Wer mitten im Dreck steht, dem fehlt oft die Übersicht, wie er da wieder raus kommt. Ganz ähnlich geht es der Menschheit, die durch Konsum, Gier und Wachstumsdrang immer mehr Dreck erzeugt – ohne zu wissen, was sie da anrichtet und wo sie damit eigentlich hin soll. Der Fotografie-Veteran J. Henry Fair verschafft uns den nötigen Überblick: mit Luftaufnahmen

Besonders Industrielandschaften haben es ihm angetan. Seit mehr als 20 Jahren beobachtet und überwacht er auf der ganzen Welt die Verschmutzungen und Zerstörungen, die durch Kohleabbau, Landwirtschaft, Aluminium- und Stahlgewinnung verursacht werden – von oben. 

Nun hat er darüber ein Buch herausgebracht: "Industrial Scars" ist ein eindringlicher Appell für die Natur, gefüllt mit schaurig schöner Fotokunst. Wir haben mit ihm über Ölkatastrophen und Zukunftsvisionen gesprochen. 

Henry, warum interessierst du dich so für Umweltzerstörung?

Unser Planet ist ein beeindruckend komplexes System, das uns viel schenkt. Saubere Luft und Wasser zum Beispiel. Wenn man nur kleine Rädchen dieses Systems ändert, kommen da auch andere Dinge am Ende raus. 

Als Künstler ist es mein Ziel, das festzuhalten – und Kunst zu erschaffen, die eine Geschichte der Menschen erzählt, die für diesen Prozess verantwortlich sind.

Wo hast du für dein Projekt fotografiert?

Ich war auf der ganzen Welt unterwegs, um für meine Bilderserie zu sammeln. Die meisten Fotos habe ich in den USA gemacht, vor allem in den Industriegebieten am Mississippi. Aber ich war auch in Deutschland, Polen, dem Golf von Mexiko, Schweden, Kanda. Nicht überall durfte ich Luftaufnahmen machen.

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Henry Fair

Der Fotograf wurde 1959 in Charleston, South Carolina geboren – mitten hinein in Ausschreitungen zwischen Afroamerikanern und weißen Amerikanern. Die Erfahrungen seiner Jugend sensibilisierten ihn für Ungerechtigkeiten und wurden ein zentraler Aspekt seiner Arbeit.

Fair arbeitet auch mit Greenpeace und der Rainforest Alliance zusammen. Aktuell an einem Projekt, dass den steigenden Meeresspiegel und den Klimawandel dokumentiert. 

Haben Menschen versucht, dich am fotografieren zu hindern? 

Ja. ich wurde von der Polizei und Sicherheitsmännern der Firmen schon oft angegangen und bedroht. Meist wollten sie, dass ich den Film aus der Kamera nehme und ihnen gebe – für so etwas habe ich immer eine leere Rolle dabei. Auch wurde ich schon mehrfach vom FBI interviewt, einmal kamen sie morgens in mein Hotel. Weil ein Pilot mich als einen “arabisch aussehenden Herren” gemeldet hatte, der über Industrieanlagen fliegen wolle.

Was ist das Schlimmste, das dir vor die Linse gekommen ist?

Die Deepwater-Horizon-Katastrophe, als Öl wochenlang aus einer Bohröl-Insel ins Meer floss, war das Schockierendste, was ich je fotografiert habe. Es gab auch andere Ereignisse in dieser schrecklichen Größenordnung, aber der nicht Enden wollende Strom der schlechten Nachrichten und die Unfähigkeit, das Öl-Leck zu stopfen, machten sie einzigartig. 

Was ist deine größte Sorge, wenn es um unseren Planeten geht?

Eigentlich müsste ich sagen: Der Klimawandel. Denn umso mehr man weiß, umso erschreckender wird es. Doch noch mehr fürchte ich mehr vor der Ignoranz der Öffentlichkeit, der politischen Manipulation und der Gier.

Engagierst du dich noch anders für die Umwelt?

Ich glaube, dass jeder und jede Einzelne einen großen Einfluss auf das Klima und die Umwelt hat – einfach nur durch die Kaufentscheidungen. Deshalb kaufe ich nichts, was ich nicht brauche, keine Tüten. Ich lebe vegetarisch, achte auf Bio, fahre per Anhalter... die Liste geht immer weiter. 

Irgendwann wird man besessen davon. Den größten Einfluss hat aber sicher meine künstlerische Arbeit 

Wie können junge Generationen deiner Ansicht nach die Umweltzerstörung aufhalten? 

Zwei Dinge: Sie sollten ihren Konsum ändern und sich politisch engagieren.

Gibt es etwas, das du dir wünscht? 

Ich hoffe einfach, dass meine Kinder eine so geheimnisvolle und wunderbare Welt erleben können, wie ich selbst. 

Industrial Scars

J. Henry Fairs Buch "Industrial Scars" ist im Papadakis Verlag erschienen, das Vorwort stammt vom Umweltaktivisten Bill McKibben. In drei großen Bereichen (Energie, Nahrung und Rohstoffe) setzt sich der Bildband mit den Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt auseinander. Unterstützt wurde Fair bei von den Fluglinien Southwings und Lighthawk

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Hier gibt es auch einen Trailer zum Buch: 

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