Zugegeben, es ist verdammt lustig anzusehen: Katzen, die vor Gurken erschrecken. Auf YouTube oder Vine gibt es immer mehr Clips und Supercuts, in denen Katzen aus ihrem Napf fressen, während hinter ihnen eine offenbar absichtlich platzierte Salatgurke lauert. Dann drehen sich die Katzen um, entdecken die Gurke und versuchen sich mit teilweise abstrus uneleganten Sprüngen in Sicherheit zu bringen.

Warum haben Katzen Angst vor Gurken?

Tierpsychologen nehmen an, dass Katzen das längliche, grüne Gemüse mit einer Schlange verwechseln und deshalb davor erschrecken. In manchen Sequenzen tasten Katzen die Gurken vorsichtig mit ihren Pfoten ab und versuchen offenbar herauszufinden, ob sie es mit einem lebenden Objekt zu tun haben.

Zudem ist der Futternapf für viele Katzen ein geschützter Raum, in dem sie nicht gestört werden wollen. Der überraschende Eindringling löst deshalb eine besonders heftige Reaktion aus. "Sie sehen normalerweise eben keine Gurken auf dem Boden", sagte Jill Goldman, eine amerikanische Tierpsychologin, dem "National Geografic".

Mit dem Sprung würden sie sich in Sicherheit bringen, um das Objekt aus der Entfernung zu untersuchen. Allerdings könnten sich die Tiere bei der Schutzreaktion auch verletzen. Von dem Schreck einmal abgesehen.

Ist das lustig?

“Stress bei einem Tier auszulösen, ist für gewöhnlich eine schlechte Idee,” sagt Goldman, “Wenn Sie es machen, um darüber zu lachen, frage ich mich, was für ein Mensch Sie sind?"

John Bradshaw, Professor für Veterinärwissenschaft an der Universität Bristol, geht in "National Geografic" noch weiter: Die Videos seien "widerwärtig", weil sie Leute "anstachelten, ihre Katzen zu erschrecken, damit andere Menschen darüber lachen können".

Gemach, Gemach, möchte man dem besorgten Tierpsychologen antworten, die den gemeinen Katzenbesitzern gleich ihre Menschlichkeit absprechen. Fies ist es sicherlich, aber Slapstick finden wir immerhin auch bei unseren eigenen Artgenossen komisch. Und auch Katzen sind es gewohnt, hin und wieder erschreckt zu werden. Dafür brauchen sie nicht mal Menschen.