiert seit Tagen in rechten Kreisen und wurde bereits von vielen AfD-Politikern verbreitet.

Tatsächlich teilte die Staatsanwaltschaft schon vergangene Woche mit, dass sie nicht stimmt (Nordkurier). Ob die Tat ein Mord war, wird noch ein Gericht feststellen müssen, wann ein Urteil gesprochen wird, ist bislang jedoch noch nicht abzusehen. 

Damit sind alle Zahlen, die im Artikel genannt werden, falsch – abgesehen von dem Datum.

Nicht die erste Falschmeldung dieser Art

Bereits in den vergangenen Tagen hatten AfD-Politiker und rechtsradikale Szene-Medien zahlreiche Falschmeldungen über die Ereignisse in Chemnitz verbreitet. So hieß es bereits am ersten Tag, der 35-jährige Daniel H. sei getötet worden, weil er eine Frau vor sexuellen Übergriffen schützen wollte. 

Auch diese Behauptung stellte sich als falsch heraus, half jedoch vermutlich dabei, in kurzer Zeit hunderte Menschen zu mobilieren.

Damals halfen jedoch nicht nur AfD-Politiker wie Maximillian Krah dabei, die Unwahrheit zu verbreiten, sondern auch eine bekannte Zeitung – die "Bild" (Twitter).


Gerechtigkeit

Angela Merkel widerspricht sächsischem Ministerpräsidenten: "Bilder zeigen Verfolgung"

Eigentlich sollte es um Außenpolitik gehen. Der tschechische Präsident Andrej Babis war in Berlin zu Besuch – und doch musste sich Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder um innere Angelegenheiten kümmern.