Vor genau 20 Jahren – am 26. Juni 1997 – erschien der erste "Harry Potter"-Roman. Die Bücher rund um den jungen Zauberschüler haben uns beim Erwachsenwerden begleitet. Von Harry, Ron und Hermine haben wir viel über Freundschaft, Hoffnung und Mut gelernt – und wurden vielleicht sogar zu besseren Menschen (bento).

Echte Fans wissen schon lange: Die Harry Potter-Reihe ist viel mehr als nur Fantasy. 

Die Autorin J. K. Rowling verwob von Anfang an Themen, die uns auch in der nichtmagischen Welt begegnen. In ihren Werken geht es um Rassismus, die Schrecken des Krieges und um Widerstand gegen Ungerechtigkeiten.

Neun Gründe, warum Harry Potter politischer ist, als du denkst.
1. Kritik am Rassismus

Wer Harry Potter liest, wird schon früh mit der Willkürlichkeit von Rassismus konfrontiert. Hermine ist zwar die schlauste Zauberschülerin in Hogwarts, trotzdem ist sie in den Augen ihrer "reinblütigen" Mitschüler weniger wert. Und das nur, weil ihre Eltern nichtmagisch sind. 
 
In den Potter-Büchern verkörpern Voldemort und seine Anhänger eine fanatische Idee von "Reinheit", die stark an die nationalsozialistische Rassenideologie erinnert. Die Bücher thematisieren rassistische Theorien von "unwerten" und "unreinem" Leben. Für die dunklen Magier sind "Muggel" und "Schlammblüter" weniger wert als "Reinblüter".

(Bild: Warner Bros.)
2. Warnung vor Autoritarismus und Diktatur 

Voldemort ist der Erzschurke der Serie. Er ist so bösartig, dass sich in der magischen Welt kaum jemand traut, seinen Namen auszusprechen. In Voldemorts diktatorischer Welt ist er der alleinige Führer, jede Opposition wird sofort ausgeschaltet. In seinem Wahn nach allumfassender Macht und Unsterblichkeit verkörpert Voldemort eine fanatische Rassenideologie mit Vernichtungspropaganda.
 
Und schon bevor Voldemort und seine Todesser die Macht gewaltvoll an sich reißen können, wird das Ministerium und die Zaubererschule schleichend unterwandert. Harry und seine Mitschüler müssen sich gegen Zensur und Folter wehren, Unschuldige werden ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis geschmissen. Anhand der magischen Welt lernen wir, was passieren kann, wenn ein Staat die Interessen seiner Bürger verletzt.

3. Die Schrecken von Krieg

In ihren Büchern führt uns J. K. Rowling schmerzhaft die Schrecken des Krieges vor Augen. Die Romanreihe beginnt und endet mit dem Schicksal eines Vollwaisen: Harrys Eltern starben im Kampf gegen Voldemort, genauso wie Teddys Familie, dessen Eltern Lupin und Tonks, uns über viele Romane hinweg ans Herz gewachsen sind. 

Wir erinnern uns auch an den Schock als Fred Weasley, Georges witziger Zwillingsbruder in der Schlacht um Hogwarts starb. Und lernen: Krieg macht auch vor Unschuldigen und Familien keinen Halt.

4. Respekt vor Andersartigkeit

In Hogwarts wimmelt nur so von magischen Geschöpfen: Riesen, Zentauren, Hauselfen, Werwölfe, Geister und Kobolde. Sie alle kämpfen in der magischen Welt mit Vorurteilen. Und auch viele Zauberschüler erfahren zunächst Mobbing: Neville für seine Ängstlichkeit, Ron für seine arme Herkunft, Luna für ihre Verträumtheit. 
 
Im Verlauf der Bücher lernt man die Figuren aber besser kennen, legt anfängliche Vorurteile ab und schließt die verschiedenen Charaktere gerade für ihre Andersartigkeit ins Herz. Rowlings Figuren bieten jede Menge Identifikation. Die Figuren in Harry Potter sind bunt und sonderbar und haben eins gemeinsam: wir wären gerne mit ihnen allen befreundet. 

