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Sie werden als Plage beschimpft und als aggressiv bezeichnet, in Zucker-Spüli-Lösungen ertränkt und mit Zeitungen erschlagen: Wespen haben es nicht leicht. 

Wir wollten wissen, wie es sich anfühlt, von allen – wirklich allen – gehasst zu werden. Und haben eine zum Gespräch gebeten. 

HassTIERade

Der Hass gegen Mücken, Wespen oder Tauben verbindet Menschen. Und das, obwohl die Vorurteile gegen diese Tiere oft nicht begründet sind. In unserer Interviewreihe "HassTIERade" geben wir ungeliebten Tieren die Chance, ihr lästiges Verhalten zu erklären – und uns einiges über ihre Art beizubringen.

"Wespenplage", "viel aggressiver", "so schlimm war es noch nie" – solche Worte hört man momentan sehr oft. Wie fühlen Sie sich dabei?

Das macht mich richtig aggressiv! Scherz. Aber im Ernst: Das ist so ein Quatsch. Andersrum ist es richtig: Es sind in diesem Sommer so viele Menschen draußen, das habe ich noch nie erlebt. Ich sage Ihnen, das liegt am Wetter.

Und aggressiv sind die: Wenn ich nur an Menschen vorbeifliege, fangen sie sofort an, auf mich einzuschlagen. Völlig ohne Grund! 

Wie erklären Sie sich den Hass, der Ihnen begegnet?

Ich kann verstehen, dass man mit Vorurteilen aufwächst. Aber ich finde, irgendwann muss man die mal reflektieren. Immer nur hetzen – das bringt doch nichts. 

Viel eher könnte man sich mal darauf konzentrieren, welchen Beitrag wir zur Gesellschaft leisten. 

Da würden jetzt viele sagen: gar keinen.

Klassiker. Alle reden immer nur von den Bienen, so nützlich, so fleißig, bla bla. Ich kann es nicht mehr hören. Wir Wespen sind genau so wichtig für die Umwelt, bestäuben Pflanzen und sind vor allem für die Schädlingskontrolle zuständig. Wer Bio-Obst und -Gemüse ohne viele Chemikalien essen will, der muss sich einfach klarmachen, dass das nur geht, wenn es genug Wespen gibt. (SZ.de)

Mit dieser Bio-Keule überzeuge ich echt viele Leute. Aber das Totschlagargument, wenn ich mit Menschen diskutiere, ist immer dieses: Wir fressen Mücken.

Na ja, immerhin können Sie auch stechen. Ist da eine gewisse Abwehr nicht berechtigt?

Ich sag mal so: Wenn jemand allergisch ist, dann kann ich zumindest die Angst nachvollziehen. Wobei schlagen nie etwas bringt, denn unsere Körper senden dann automatisch Alarmpheromone ab, die unsere Kumpels zu Hilfe rufen. Menschen denken dann, wir seien eine Plage – dabei haben sie uns durch ihr Gewedel überhaupt erst gerufen. (SZ.de)

Aber zurück zum Stechen. Bei den Menschen geht es um einen kleinen Stich. Wenn jemand nach mir schlägt, geht es um mein Leben. Außerdem bin ich ja auch nur da, um meinen Job zu machen. 

Der wäre?

Meiner Art das Überleben sichern. In einem einzigen Volk leben mehrere tausend Arbeiterwespen wie ich (BUND). Und unser Job ist es, uns selbst und den Nachwuchs der Königin mit Futter zu versorgen. Dafür brauchen wir protein- und energiereiche Nahrung – zum Beispiel Grillfleisch oder zuckerhaltige Cola. 

Warum sind denn alle von Ihnen so scharf auf unser Essen und Trinken?

Äh, Entschuldigung, aber es gibt in Deutschland Hunderte Wespenarten. Nur zwei davon lieben das Menschenessen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe (Bundeszentrum für Ernährung). Letzterer Art gehöre ich an. 

Der Grund ist, dass diese beiden Arten sozial leben, also als Staat wie Bienen und die Arbeiter daher ordentlich Nahrung ranschaffen müssen. Da kommt es halt manchmal zu Begegnungen mit Menschen. 


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Man muss aber auch mal Fortschritte in der Beziehung zwischen Mensch und Wespe erwähnen: Wir haben Sie unter Naturschutz gestellt. Man darf Wespen nicht töten oder Ihre Nester abmachen, sonst drohen hohe Strafen. Das ist doch schon mal was, oder?

Wenn sich da jemand dran halten würde, wäre das toll. Aber bei Wespen verlieren die Menschen jede Moral. Da werden viele zum Mörder. Wir würden sogar von einem schleichenden Völkermord sprechen. Das macht mich sehr traurig. 

Das  verstehe ich. Trotzdem besteht bei vielen Menschen der Eindruck, gerade in diesem Jahr gebe es ohnehin viel zu viele Wespen.

Nein. Da können Sie auch Ihre Menschen-Ökologen fragen. Es gibt in diesem Jahr nicht außergewöhnlich viele – und es sind deutlich zu wenige, um ein natürliches Ökosystem aufrecht zu halten (SZ.de). Wer uns tötet oder unsere Nester zerstört, der schadet also nicht nur uns, sondern allen Lebewesen. 

Und, und das ist jetzt wirklich nicht persönlich gemeint, aber soweit ich weiß, gibt es zu viele Menschen.

Vielen Dank für das Gespräch. 


Gerechtigkeit

Nach Kritik von Intersexuellen: Die dritte Geschlechtsoption soll jetzt "divers" heißen
Zwei Fakten und eine Reaktion zum Gesetzesentwurf

Im Geburtenregister soll künftig neben "männlich" und "weiblich" der Eintrag einer dritten Geschlechtsoption möglich sein. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der neben den beiden bereits vorhandenen Optionen auch die Option "divers" vorsieht.

Das ist eine Reaktion auf Proteste von Interessengruppen. Zunächst sollte die Geschlechtsoption "anderes" oder "weiteres" lauten. Dies empfanden jedoch viele als abwertend. (bento)