Bild: dpa/Britta Pedersen
25.000 Menschen demonstrieren für ein weltoffenes Land, 5000 dagegen.

5000 AfD-Fans sind am Sonntag in Berlin auf die Straße gegangen. Allerdings haben gleichzeitig mindestens fünfmal so viele Menschen gegen den Aufmarsch der Rechten demonstriert, 25.000 Menschen zählte die Polizei auf der Gegendemo, die Veranstalter sprachen von 70.000.

Ihr Motto: "AfD wegbassen".

Schon rein zahlenmäßig ist ihnen das gelungen. Seitdem dieses Verhältnis klar ist, empören sich Menschen. Ihr Argument: Parteien und Medien beschäftigten sich zu viel mit der Anti-Flüchtlings-Erzählung der AfD, übernehmen teilweise ihre Wortwahl.

Auch linke Parteien würden sich am rechten Rand anbiedern, statt Politik für ihre Stammwähler zu machen. Dabei habe nicht zuletzt die Demo am Sonntag in Berlin gezeigt, welche Meinung die große Mehrheit der Deutschen tatsächlich vertrete.

Und nach Meinung vieler Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer stehen diese Zahlen in krassem Missverhältnis zu der Art und Weise, wie in Deutschland gerade über Flüchtlinge und Einwanderer diskutiert wird.

Tatsächlich gab es vor und nach der Demo einige Beispiele für diese These. Vor allem SPD-Chefin Andrea Nahles lieferte den Kritikern Argumente: "Wer Schutz braucht, ist willkommen. Aber wir können nicht alle bei uns aufnehmen" Diese Sätze hatte sie in einem Interview gesagt (bento). Genosse Karl Lauterbach sprang ihr sofort bei.

  • Wir können nicht alle aufnehmen, dieser Satz unterstellt, dass "alle" nach Deutschland kommen wollen.
  • Außerdem hat natürlich niemand gefordert, dass wir "alle" aufnehmen. (bento)

Der Spruch hätte auch von der AfD kommen können; er suggeriert Probleme, die es gar nicht gibt.  

Offenbar auch wegen dieses Satzes kritisiert Kevin Kühnert nun wieder die eigene Partei – und argumentiert mit den Teilnehmerzahlen der beiden Demonstrationen am Sonntag in Berlin.

Comedian Nico Semsrott zeigt uns mit einem Vergleich, dass 5000 Menschen tatsächlich nicht so schrecklich viel sind: Zur Deidesheimer Geißbockversteigerung kamen laut der "Rheinpfalz"-Zeitung am vergangenen Dienstagabend sogar mehr als 5000 Menschen.

Außerdem bekamen einige der AfD-Mitglieder auch noch 50 Euro Zuschuss zu den Fahrtkosten (bento). Sie reisten aus dem ganzen Bundesgebiet mit Bussen und Zügen an. (SPIEGEL ONLINE)

Kritik gab es nicht nur aufgrund des Satzes von Andrea Nahles. Vor allem die Darstellung in manchen Medien sorgte für Aufregung. Die FAZ schrieb von Zehntausenden Menschen, die in Berlin "für und gegen die AfD" auf die Straße gegangen seien. Die Überschrift spiegelt natürlich nur so bedingt das Verhältnis der Teilnehmerzahlen wider.

Bei RTL hieß es: Die AfD "demonstriert für Freiheit und Demokratie", die anderen dagegen? Diese Sicht auf die Dinge hat der Sender ziemlich exklusiv.

Vielleicht wäre das die bessere Überschrift gewesen?

Insofern stellt sich schon die Frage: Wenn jetzt auch noch die SPD in die Wir-können-nicht-alle-aufnehmen-Rhetorik einstimmt, wer nimmt eigentlich die Sorgen der vielen vor allem jungen Menschen ernst, die am Sonntag die AfD weggebasst haben?

Abschließend bleibt eigentlich nur eine Frage: Wann ist Alexander Gauland endlich, endlich wieder im Fernsehen?


Streaming

Es wird eine dritte Staffel Jerks geben!
Es soll jetzt richtig gemein werden.

Fremdscham, Voyeurismus, immer einen drüber – aber eben unfassbar lustig: So kann man die Comedy-Serie "Jerks" beschreiben. Noch vor dem Ende der zweiten Staffel haben Pro7 und Maxdome jetzt angekündigt, dass es eine weitere Staffel geben soll.