Bild: Vanuatu Government; Montage: bento
"Es ist egal, ob sie Forschungsergebnisse ignorieren...."

Im polnischen Kattowitz treffen sich in dieser Woche die Länder der Erde, um über den Klimawandel zu reden – und wie man ihn verhindern kann. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. 

Allerdings sind die Verhandlungen zäh, einige Staaten – allen voran die USA – zweifeln an der Erderwärmung und halten das Klima nicht für besonders schützenswert.

Nun betrat jemand die Bühne der Uno-Klimaschutzkonferenz, der wissen muss, wie schlimm es ist: der Außenminister vom kleinen Inselstaat Vanuatu.

Vanuatu besteht aus etwas mehr als 80 Inseln und liegt im Südpazifik. Die Inseln liegen im Schnitt null Meter über dem Meer. Null. (GraphicMaps)

Wenn einer merkt, wann das Meer dank der Erderwärmung ansteigt, dann sind es die Menschen in Vanuatu. Trotzdem dachte Außenminister Ralph Regenvanu in seiner Rede in Kattowitz erstmal an das Wohl der Menschen im Westen:

  • "Es schmerzt mich von ganzem Herzen, wenn ich die Menschen in den USA und anderen Industrienationen sehe, wie sie unter den Auswirkungen von Klima-Tragödien leiden – während ihre Abgesandten hier in Kattowitz überall rote Linien ziehen und Dinge in Klammern setzen wollen, wenn es um wahrheitsgemäße und richtige Aussagen über der Menschheit größte Bedrohung geht."

Was meint Regenvanu? Dass sich die Staaten einfach nicht einig werden können, ob und wenn ja wie real der Klimawandel nun ist. Deshalb würden die Unterhändler einiger Staaten wichtige Vereinbarungen umschreiben wollen. Der Außenminister fordert, es müsse ein globales "Regelbuch" für den Klimaschutz geben – frei von roten Linien und Aussparungen. (The Guardian)

Der Hauptstreitpunkt: Es gibt einen Klimabericht der Uno-Riege IPCC, der vor dem Klimawandel warnt. Auf der Konferenz in Kattowitz stritten nun die Länder mehrere Tage über zwei Formulierungen. Nämlich darüber, ob diesen Bericht "zu begrüßen" sei, oder nur "zur Kenntnis genommen" werden solle. Die USA, Russland und Saudi-Arabien sind für letzteres. (Süddeutsche Zeitung)

Dass über eine Formulierung so gestritten wird, fand Regenvanu einfach nur peinlich:

  • "Egal, ob Sie die Forschungsergebnisse begrüßen, zur Kenntnis nehmen oder gar schändlich ignorieren – Fakt bleibt, dass [der Klimawandel] eine Katastrophe für die Menschheit ist und jeder, der hier die Verhandlungen blockiert, sollte das mit seinem Gewissen vereinbaren können."

Und noch deutlicher: Den Klimawandel zu ignorieren, bedrohe nicht nur Menschenleben – sondern die Menschheit überhaupt.

Und was macht Deutschland?

Deutschland hat versprochen, 68 Millionen Euro bereitzustellen, um armen Staaten bei ihren Klimaschutzplänen und deren Umsetzung zu helfen. Das gab die Bundesregierung am Mittwoch auf der Klimakonferenz bekannt. 

Allerdings kauft sich die Regierung damit auch aus der Verantwortung frei, selbst mehr zu tun. Die ausgemachten Ziele zum Klimaschutz hält nämlich Deutschland bislang nicht ein. 

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Ägypten verbietet den Verkauf gelber Westen, aus Angst vor Aufständen wie in Frankreich

Seit mehreren Wochen gehen in Frankreich Bürgerinnen und Bürger in gelben Westen auf die Straßen. Die "Gilet Jaunes" sind wütend auf die Regierung und wollen bessere soziale Gesetze von Präsident Emmanuel Macron. Viele können sich immer weniger leisten, eine Reichensteuer oder eine Anhebung des Mindestlohns halten sie für gerecht.

Auch in anderen Ländern gibt es unzufriedene Bürgerinnen und Bürger – zum Beispiel in Ägypten. Dort herrscht der Diktator Abdel Fattah al-Sisi, sein Militärregime kontrolliert die Wirtschaft, für die Bevölkerung bleibt nicht viel übrig. Nun scheint das Regime Angst vor französischen Verhältnissen zu haben.

Ägypten schränkt den Verkauf von gelben Westen ein, damit niemand damit einen Protest anzettelt.

Mehrere Händler berichten, dass Beamte sie aufgefordert hätten, den Verkauf zu limitieren. Vielerorts sind die Warnwesten gar nicht mehr verfügbar. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP versuchte in der Hauptstadt Kairo, an zwölf verschiedenen Orten gelbe Westen zu bekommen:

  • Sechs Händler sagten, sie verkaufen die Westen nicht länger,
  • weitere zwei Händler weigerten sich ohne Angabe von Gründen, welche zu verkaufen,
  • die vier übrigen Händler gaben zu, dass Behörden ihnen Verkaufsverbot auferlegt hätten.

Ein Händler sagte demnach über die Regierung: