Bild: EPA/Tannen Maury
Der Anschlag vom 11. September jährt sich zum 15. Mal.

Vor 15 Jahren brach eine Welt zusammen und eine neue entstand. Terroristen flogen zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York, ein drittes in das Pentagon in Washington. Es war der schlimmste Terrorangriff der jüngsten Zeit. Binnen Stunden verwandelten sich die USA in ein ohnmächtiges Land – die Welt folgte.

Wir alle haben die Bilder noch in uns. Wir alle wissen, wo wir waren, als es passierte. Bei der Oma auf der Couch, gebannt vorm Fernseher. Mit den Freunden im Unterricht. Im Supermarkt, als plötzlich das Radio aufgedreht wurde.

Mit 9/11 wurde die Welt eine andere. Was wir heute denken und fühlen, beruht auf den politischen Weichenstellungen von 2001.

Das Terrornetzwerk Al-Qaida bekannte sich zu dem Anschlag, etwa 3000 Menschen waren ums Leben gekommen. In den Wochen danach starteten die USA einen Feldzug in Afghanistan, später marschierten sie im Irak ein. Osama bin Laden, der Anführer der Qaida, wurde aufgespürt und getötet. Heute spielt die Terrorgruppe kaum noch eine Rolle. Andere nahmen ihren Platz ein.

Viele Dinge haben sich durch 9/11 grundlegend geändert: Unser Umgang mit der Angst, unser Verständnis von Miteinander. Die drei wesentlichen Punkte:

1. Wie wir miteinander umgehen

Die Antwort auf 9/11 hieß zunächst "War on Terror". Die USA und viele westliche Verbündete begannen einen Kampf "Wir" gegen "Die" – aufgeklärte, westliche Welt gegen den vermeintlich rückständigen Nahen Osten. Die Gewalt hat weder Frieden noch Demokratie in der Region gebracht. Auch wenn Al-Qaida heute ziemlich bedeutungslos erscheint, mit dem irakischen Nachfolger "Islamischer Staat" ist eine noch brutalere Terrormiliz entstanden.

Neben Afghanistan und dem Irak befinden sich heute aus Syrien, der Jemen und Libyen in großem Chaos. Bürgerkriege, Diktaturen und islamistische Banden schwächen die Zivilbevölkerung. Der "War on Terror" hat neuen Terror geboren.

Erst langsam entsteht ein Umdenken: Die USA und Europa verhandeln mit dem lange geächteten Iran über eine Annäherung. Washington und Russland versuchen in Syrien, gemeinsame Wege zu gehen. Trotz aller kritischer Töne unter den Nationen – Diplomatie erscheint so wichtig wie nie.

2. Wie wir über Sicherheit denken

Opfer eines Terrorangriffs zu werden ist höchst unwahrscheinlich. In Europa nahmen die Anschläge seit den 1970er Jahren immer weiter ab. Wir leben in einer sicheren Welt. Aber fühlen uns unsicher.

Geschieht irgendwo auf dieser Welt ein Anschlag, sind die Bilder sofort da – zur Erinnerung an 9/11 gesellen sich ständig neue Fotos, Tweets, Videoschnipsel von Bluttaten, von Trauer und vom Schock. Das lässt viele glauben, die Gefahr sei größer als sie ist. Und wir beginnen, Verbote zu akzeptieren; unsere Freiheit der Sicherheit hintanzustellen.

Wir haben uns an Überwachungskameras im öffentlichen Raum, Polizeiaufgebote vor Hauptbahnhöfen und strengere Gepäckkontrollen am Flughafen gewöhnt. Wenn Geheimdienste und Verfassungsschützer ihre Befugnisse ausbauen wollen, gibt es in der Öffentlichkeit kaum einen Aufschrei. Die Unsicherheit in all der staatlichen Sicherheit ist zu einem Lebensgefühl geworden.

3. Wie wir mit Medien umgehen

9/11 war vielleicht der letzte große TV-Moment der Nachrichtengeschichte. Wir alle können uns auf diese einen Bilder einigen: Die brennenden Türme, der schaurige "Falling Man", die mit Staub bedeckten Straßen Manhattans nach dem Kollaps der Türme.

Auch heute gibt es noch ikonische Bilder – aber doch besitzt mittlerweile jeder seine eigenen Momente, seine eigenen Wahrheiten von Großereignissen. Das Netz hat das Fernsehen als Nachrichtenbringer Nr. 1 abgelöst. Die Redaktion übernimmt jeder selbst.

Das Gute darin: Das Netz ist jetzt unsere Stimme. Wir sind Teil dieser immer weiter zusammenwachsenden Welt. Das Schlechte: Nicht jede Stimme wird so gehört, wie sie es verdient. Manches – Falsches – tönt oft lauter. Populisten haben es leichter, Zeitgeschehen für ihre Zwecke zu deuten und zu verändern. Für uns alle geht damit eine sehr viel größere Verantwortung einher, wie wir Medien nutzen und welche Fragen wir an sie stellen.

Das Miteinander, Gedanken über Sicherheit und der Blick auf Informationen sind nicht nur Aufgabe der Politik. Sie gehen uns alle an.

Wir müssen entscheiden, was wir aus dem Erbe von 9/11 ziehen.

Lass uns Freunde werden!


Musik

"Yesterday I woke up sucking a lemon": Wie gut kennst du Radiohead-Lyrics heute?

Songwriter wie Radiohead-Leadsänger Thom Yorke sind selten geworden. Ohne das eigene Privatleben auszuschlachten, schafft er es seit Jahren, gesellschaftlich Relevantes in bedeutungsvolle Worte zu verpacken. Tracks wie "Sail to the Moon" oder "Optimistic" lesen sich mehr als Gedicht denn als klassischer Songtext.

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