Ist das noch Kunst oder schon ein Pranger?

In Deutschland sind über Nacht AfD-kritische Botschaften an mehreren Veranstaltungsorten, Restaurants und Verlagshäusern aufgetaucht. Mit einem Laser haben Aktivistinnen und Aktivisten Sätze wie "Kein Raum der AfD" oder "Angst essen Seele auf" an die Gebäude projeziert.

Bilder und Videos der Aktion teilen sich im Netz. Der Vorwurf, den die Aktivistinnen dabei formulieren:

Wieso gibt es immer noch so viele Bars, Restaurants und Konzerthallen, die der "neuen Rechten" zu günstigen Konditionen eine Bühne geben?

Hinter den Bildern stecken das Team des "AfDentskalenders", einer Plattform, die seit Anfang Dezember täglich mit Aktionen und Aufrufen gegen Rechtspopulismus auf sich aufmerksam machen will. Unter anderem das gefälschte Coca-Cola-Plakat mit der Botschaft "Sag nein zur AfD" ist aus dem Umkreis des "AfDentskalenders". (bento)

Wer steckt hinter dem "AfDenzkalender"?

Ein Zusammenschluss namens Modus, eine Gruppe von mehr als 50 Menschen. Darin seien unter anderem Aktivistinnen, Künstler, Juristinnen, Musiker, Filmschaffende, Lehrerinnen vernetzt, sagt die Gruppe gegenüber bento. Alle Aktionen würden im Team besprochen – einmal die Woche treffe sich Modus. "Uns vereint der Wunsch, unsere Kernkompetenzen sinnvoll einzusetzen im Kampf gegen den aktuellen Rechtsruck", schreiben sie über sich.

(Bild: AfDentskalender)

Die Laser-Botschaften sind nun die jüngste Aktion des AfD-kritischen Teams, bestätigte ein Mitglied der Gruppe, Paul, 34, gegenüber bento. Er spricht im Namen der Gruppe – es solle um ihre Aktionen gehen, nicht um ihn oder seine Meinung, betont er. 

Insgesamt seien 16 Orte in Berlin und Brandenburg mit Botschaften versehen worden. Es handele sich Orte, die rechten Verlagen, Parteien und Personen ihre Räume für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt haben. 

Unter den Orten ist zum Beispiel ein Restaurant in Berlin Steglitz, in dem regelmäßig AfD-Stammtische stattfinden oder das Verlagshaus der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit". "Lügenpresse" haben die Aktivisten hier via Laser an die Wand geworfen.

Man wolle so Vermieterinnen und Gastronomen dazu bewegen, näher nachzudenken, wem sie wann Räume zur Verfügung stellen: 

Es darf nicht zur Normalität werden, dass die Rechten ihre Aktionen in der Pizzeria um die Ecke planen können.
Paul von "AfDentskalender"

Mit diesem Video wirbt das Team für ihre Aktion:

Auf Twitter teilen sie außerdem Fotos der mit den AfD-kritischen Botschaften versehenen Gebäude:

Unter anderem die Zitadelle Spandau wird von den Aktivistinnen und Aktivisten an den Pranger gestellt. Sie stellt ihre Räume für politische Veranstaltungen zur Verfügung – und hält sich dabei an das Neutralitätsgebot: Jede demokratisch gewählte Partei darf Räume bekommen. Um den Kulturbetrieb des historischen Gebäudes zu gewährleisten wurde allerdings jüngst beschlossen, Parteiveranstaltungen nur noch abends stattfinden zu lassen. (Tagesspiegel)

Die Aktion zwingt die Zitadelle Spandau, sich zu positionieren. Und sie ist nicht allein. Durch die Guerilla-Aktionen der jüngsten Zeit werden Unternehmen und Veranstalter plötzlich dazu gezwungen, zu zeigen, wo sie politisch stehen. Auch wenn Firmen wie Nutella oder Coca-Cola Anti-AfD-Plakate nicht selbst aufgestellt haben, fordern viele Kundinnen und Kunden, dass sie sich dazu äußern. 

Der "AfDentskalenders" bringt die Politik aufs Frühstücksbrot und in die Nachbarschaft. 

Das kann man gut finden – muss man aber nicht.  

  • Ein Vorwurf: Anstatt einen Dialog zu fördern, stellen die Laser-Botschaften Unternehmen an den Pranger, die ihre Räume einer – immerhin – demokratisch gewählten Partei zur Verfügung stellen. Die Gesellschaft bringt das nicht zusammen, es spaltet weiter.

Paul sagt, er sieht die Arbeit der Gruppe nicht als "Pranger", es gehe eher darum, Öffentlichkeit zu schaffen. Rechtsextremismus würde von den Behörden zu wenig als Problem erkannt, die Grenze dessen, was wieder gesellschaftsfähig ist, werde immer weiter nach rechts verschoben. 

Dass der "AfDentskalender" die Gesellschaft weiter spaltet und Gespräche verhindert, sieht Paul ebenfalls nicht: 

Wir haben lange genug versucht, mit Nazis zu reden. Aber wer Fakten leugnet, will sich auf Gespräche nicht einlassen.
Paul von "AfDentskalender"

So gehe es der Gruppe gar nicht mehr darum, alle zu erreichen. Viel mehr sollen die Aktionen erst mal für sich stehen – jede und jeder müsse dann selbst entscheiden, was er damit anfängt.

Aber Paul sagt auch: "Jede Aktion ist für uns ein Lernprozess". Vieles werde im Team kritisch diskutiert, manche Idee verworfen. Grundsätzlich gelte aber: "Es gibt sowieso jeden Tag 500 Artikel über die AfD, dann können wir wenigstens dafür sorgen, dass sie sich mit Aktionen gegen die Partei beschäftigen."

Für Paul selbst sei die Frankfurter Buchmesse ein Aha-Erlebnis gewesen. Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke war dort zu Gast, der Satiriker Martin Sonneborn crashte seine Veranstaltung aber in SS-Uniform (bento). "Am Ende hat niemand mehr über Höcke geredet, sondern alle über Sonneborn", sagt Paul.

Aber Paul gibt zu, dass es langfristig nicht darum gehen kann, nur auf die AfD zu hauen. 

Eigentlich müssten die Themen in den Mittelpunkt, die überhaupt für eine Verschärfung des Diskurses sorgen: Ängste vor sozialem Abstieg, ungleiche Bildungschancen, steigende Mieten. "Nach dem Ende des AfDentskalenders geht unsere Arbeit eigentlich erst richtig los", sagt Paul.

Fragt sich nur, ob das Kollektiv auch andere Gegner und Aktionen findet, auf die es sich einigen kann. 


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