Bild: dpa/Oliver Weiken
Denn auch unter diesem Diktator wird nichts besser.

In Ägypten wird ein neuer Präsident gewählt. Und Ägypter unter 30 drehen sich nur noch genervt weg.

Von Montag bis Mittwoch haben rund 60 Millionen Wahlberechtigte Zeit, ihre Stimme abzugeben. Drei Tage – damit die Wahlbeteiligung möglichst hoch ausfällt. Das Regime vom ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi will es so. Eine niedrige Wahlbeteiligung wäre peinlich.

Denn: Eigentlich steht nur Sisi zur Wahl. Die Frage ist nicht, ob die Ägypter ihn wählen – sondern wie viele.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2014 hatte die Wahlbeteiligung zunächst nur bei 37 Prozent gelegen. Also führten die Behörden eilig einen dritten Wahltag an, gaben vielen Beamten frei – so dass die Beteiligung letztlich bei 47,5 Prozent lag. 

Wahlplakat von Sisi: "Du bist die Hoffnung."(Bild: dpa/Nariman El-Mofty)

1.

So kam Sisi an die Macht:

  • Vor sieben Jahren wurde in Ägypten der Langzeitherrscher Husni Mubarak gestürzt.
  • Vor allem junge Frauen und Männer waren demonstrieren gegangen – sie wollten bessere Jobs und mehr Freiheiten.
  • Nach Mubarak übernahm eine Militärregierung die Macht, dann – nach der ersten freien Wahl – der Muslimbruder Muhammad Mursi.
  • Ihm warfen schnell viele Korruption und Misswirtschaft vor, es gab neue Demonstrationen.
  • Der damalige Verteidigungschef Sisi putschte gegen Mursi, in einem Blutbad ließ er 2013 rund 800 Anhänger von ihm erschießen.
  • 2014 lies sich Sisi dann in einer offiziellen Wahl zum Präsidenten wählen. Nun will er die zweite Amtszeit.

2.

Und so will sich Sisi die Macht erhalten:

Im Vorfeld hatten mehrere Kandidaten angekündigt, gegen Sisi antreten zu wollen. Einige wurden verhaftet, andere von der ägyptischen Polizei eingeschüchtert, die nächsten nicht zur Wahl zugelassen.

  • Am Ende gab es für Sisi keine Gegner. Kurz vor Ende der Anmeldefrist bewarb sich der nun einzige Herausforderer Mussa Mustafa Mussa. 

Er gilt unter Beobachtern als Alibi-Kandidat, der nur antritt, damit die Wahl einen Anschein von Gerechtigkeit hat. Mussa hatte auf Facebook mehrere Monate erst Werbung für Sisi gemacht, nun ist er plötzlich sein Gegner. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE stritt er die Vorwürfe ab, gab aber zu, dass er wahrscheinlich keine Chance hat.

3.

Nur: Die Jugend interessiert es nicht mehr.

Ägypten hat fast 100 Millionen Einwohnern, die Hälfte davon ist unter 25. Jedes Jahr strömen rund 800.000 Uni-Absolventen auf den Arbeitsmarkt (SPIEGEL ONLINE). Jobs gibt es allerdings für die wenigsten.

Nun schreiben ägyptische Medien, dass vor allem Senioren zu den Wahlurnen gehen. "2014 hatten wir 14 Kandidaten, jetzt nur noch zwei", sagt der 23-jährige Mohammed Amir. "Und einer davon unterstützt eigentlich Sisi. Also: Einfach nicht mehr hinsehen." (Masry al-Youm/Arab News)

Viele, die 2011 für mehr Rechte auf die Straße gegangen waren, haben sich von der Politik abgewendet. Einige sind nach Europa ausgewandert, andere äußern sich aus Angst nicht mehr über den Staat. Immer wieder verschwinden junge Menschen spurlos, andere werden ohne Anklage in Foltergefängnisse gesteckt. Menschenrechtler halten den neuen ägyptischen Herrscher mittlerweile für schlimmer als den früheren Diktator Mubarak.

Abdel Fattah al-Sisi hat so ein Regime aus Angst und Verleumdung aufgebaut – und eine Generation von Hoffnungslosen. 


Gerechtigkeit

Mit diesem Brief macht eine Krankenschwester Jens Spahn klar, wie hart ihr Job ist
"Bevor mir der Kragen platzt, bekommt erstmal Hr. Spahn einen Brief."

Debatten über Zweiklassenmedizin und Wartezeiten beim Arzt – oder Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger: Jens Spahn ist noch keine zwei Wochen im Amt, doch der neue Gesundheitsminister steht bereits heftig in der Kritik. Jetzt bekommt der CDU-Politiker auch Gegenwind von einer Krankenschwester, die sich in einem offenen Brief an Spahn wandte – und stellvertretend für ihren Berufsstand sprechen will.

"Bevor mir der Kragen platzt, bekommt erst mal Herr Spahn einen Brief", beginnt Jana Langers emotionales Schreiben, das im Netz bereits fast 25.000 Mal geteilt wurde. 

Ihr Thema: Die Situation in der Pflege.