Bild: Ivana Milakovic / Unsplash
Ich bin Veganerin und würde trotzdem Fleisch essen.

Seit rund einem halben Jahr versuche ich, vegan zu leben. Ich sage bewusst "versuche". Ich lebe nämlich nicht hundertprozentig vegan. Schlimm finde ich das nicht, andere Veganer schon. Sie sagen dann, das wäre nicht konsequent. Oder ich würde so nichts bewegen. Strikt vegan zu leben bedeutet, keine Produkte zu konsumieren, durch die Tiere leiden müssen. Veganer achten dabei nicht nur auf die Ernährung, sondern auch auf Kleidung, Einrichtung oder Reisen. Ich habe aber sehr gute Gründe dafür, dass ich Honig esse und Lederschuhe trage. Und auch Fleisch essen würde.

Wozu überhaupt vegan leben?

Die meisten Menschen nehmen an, ich lebe vegan, weil ich Tierfreund bin. Ich bin auch Tierfreund, vegan bin ich aber der Umwelt zuliebe. Ich versuche nachhaltig zu leben. Für den Planeten. Für meine zukünftigen Kinder und Kindeskinder. Ich möchte meinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten. Deshalb fliege ich nicht mehr, deshalb spende ich an Atmosfair. Und lebe vegan. Ein Kilo Kartoffeln kostet weniger CO2-Emissionen als ein Kilo Eier. Manchmal ist es aber umweltfreundlicher, tierische Erzeugnisse zu essen oder zu verwenden. Deshalb mache ich Ausnahmen.

1. Ich esse Honig. 

Denn: Mit dem Kauf von Honig unterstütze ich Imker. Ohne sie sterben Honigbienen in Deutschland auf Dauer aus, denn die Zahl der Honigbienenvölker ist rückläufig (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschft). Bienen brauche ich aber, weil ohne sie viel Obst und Gemüse gar nicht entstehen würde. Noch dazu schütze ich (als Tierfreundin) damit eine Art. Also kaufe ich Honig aus deutscher Produktion und stärke dadurch die Imkerei in Deutschland.

2. Ich trage Schuhe aus Leder. 

Denn: Plastikschuhe beeinträchtigen die Umwelt noch stärker, als einige Lederschuhe. Plastik ist kein nachhaltiger Rohstoff, es werden viele Chemikalien bei der Herstellung verwendet und die Schuhe halten meist nicht lang.

Auch gegen Leder gibt es Einwände: Es wird oft mit Chrom gegerbt. Dadurch entsteht ein hoher Wasserverbrauch und schwermetallbelastete Abfälle. Außerdem enthält das Leder dadurch den giftigen Stoff Chromat, der Krebs und Allergien hervorrufen kann. 

Es gibt aber auch Lederschuhe, die zum Beispiel mit Rhabarber oder Oliven gegerbt wurden. Deutsche Anbieter sind zum Beispiel Waschbär, Hessnatur, Grundstoff.net, Fairtragen.de und der Avocado Store. Wer dort nicht einkaufen möchte, kann auch auf das Siegel "Blauer Engel" achten. Das kennzeichnet "anspruchsvolle Standards über die gesamte Produktionskette", steht also für umweltfreundliche Schuhe.

3. Ich trage Klamotten von H&M, Vero Moda, C&A, Zara und anderen "Billigproduzenten".

Obwohl diese oft nicht tierfreundlich agieren – beim Baumwollanbau werden zum Beispiel meist Insektizide verwendet. Und obwohl die Kleidung in Asien produziert und von dort nach Europa geflogen wird. 

Aber: Ich kaufe keine neuen Kleidungsstücke mehr. Denn: Wenn ich ein altes Kleidungsstück "aufbrauche", belastet das die Umwelt weniger, als wenn ich neue Sachen kaufe. Dasselbe gilt für elektronische Geräte, Möbel und Accessoires. In Secondhandshops, bei Ebay Kleinanzeigen oder beim Kleiderkreisel gibt es gute "alte" Dinge, die neue Besitzer suchen. (Mehr Informationen: "Tiere, die für Kleidung ausgebeutet werden" – PETA)

4. Ich trinke auch Bier, das nicht vegan ist – dessen Etikett zum Beispiel mit tierischen Kleber angebracht wurde.

Denn: Bisher gibt es nur sehr wenige Biermarken, die überhaupt keine tierischen Produkte verwenden. Natürlich könnte ich nur noch Bier von den Marken kaufen, die das tun, zum Beispiel Gaffel Kölsch. Das wird aber in Köln hergestellt und ist bis zu mir weit gereist. Kaufe ich Bier aus der Region, bedeutet das niedrigere CO2-Emissionen und ich handele somit umweltfreundlicher.

5. Ich würde Fallwild essen. Also Tiere, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder überfahren wurden. 

Zugegeben: Das kam noch nie vor. Wenn ich aber je in eine solche Situation käme, würde ich auch Fleisch essen. Denn: Das entsprechende Tier wurde nicht für mich gezüchtet. Zudem hat es während seines Lebens kein Leid erfahren, um für mich zu Nahrung zu werden. Das Tier nicht zu essen, würde bedeuten, Nahrungsmittel wegzuwerfen. Und das wäre das Gegenteil von umweltfreundlich.

In Deutschland ist es übrigens verboten, Fallwild zu essen oder zu verkaufen. Ausnahme: Tiere die angefahren wurden, jedoch nicht gestorben sind und dann von einem Jäger erschossen wurden, um sie von ihrem Leid zu erlösen. Diese müssen vor dem Verzehr beim Tierarzt untersucht werden, weil sie Krankheiten haben könnten (hier geht's zum Gesetzestext).

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