Bild: Vimeo

"Gustav Freiherr von Bechtolsheim: Unter seinem Kommando exekutierte die 707. Infanterie-Division der Wehrmacht allein im Oktober 1941 10.431 Gefangene."

Das steht auf einer goldenen Platte im Gehweg vor der AfD-Zentrale in Berlin. Es sieht aus wie ein Stolperstein. Doch die erinnern normalerweise an ermordete jüdische Anwohner. Dieser hier gedenkt einem Generalmajor der Wehrmacht.

Was ist da los? 

Vor etwa drei Wochen installierten Aktivisten die goldenen Platten. Auf einem nun veröffentlichten Video zeigen sie, wie die Aktion abgelaufen ist:

Mit Arbeitswesten bekleidet sperren zwei Männer einen Bereich auf dem Gehweg ab. Sie hebeln Bodenplatten hoch und ersetzen sie durch goldene Versionen. Kurz darauf bauen sie daneben einen AfD-Infostand auf, auf Schildern steht "Alexander Gaulands Wehrmachts-Stolpersteine" und "Identität braucht Erinnerung". 

(Bild: Vimeo )

Es ist eine Anspielung auf Gaulands Aussagen, man müsse sich für die deutsche Vergangenheit nicht mehr schämen, denn "sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr". 

Über die Art, wie Erinnerungskultur betrieben wird, diskutiert die Politik immer wieder, das ist an sich also nichts Besonderes. Doch Gauland ging in seinen Reden noch weiter und forderte: "Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind, und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen." 

Hier kannst du das Video ansehen:
Wir sollen also laut Gauland stolz auf die Soldaten der Wehrmacht sein.
  • Auf eine Armee, die ohne Provokation in andere Staaten einmarschierte,
  • die nicht nur gegnerische Soldaten, sondern auch die Zivilbevölkerung angriff, 
  • die Genozid und andere Kriegsverbrechen betrieb,
  • die Kriegsgefangene verhungern ließ und Geiseln erschoss
  • und deren Verbrechen sogar nicht erst im Laufe des Zweiten Weltkrieges entstanden, sondern von vornherein Teil der Kriegsplanung waren.

Wer mehr wissen will: Diese Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung fasst das Thema gut zusammen.

Die Wehrmacht ist nämlich eben nicht gleichzusetzen mit den von Gauland erwähnten Politikern. Aber wenn er sich unbedingt an die Taten der Nazis erinnern will, dann auch bitte an alles Grausame, was sie getan haben – genau das ist die Nachricht der Wehrmachts-Stolpersteine.

Hier sind einige davon:
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Dahinter steckt das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder. Das sind die Leute, die auch schon das komplett möblierte Zimmer in einen Berliner U-Bahn-Tunnel gebaut haben, um damit auf die steigenden Mietpreise hinzuweisen (hier geht's zum Video).

Warum also jetzt die Stolpersteine? Wir haben sie gefragt:

"Der Nationalsozialismus ist nicht mehr Tabuthema, es werden wieder dchwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt", sagt die Gruppe, deren Mitglieder anonym bleiben wollen, zu bento. "In Europa wie auch in Deutschland wurde es wieder salonfähig gemacht, rechtes Gedankengut zu schüren." Sie wollen mit ihrer Aktion etwas dagegensetzen.

Und was soll so etwas bewirken?

"Wir sind realistisch und wissen, dass wir an keinem langen Hebel sitzen. Trotzdem ist es schön, wenn sich Leute Gedanken machen. Selbst wenn es nur eine Person ist", sagen sie. Außerdem sei es ihnen wichtig, kontra zu geben, "auch wenn es nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein ist".

Die AfD war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Während der Aktion selbst habe sich die Partei auch nicht offiziell geäußert, erzählen die Künstler: "Es kamen nur ein paar empörte AfD-Mitarbeiter herunter, da die Polizei zunächst ernsthaft dachte, es sei eine autorisierte Aktion und sie hinunter klingelte."

Passanten hätten zum Teil geschockt reagiert, weil sie dachten, die Steine seien echte AfD-Propaganda für die Taten der Wehrmacht. Andere vermuteten Satire, manche waren empört. Auf der Facebook-Seite von Rocco häuften sich dagegen die Beschimpfungen und Hasskommentare.

Lange blieben die Steine übrigens nicht im Gehweg: Schon am nächsten Tag waren sie wieder entfernt worden. 


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