5. Weibliche Vorbilder

Eine ganze Generation von Mädchen wollte so sein wie Hermine. Hermine ist unglaublich klug, engagiert, hilfsbereit – und mal ehrlich: Ohne Hermine und ihre Bücher wären Harry und Ron doch von Anfang an verloren gewesen. Im achten Band der Reihe wird Hermine sogar Zaubereiministerin. 

Rowling zeigt aber auch, dass starke Frauenrollen ganz unterschiedliche auftreten können. Zum Beispiel in Figur der siebenfachen Mutter Molly Weasley. Sie besiegt letzten Endes die gefährliche Bellatrix Lestrange und zeigt: nur, weil sich eine Frau ihrer Familie widmet, bedeutet das noch lange nicht, dass sie keine anderen Talente hat. 

6. Diversität sollte normal sein

Diversität ist ein ganz natürlicher Teil der magischen Welt: Albus Dumbledore ist schwul, Hermine wird im Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child" von einer afrobritischen Schauspielerin verkörpert und welche Hautfarbe Dean Thomas, Kingsley Shacklebolt, Parvarti Patil und Cho Chang haben, war für die Geschichte immer nebensächlich. 

Schließlich ging es um den Charakter und die Handlungen der Hexen und Zauberer und nicht um ihre Hautfarbe oder Sexualität.

Obgleich wir von verschiedenen Orten kommen, und eine andere Sprache sprechen, schlagen unsere Herzen gemeinsam.
Albus Dumbledore
7. Jede Veränderung braucht einen Anfang!

Auch in der Zaubererwelt gibt es Unterdrückung. Bestes Beispiel: die versklavten Hauselfen. 

Wir lernen aber auch, dass Dinge nicht so bleiben müssen wie sie sind, nur, weil sie schon immer so waren. Um die Hauselfen aus ihrem Sklavenstatus zu befreien, gründet Hermine im vierten Band einen Bund für Elfenrechte. Go, Hermine, go!

(Bild: Giphy.com)
8. Immer kritisch bleiben!

Autoritären und Presse sagen nicht immer die Wahrheit. Harry, Ron und Hermine wissen das. Die drei halten nicht jeden Artikel, der im "Tagespropheten" erscheint, für wahr und hören ganz bestimmt nie auf, ihre Lehrer und das Zaubereiministerium für Ungerechtigkeiten zu kritisieren.

9. Und wenn nichts mehr hilft: Widerstand! 

Während der Zeit, als die Ministeriumshexe Dolores Umbridge Hogwarts langsam infiltriert, werden die Zauberschüler mit allerlei Zensur und Überwachung konfrontiert. Deshalb formieren sie einen geheimen Widerstand, dem es schließlich gelingt, die unbeliebte Schulleiterin aus Hogwarts zu vertreiben. 

Und auch die Vereinigung "Orden des Phönix", die gegen Voldemorts Schreckenherrschaft kämpft, organisiert sich im Widerstand. Wir lernen: Jeder macht einen Unterschied, egal wie alt oder stark.

Am Ende ist die (politische) Botschaft von Harry Potter deutlich: 
Liebe und Freundschaft sind stärker als Hass und Intoleranz.

Queer

Polizei prügelt auf Demonstranten der Gay Pride in Istanbul ein

Die türkischen Behörden hatten die Gay Pride Parade in Istanbul kurzfristig untersagt – mehrere Aktivisten gingen am Sonntagabend dennoch demonstrieren. 

Das wurde ihnen zum Verhängnis: Die türkische Polizei feuerte Gummigeschosse auf die Demonstranten und setzte vereinzelt Tränengas ein, mehrere Menschen wurden festgenommen (SPIEGEL ONLINE).

Andere wurden gezwungen, Shirts auszuziehen, auf denen "Pride" steht: