"Es ist mir total wichtig, dass ich weiß, woher mein Fleisch kommt." – sagt der Fleischesser, wenn er einen Vegetarier trifft.

Wenn ich den Fleischteller unbeachtet lasse oder mir im Restaurant den griechischen Salat bestelle, werde ich über kurz oder lang gefragt: "Bist du Vegetarier..?!" Nach meiner kurzen Antwort ("Ich esse kein Fleisch, ja.") geht dann das peinliche Schauspiel los, das jeder Nicht-Fleisch-Esser inzwischen kennen dürfte.

Es ist ja ein weit verbreitetes (und nicht unwitziges) Vorurteil, dass Vegetarier und Veganer allen Menschen ihre Ernährungsweise auf die Nase binden wollen, um sie dann zu missionieren. Tatsächlich läuft eine solche Begegnung meist genau anders herum ab. Zumindest geht das mir immer so.

Sitze ich mit einem Fleischesser beim Essen zusammen, setzt bei ihm (oder ihr) sofort ein Rechtfertigungsmechanismus ein. Es ist eine Mischung aus schlechtem Gewissen und der Angst vor Verurteilung, die meine Gegenüber dann wie auf Knopfdruck viele gute Absichten abspulen lässt. Ich lebe seit fünf Jahren vegetarisch und habe das schon dutzende Male erlebt – auf Parties, bei der Arbeit, bei Familienfesten.

Eine glückliche Kuh.
Wer isst schon all die Currywürste und Chickenwings?

Meist kommt zuerst die gezwungene Frage, warum ich denn auf Fleisch verzichten würde. Klar, sie wissen es eigentlich schon und wollen es nicht hören, aber ich antworte dann: "Wegen der Haltungsbedingungen habe vor ein paar Jahren aufgehört. Ich habe vorher aber wirklich gerne Fleisch gegessen." Es ist wie ein Tanz, den ich inzwischen auswendig beherrsche.

"Oh ja, schrecklich! Ich esse auch nur ganz selten Fleisch", stimmen die Gesprächspartner mir dann zu, während sie ihr Schnitzel verdrücken. "Ich lege ja selbst auch sehr viel wert darauf, dass es aus guter Haltung stammt." Klar, denn wer isst schon das Billigfleisch, all die ganzen Döner, Burger, Currywürste, Chickenwings und Salamibrötchen, die es überall zu kaufen gibt? Das will dann natürlich keiner gewesen sein.

Stattdessen zeichnen sie mir wortmalerisch Bilder von Schweinen und Kühen, die bei Sonnenschein glücklich über Weiden laufen und kurz vor ihrem Ende vom Bauern liebevoll totgestreichelt werden. Alles bio, versteht sich. Immer von "direkt bei mir um die Ecke", vom "Bauern des Vertrauens" oder mindestens "zertifiziert". Und natürlich: Selten.

Ein glückliches Schwein 2.0.
Glaubt ihr tatsächlich selbst daran?

Oder ist euch meine schiere Anwesenheit schon so unangenehm, dass ihr euch selbst mich anlügt? Hätte ich dieses Gespräch nur ein einziges Mal geführt, hätte ich der Person sicherlich geglaubt. Aber die über Jahre immer wiederkehrende Unterhaltung lässt mich doch arg zweifeln. So viele "glückliche Tiere", wie meine Gesprächspartner in den letzten Jahre gegessen haben wollen, gibt es wahrscheinlich gar nicht.

Ihr erzählt mir allen Ernstes, während ihr irgendein undefiniertes Fleisch esst, wie wichtig euch das Wohlergehen der Tiere sei.

Aber warum der Zirkus, liebe Fleischesser? Versetzt euch mal in meine Lage: Ihr erzählt mir allen Ernstes, während ihr irgendein undefiniertes Fleisch esst, wie wichtig euch das Wohlergehen der Tiere sei. Das ist so, als würde man seinen Kindern "Ich hab dich lieb" sagen, während man sie ohrfeigt – irgendwie unglaubwürdig. Seid doch einfach ehrlich zu euch selbst und redet euch nicht ein, es läge euch am Herzen.

Ganz im Ernst: Es ist mir egal, was ihr mit eurer Freizeit anstellt oder was ihr esst. Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, von mir aus über das Thema "Fleisch" zu sprechen. Das muss ich nämlich gar nicht, weil nahezu jede Woche irgendjemand von mir eine Erklärung haben möchte, wieso ich kein Fleisch esse. Nur um später über Vegetarier und ihre immerwährende "Missionierung" zu lästern.

Dabei habe ich einfach nur einen Salat bestellt.

Umfrage: Isst du Fleisch?

Das große Veggie-Quiz:

Auf bento darf jeder essen, was er will. Aber er sollte:


Fühlen

Der einzig wahre Weg, für ein Schulfoto zu posieren
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Kylieann gibt nicht viel auf Mainstream – zumindest nicht, wenn der Schulfotograf kommt. Sollen doch die anderen Kinder die Haare glatt kämmen und den Pullunder anziehen – die 3-Jährige wollte sich als Supergirl verkleiden.

Ihr Vater Austin fand das Outfit gut und lud das Foto bei reddit hoch. Dort sammelte es knapp 5000 Upvotes und 700 Kommentare: