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Warum Millennials in Sachen Nachhaltigkeit ziemlich scheinheilig sind.

Ich bin ein schlechter Mensch. Ich verreise wahnsinnig gern, am liebsten drei bis vier Mal im Jahr. Und fast immer muss ich dafür ins Flugzeug steigen – denn ferne Länder begeistern mich. 

Dass mit jeder Flugbuchung mein CO2-Fußabdruck leidet, ist mir bewusst. Im Flieger habe ich zwar eine Nachfüllflasche mit Wasser dabei. Aber wenn mich die Stewardess nach einem Kaffee fragt, sage ich trotzdem nicht nein. Und habe dann einen Plastikbecher vor mir. Nebst Plastikkännchen für die Milch und Plastiklöffel zum Umrühren.

Wir Millennials sorgen uns sehr um die Umwelt – und tun gleichzeitig doch so wenig für den Umweltschutz. 

Das ist ein Problem – und ziemlich scheinheilig. Es ist nicht so, dass es kein Interesse an Nachhaltigkeit gibt: 

  • Jede Meldung, in der US-Präsident Donald Trump mal wieder den Klimaschutz torpediert, wird mit wütenden Smiley bedacht. 
  • Jede Initiative, die den Plastikmüll aus unseren Weltmeeren fischen will, wird freudig mit ein paar Crowdfunding-Cent unterstützt. 
  • Und jede Aktion, die Pappbecher durch wiederverwertbare Behälter ersetzt, bekommt auf Instagram reihenweise Herzchen.

Genau so ist es gerade in Freiburg passiert: Dort wurde vor einem halben Jahr der "Cup" vorgestellt, ein Pfandbecher, der die Wegwerfbecher ersetzen sollte.

Eine Studie hat jetzt untersucht, wie gut der Cup angenommen wurde – und wie viel Müll er einspart (fudder.de). Das Resultat: geschätzt 840 Kilo im Jahr. Das entspricht in etwa neun gefüllten Mülltonnen. 

Ein ziemlich erbärmliches Ergebnis – und das ausgerechnet in der studentischen Ökohochburg Freiburg. 

Wenn unsere Natur irgendwo gerettet wird, dann doch hier, oder?

Dass die Bilanz so schlecht ausfällt, liegt daran, dass der Cup kaum genutzt wird. Bei den teilnehmenden Cafés und Bäckereien würden nur fünf Prozent der Käufer danach fragen. Die große Mehrheit bleibt bei der Variante "Müll 2 Go". 

Es gab mal eine Generation, die hat Umweltschutz noch ernst genommen. Sie ging gegen Atommüll auf die Straße, protestierte gegen das Waldsterben und kämpfte für Fahrradwege. Heute haben wir diesen Kampf ins Netz verlagert. Weil wir bequem sind.

Und das ist symptomatisch für Millennials: In der Idee sind alle umweltbewusst – nur handelt dann keiner danach.

Geheizt wird bei offenem Fenster, die Laptops bleiben im Standby-Mode und Mitfahrgelegenheiten sind meist doch zu nervig. Umweltschutz sieht auf Instagram zwar gut aus, im echten Leben ist er hingegen anstrengend. 

Laut der jüngsten Umweltstudie des Umweltbundesamtes haben Deutsche ein hohes Umweltbewusstsein. Aber gleichzeitig nur eine "latente Veränderungsbereitschaft". Soll heißen: Lasst uns den Regenwald retten!, aber fangt schon mal ohne mich an. 

Die Politik lebt uns genau das vor. Die Bundesregierung hat das Pariser Klimaabkommen mit großem Tamtam unterzeichnet – an die Einhaltung der Ziele hält sie sich nicht. 

Wenn wir es besser machen wollen, sollten wir mit Liken aufhören. Und zu Handeln anfangen.

Ich werde wahrscheinlich kaum auf meine Flugreisen verzichten. Aber ich kann meiner Regierung Druck machen, sich ans Pariser Abkommen zu halten, strengere Auflagen im Umweltschutz zu einzuführen und, ja, auch mir mein Leben damit weniger bequem zu machen.

 Und ich kann im Kleinen mithelfen. Vielleicht schon mit diesen einfachen Zuhause-Ideen:


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Der Tipp zum Wochenende: Jan Böhmermann goes Effi Briest

Bevor Jan Böhmermann in die Sommerpause geht, tritt er noch mal gemeinsam mit seinem ganzen Ensemble auf. Die letzte Ausgabe vom "Neo Magazin Royale" ist eine Literatursendung – und holt deutsche Literaturklassiker auf den Stundenplan. 

Damit schaffen sie es, auch den langweiligsten Wälzer in einen unterhaltsamen Gag zu verwandeln. Alles unter dem Hashtag #letztestunde.