Bild: Marius Becker/dpa

Ein halbes Kilogramm Hackfleisch für 1,79 Euro. Wie kann das eigentlich sein? Ab jetzt finden Kunden und Kundinnen bei den größten Supermarkt-Ketten, wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl, ein einheitliches Label, das beschreibt, woher Fleisch kommt, und unter welchen Bedingungen ein Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde.

Mit diesem freiwilligen Label kommen die Supermärkte dem Bundeslandwirtschaftsministerium zuvor, das einen ähnlichen, staatlichen Aufdruck für das Jahr 2020 angekündigt hat (Westfälische Rundschau).

Die meisten Supermärkte arbeiten schon seit Längerem mit eigenen Labels, um die Kunden über Haltungsstandards der Tiere zu informieren. Das neue einheitliche Siegel soll es nun einfacher machen, genau das Fleisch zu kaufen, das man wirklich möchte, egal in welchem Supermarkt. Das Stichwort ist Transparenz.

Auf dem Papier eine gute Idee – bei genauerem Hinsehen wird aber deutlich: 

Die neuen Labels sind nur eines: Eine Marketing-Kampagne der Supermärkte.

Die vier Stufen nennen sich bei vielen Anbietern nun "Stallhaltung", "Stallhaltung Plus", "Außenklima" und "Premium". Nette Namen für eine katastrophale Haltung der Tiere, die mit dem Wort "artgerecht" nichts zu tun hat.

Die mit Abstand billigste Form der Fleischproduktion ist die Stallhaltung. Hier gelten die Minimalvorgaben der Regierung (Landwirtschaftsministerium). 

Das bedeutet: Einem Mastschwein steht bis zu seiner Schlachtung mit ungefähr 110 Kilogramm Gewicht ein Lebensraum von 0,75 Quadratmetern zu. Eine Grundfläche, die kleiner ist als die eines Dixie-Klos. Bei einem Rind oder einem Bullen sind es bei einem Gewicht von 150 bis 220 Kilogramm zwischen 1,5 und 1,8 Quadratmetern Stallfläche, also etwa so viel wie ein Bett für einen Menschen.

Bei Hühnern werden die Vorgaben nicht mehr in Tieren, sondern in Kilogramm pro Quadratmeter Bodenfläche angegeben. 

Maximal 39 "Kilogramm Hühner" dürfen laut der Vorgaben des Labels in Stallhaltung pro Quadratmeter leben. Das entspricht ungefähr 26 bis 28 Tieren, bei einem typischen Schlachgewicht zwischen 1,4 und 2,2 Kilogramm.

Klar, wer billiges Fleisch kauft, muss auch damit rechnen, dass es zu einem möglichst günstigen Preis hergestellt wurde. Aber auch wenn man das teurere Fleisch der anderen Kategorien kauft, bedeutet es noch lange nicht, dass die Tiere ein erfülltes Leben hatten.

Auch die zweite Kategorie der Labels stellt alles andere als eine artgerechte Haltung dar. Tiere aus der Kategorie "Stallhaltung Plus" hatten etwa zehn Prozent mehr Platz zum Leben und ein Anspruch auf "organisches Beschäftigungsmaterial". Das ist nichts anderes als Stroh oder Picksteine. Offenbar reicht das schon aus, um eine neue Kategorie der Tierhaltung einzuführen.

Die dritte Stufe "Außenklima" suggeriert eine grüne Weide, auf der die Tiere grasen und ein friedliches Leben führen können.

An dieser Vorstellung ist aber nicht viel dran. Tiere aus "außenklimatischer" Aufzucht haben bis zu ihrer Schlachtung vermutlich ebenso wenig in der Sonne gelegen, wie ihre Artgenossen aus der Stallhaltung. Für Mastschweine bedeutet "Außenklima" nämlich keine grünen Wiesen, das Tier soll "Außenklimareize" bekommen, also frische Luft und Sonneneinstrahlung durch eine offene Seite des Stalls.

Eine solche Beschreibung ist nichts Anderes als die Irreführung des Kunden, der eigentlich darauf achten will, Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen. 

Aber all das steht natürlich nicht auf der Verpackung.

Die teuerste Kategorie wird "Premium" genannt. Und nicht einmal die hat viel mit artgerechter Haltung zu tun.

Immerhin haben die Tiere bei dieser Aufzucht das Recht auf doppelt so viel Platz wie gesetzlich vorgeschrieben – Schweine aus ökologischer Haltung bekommen mindestens 1,3 Quadratmeter, Rinder etwa fünf Quadratmeter Platz. Von Auslauf kann man da aber wohl trotzdem nicht sprechen.

Wenn die Siegel also nicht wirklich zur Orientierung des Kundens dienen – warum führen die Supermarkt-Ketten überhaupt eine solche Ampel für die Art der Haltung ein?

Die Siegel lassen sich optimal bewerben und verkaufen. Besonders Discounter werben nun mit der Initiative "Tierwohl" und versprechen größtmögliche Transparenz beim Kauf.

Dass nicht viel dahinter steht, kritisiert die Organisation Foodwatch. Die Kennzeichnungen seien eine "Mogelpackung, die Verbrauchern vorgaukelt, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern", so Foodwatch-Mitglied Matthias Wolfschmidt. 

Ein verantwortungsvoller Konsum von Fleisch ist möglich, dafür müssten viele Menschen allerdings weniger Fleisch essen und dafür mehr bezahlen (BR.de). 

Die Bereitschaft scheint da zu sein.

Laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind mehr als 70 Prozent von 1000 Befragten bereit, mehr Geld für Fleisch zu bezahlen, damit es unter tierfreundlichen Bedingungen hergestellt wird. Die Hälfte der Befragten sei demnach sogar bereit bis zu fünf Euro mehr pro Kilogramm Fleisch auszugeben

Die Supermarkt-Ketten sind aber offenbar in keiner Weise daran interessiert, dass ihre Kunden weniger aber teureres Fleisch kaufen. 

Die Labels auf den Fleischverpackungen sollen angeblich für mehr Transparenz sorgen. In Wirklichkeit sind sie nur eine Marketing-Kampagne.


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