Bild: EPA/Amr Abd El-Rahman
Schon wieder!

Stell dir vor, du spazierst eine Straße entlang, am Rand parkt ein Polizeiauto. Variante eins: Du gehst weiter, nichts passiert. Variante zwei: Polizisten halten dich an, schlagen dich und zwingen dich ins Auto.

In Ägypten geschieht in diesen Tagen wieder oft Variante zwei – wie in diesem Facebook-Video, das in arabischen Netzwerken seit gestern die Runde macht. In nur 24 Stunden hat es bereits mehr als 1,2 Millionen Klicks gesammelt. Es zeigt einen jungen Mann in blauem Hemd. Er läuft von links nach rechts durchs Bild. Plötzlich greifen Polizisten zu:

Info: Das Originalvideo und viele weitere Versionen wurden auf Facebook und YouTube gelöscht. Wir haben nun ein Video via Twitter eingehängt. Der User bezeichnet den Festgenommenen als einen der Demonstranten.

Ägypten wird von einem autoritären Regime geführt – der Präsident Abdel Fattah al-Sisi verbietet Demonstrationen, sperrt Journalisten ein und lässt die Universitäten im Land von privaten Sicherheitsdiensten überwachen. Tausende junge Menschen sind ohne Anklage inhaftiert, einige hundert spurlos verschwunden. Der ägyptische Geheimdienst ist für seine harte Folter bekannt.

Warum gehen wieder Ägypter auf die Straße?

Lange blieb es ruhig im Land – nach dem blutigen Arabischen Frühling 2011 waren es die Menschen leid, wieder zu demonstrieren. Doch am Montag hatten hunderte Demonstranten zu neuen Protesten aufgerufen. Stichwort im Netz war #April25, eine Hommage an #Jan25, den Beginn der Revolution von 2011.

Offizieller Grund der neuen Proteste: Al-Sisi hatte zwei ägyptischen Inseln im Roten Meer an das benachbarte Königreich Saudi-Arabien verschenkt. Viele Ägypter kritisierten, dass er damit einen Ausverkauf der Nation betreibe und sich bei den reichen Saudis einschmeichle. (SPIEGEL ONLINE)

Aktuelle Karikatur des Präsidenten. "Aufmachen, oh Präsident ... Ich bin der Morgen." - "Nein, nein", antwortet Al-Sisi.

Neben dem Nationalstolz ist aber auch viel Zorn auf die generelle Politik Al-Sisis im Spiel: Neben den Foltervorwürfen und der Zensur im Land verbietet ein Gesetz Demonstrationen im Allgemeinen. Eine legale Opposition gibt es also kaum.

Der Arabische Frühling in Ägypten in Bildern:
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Das Regime reagierte auf die jüngsten Proteste mit aller Härte: Mehr als 200 Menschen sollen laut Amnesty International allein in Kairo festgenommen worden sein, die Staatszeitung "Al-Ahram" berichtet von insgesamt 285 Inhaftierten. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, Journalisten wurden davon abgeholten, zu berichten. Amnesty International urteilt:

„The Egyptian authorities appear to have orchestrated a heavy-handed and ruthlessly efficient campaign to squash this protest before it even began.​“

Gegenüber der ägyptischen Seite "Tahrir News" berichtete der Uploader des Verhaftungsvideos, er habe es gedreht, nachdem die Polizei am Montag eine Demonstration im Stadtteil Dokki aufgelöst hatte. Ob der Passant zu den Demonstranten gehörte oder nicht, ist nicht klar ersichtlich. Was man allerdings sieht: Die Polizei interessiert es sowieso nicht.

Im Netz solidarisieren sich nun viele Ägypter mit dem unbekannten Jungen im blauen Hemd. Sie schreiben "Ikhna btua' al-autobus" – "Wir sind die Leute im Bus". Es ist der Titel eines ägyptischen Films aus dem Jahr 1979. Er handelt von Folter in ägyptischen Gefängnissen.


Today

Beyoncé startet ihre Tour und eine Rakete soll zum Mars: die Morgen-News
Beyoncé würdigt Prince

Vier Tage nach der aufwendigen Veröffentlichung von ihrem neuen Album "Lemonade" hat Beyoncé die "Formation World Tour" in Miami gestartet. Sie performte nicht nur die neuen Songs, sondern auch Klassiker von Destiny’s Child. Während eines Zwischenspiels spielte die Band auch "Purple Rain" von Prince, der vergangene Woche gestorben war.

Vor Beginn der Show sorgten Shirts mit der Aufschrift "Boycott Beyoncé" für Aufsehen, die es an den eigenen Merchandise-Ständen zu kaufen gab. Dies sollte eine Anspielung auf den Streit mit der Polizeigewerkschaft in Miami sein. Die hatte nämlich nach Beyoncés Auftritt beim Superbowl zum Boykott des Konzerts aufgerufen. Die Polizisten finden, dass der Song "Formation" sich gegen sie richte. In einem früheren Elle-Interview stellte Beyoncé klar: "Anyone who perceives my message as anti-police is completely mistaken...I am against police brutality and injustice. Those are two separate things." New York Times