Bild: Jimmy Chang/Unsplash
5 Fragen, 5 Antworten

Der französische Kurort Vittel ist bekannt für seine Mineralwasserquelle. Doch das Wasser wird immer knapper. Grund dafür ist der Nestlé-Konzern, dem die Marke "Vittel" seit den 90er Jahren gehört.

Was passiert in Vittel?

Seit Jahren bezieht Nestlé Wasser aus der Vittel-Quelle. Und das Geschäft mit dem Mineralwasser lohnt sich für den Konzern. Mehr als 260 Millionen Euro Umsatz soll der Konzern allein am Standort Vittel mit dem Wasser gemacht haben. (Tagesschau)

Jean-Francois Fleck, der Präsident des Umweltverbandes, VNE (Vosges Nature Environnement) wirft Nestlé vor, keine Rücksicht zu nehmen.

Der Konzern schützt die Ressource Wasser nicht, sondern er beutet sie aus.
Jean-Francois Fleck

Cédric Egger, Geologe und Wasserexperte des Nestlé-Konzerns stritt gegenüber der Tagesschau die Grundwasserprobleme und die Verantwortung von Nestlé nicht einmal ab: 

"Wir sind die Haupt-Wasserentnehmer, das ist wahr, dafür tragen wir die Verantwortung. Aber wir haben auch die Verantwortung und den Willen eine Lösung zu finden, die alle Beteiligten und deren Interessen berücksichtigt.“

Und wie soll diese Lösung aussehen?

Laut Nestlé soll eine kilometerlange Pipeline Wasser aus benachbarten Regionen nach Vittel leiten. Die geschätzten Kosten für diese liegen bei 20 Millionen Euro. Bezahlt werden sollte die Pipeline allerdings zunächst von Steuergeldern – und damit von den Bewohnerinnen und Bewohnern Vittels selbst. (Tagesschau)

Nun wendet Nestlé ein, dass sie bereit dazu seien, einen Anteil der Kosten zu übernehmen.
Der Konzern hätte sich während einer Sitzung der lokalen Wasserkommission CLE dazu verpflichtet, zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen beizutragen. (Nestlé)

Für die Anwohner sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das ist das gemeinsame Ziel. Daran werden wir gemeinsam mit allen Beteiligten in den kommenden Monaten arbeiten.
Nestlé Deutschland AG


Wie zeigt sich die Wasserknappheit in Vittel?

Benoit Gille erzählte der Tagesschau, dass er das Wasser für seine Schafe täglich aus dem Nachbarort holen müsse, obwohl das Weideland direkt über der Quelle von Vittel liegen würde. Nestlé hätte seine Brunnen versiegelt, der Konzern allerdings bestreitet dies. (Tagesschau)

An dem öffentlichen Brunnen in Vittel sind mittlerweile Schilder angebracht worden, die die Bewohnerinnen und Bewohner des Kurorts darauf hinweisen, täglich nicht mehr als sechs Flaschen Wasser abzufüllen. (Frontal 21) Nestlé pumpt jährlich aktuell 750.000 Kubikmeter Wasser aus dem Boden. Der Konzern beteuert, bislang sogar 25 Prozent weniger Wasser zu beziehen, als ihnen laut den Wasserrechten eigentlich zustehen würden. (Nestlé)

Das Wasser wird knapp: höchstens sechs Flaschen sollen täglich befüllt werden.

(Bild: Frontal 21)

Irgendwie absurd: die Bewohnerinnen und Bewohner werden aufgefordert, Wasser zu sparen, während Nestlé es weiter vermarktet. 

Wie geht es jetzt weiter?

Frank Perry ist Bürgermeister von Vittel. Gegenüber der Tagesschau äußert er sich zwiegespalten. Man müsse das richtige Gleichgewicht zwischen der Wirtschaft und dem Umwelt- und Wasserschutz finden. 
Nestlé ist der größte Arbeitgeber und Steuerzahler von Vittel. Und das Mineralwasser ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt. (Tagesschau)
Der Wasserspiegel aber sinkt und sinkt. Wenn sich nichts ändert, könnte die Quelle in Vittel 2050 versiegen. (Lebensmittelzeitung)

Kann ich irgendetwas dagegen tun?

Falls du Konzerne wie Nestlé nicht unterstützen möchtest, kannst du zum Beispiel mehr Leitungswasser trinken. Die Stiftung Warentest weist deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher darauf hin, dass Leitungswasser aus dem Wasserhahn oft mehr Mineralien und weniger chemische Rückstände enthält als in Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Außerdem ist es günstiger als Mineralwasser aus dem Supermarkt und ohne Verpackung auch wesentlich besser für die Umwelt. (Stiftung Warentest)


Gerechtigkeit

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