Bild: YouTube/Entertainment Records
Was der Moralapostel von Frauen hält, verrät er in einem anderen Song.

Eine Schwangerschaftstest, eine schwere Entscheidung, von Tränen zerlaufenes Makeup. Mit diesen Szenen beginnt ein Musikvideo, das ein junger Politiker vor wenigen Tagen auf YouTube geladen hat. Darin geht es um Abtreibung. Doch nicht nur symbolisch – sie wird explizit gezeigt.

Das Video gehört zum Song "Dieser Konflikt" von Julien Ferrat. Der 25-Jährige sitzt im Stadtrat von Mannheim und rappt gleichzeitig als "Stadtrat Ferrat" über politische Themen. Zehn Sekunden lang sind im Clip Szenen einer echten Abtreibung zu sehen. Eine kleine Hand von einem Fötus kommt ins Bild, die Szene ist schwer anzuschauen.

(Bild: Screenshot/YouTube)

Genau auf diesen Schockmoment setzt Julien. Er sitzt für die konservative Familien-Partei im Mannheimer Stadtrat. Zum Thema Abtreibung hat er entsprechend eine ziemlich harte Meinung. "Das Töten menschlichen Lebens ist nicht progressiv, sondern widerwärtig", sagt Julien zu bento.

"Eine Abtreibung ist purer Egoismus."
Julien Ferrat

In dieser Ansicht werde er auch von Klaus Annen unterstützt. Annen ist einer der bekanntesten Abtreibungsgegner Deutschlands und Betreiber der Webseite "Babycaust".

Wenn ihr den Clip sehen wollt, klickt nach rechts. Achtung, die Szenen ab 2:20 sind hart.
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Bereits Anfang Oktober rappte Julien als "Stadtrat Ferrat" wenig Frauenfreundliches: "Ich bin Mannheimer Stadtrat und bang die Bitches jede Nacht hart". Jetzt sind die Frauen auf andere Weise dran – nämlich indem er ihnen das Recht auf Selbstbestimmung abnehmen will.

Um Einzelfälle geht es den Abtreibungsgegnern dabei nicht, sondern ums Prinzip.

Oder wie es Julien sagt: "Es geht um Ethik." Er verstehe sich als Kämpfer für das Leben, Abtreibung werde zunehmend verharmlost und als Form der Verhütung gesehen. Auf Nachfrage sagt er dann allerdings, er kenne niemanden, der Abtreibungen auf diese Weise sieht. Aber man höre ja Geschichten.

Die wichtigsten Fakten zu Abtreibungen in Deutschland

  • Paragraf 218 des Strafgesetzbuches macht einen Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich strafbar.
  • Allerdings wurde 1992 der Zusatzartikel 218a hinzugefügt. Darin heißt es: Wenn eine Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist oder eine Abtreibung medizinisch notwendig ist, dann ist der Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich nicht strafbar. In allen anderen Fällen ist er an bestimmte Bedingungen geknüpft: Die Abtreibung ist von einem Arzt durchzuführen und muss spätestens in der zwölften Schwangerschaftswoche stattfinden. Außerdem muss sich die Schwangere mindestens drei Tage zuvor von einem Arzt beraten lassen.
  • Nach der zwölften Schwangerschaftswoche darf nur abgetrieben werden, wenn das Leben, die Gesundheit oder die Psyche der Schwangeren bedroht sind (Strafgesetzbuch).
  • In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Abtreibungen in Deutschland gesunken (Statistisches Bundesamt): von 130.899 im Jahr 1996 auf 99.237 im Jahr 2015. Im Vergleich dazu gab es 2015 gut 740.000 Geburten (Statistisches Bundesamt II).

"Abtreibung ist faktisch erlaubt, soll aber nicht gezeigt werden", sagt Julien weiter. Schließlich würde in Schulen zwar über das Thema gesprochen, die Prozedur aber meist nicht gezeigt. Ob das vielleicht daran liegt, dass Lehrer eher auf Aufklärung statt auf Emotionalisierung und Schockeffekt setzten? Das könne er jetzt so nicht beurteilen, antwortet Julien.

Woher die Aufnahmen der Abtreibung stammen und ob sie überhaupt echt sind, bleibt übrigens unklar. "Das Video kursiert seit Jahren auf diversen Anti-Abtreibungs-Seiten. Was genau die Quelle ist, weiß ich aber nicht", sagt Julien.

Wie man über Abtreibung anders rappen kann, zeigt dieses Video aus Irland:


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Kennst du schon Berlins unterirdischen Regenbogen?
Eine Fotografin sortiert U-Bahnhöfe nach Farben

Lauren Lemon ist Fotografin und lebt in Los Angeles. So heißt sie nicht wirklich, aber ihre 245.000 Follower auf Instagram kennen sie unter diesem Namen. Lauren liebt Farben, besonders Gelb, ein gelber Stoffbeutel mit einem Smiley-Gesicht begleitet sie auf all ihren Reisen und ist immer mal wieder als gelber Farbklecks unter dem Hashtag #happybagontour in ihren Fotos zu sehen.

Da Lauren Randolph, so ihr richtiger Name, ein bisschen OCD-mäßig alles nach Farben sortieren muss, hat sie aus den Berliner U-Bahnhöfen einen Regenbogen gemacht. In Berlin war sie das erste Mal 2014, seitdem ist sie regelmäßig in der Stadt gewesen – um Freunde zu besuchen und um tatsächlich alle U-Bahnstationen zu fotografieren.

Einsteigen bitte, hier kommen einige der bunten Fotos von Lauren: