Bild: Getty Images / Sean Gallup
Schlechte Idee aus Dänemark 😡

Auf den Packungen in dänischen Supermärkten soll künftig stehen, wie schädlich die Produktion für die Umwelt war. Das plant der zuständige Minister Lars Christian Lilleholt. Kundinnen und Kunden sollen lernen, klimaschädliche Produkte zu meiden. (bento)

Was für eine feige Aktion.

Es ist so: Wenn wir Menschen so weiterleben wie bisher, steigt die Temperatur in den kommenden Jahrzehnten um vier Grad Celsius an – mit verheerenden Folgen: Küstenstriche überfluten, Menschen werden vertrieben, Unwetter nehmen zu, Dürren bedrohen Ernten, Menschen müssen ihre Heimat verlassen und das ist nur der Anfang.

Das Verbrennen von Öl, Gas, Holz und sonstigem Zeugs sorgt dafür, dass sich die Atmosphäre erwärmt. Wenn wir nur noch Produkte kaufen, die möglichst wenig schädlich fürs Klima sind, helfen wir der Umwelt. Unternehmen passen sich schließlich unserem Konsumverhalten an, so die Idee.

Was dabei ausgeblendet wird: Ein Großteil der schädlichen Treibhausgase geht auf einige wenige Firmen zurück. Die Konsumentscheidung von ein paar Däninnen und Dänen ist nett. Mehr aber nicht.

Für 71 Prozent der schädlichen Emissionen weltweit sind nämlich nur 100 Firmen verantwortlich.

Das haben Forscher berechnet. Darunter sind Ölkonzerne wie ExxonMobil, Shell, BP und Chevron. (Guardian)

Aber Dänemarkt nimmt sich nicht diese großen Unternehmen vor. Stattdessen werden die Verbraucherinnen und Verbraucher vorgeschickt: Ihnen soll ein schlechtes Gewissen gemacht werden, damit sie persönlich das Klima schützen. Obwohl der Einfluss für Einzelne verschwindet gering ist.

Nudging” nennt sich das, wenn die Politik ohne strenge Vorschriften die Wählerinnen und Wähler zu einem bestimmten Verhalten anschubst. Die Politik drückt sich damit aber vor ihrer Verantwortung.

Denn wir brauchen jetzt radikale Schritte, um den Temperaturanstieg noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Mit klaren Ansagen an ein paar Dutzend Unternehmen wäre schnell viel mehr getan.

Politiker ziehen sich aus der Verantwortung und verstecken sich lieber hinter Millionen von Menschen – dabei ist der Klimawandel Chefsache.


Grün

Diesel-Skandal und Hambacher Forst: Wie die Bundesregierung das Klima killt
Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

Der neue Bericht des Uno-Klimarates hat offengelegt, dass in den nächsten zehn Jahren gravierende Änderungen in der Weltklimapolitik stattfinden müssen (bento), um die Erderwärmung so gering wie möglich zu halten. Doch der Klima- und Umweltschutz kommt in vielen Nationen noch immer zu kurz. Auch in Deutschland wurden im vergangenen Jahr erhebliche Fehler in der Klimapolitik gemacht.

1 Der Dieselskandal und seine Folgen

VW, BMW, Daimler und etliche andere Autohersteller haben mit gefälschten Angaben zu ihren Dieselmotoren betrogen. Soweit so schlimm. Doch statt die Autobauer zu bestrafen, hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche eine Einigung mit den Autoherstellern erzielt.

Da es in insgesamt 14 deutschen Städten bald ein Fahrverbot für die alten Dieselmodelle gibt, sollen sie möglichst schnell aus den "belasteten" Städten verschwinden. Statt die alten Modell umzurüsten gibt es jetzt die "Diesel-Umtauschprämie".

Diese Prämie liegt zwischen 4.000 und 10.000 Euro und kann von den betroffenen Fahrern beim Kauf eines neuen Autos genutzt werden. "Hier kann ein Benzin-Hybrid sparsamer sein als ein Diesel, obwohl er mehr CO2 ausstößt", sagt Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg zu bento. Denn es geht bei der Diskussion nicht um die CO2-Werte eines Diesel, sondern um die Stickoxide.

Er kritisiert die Haltung der Regierung in der Dieselkrise:

  • "Hardware-Nachrüstungen zur relevanten Minderung der Stickoxide wären unmittelbar wirksam und ein guter Weg gewesen", so  Pehnt. Der Energie-Experte hätte es für selbstverständlich erachtet, dass es Nachrüstungen auf Kosten der Automobilhersteller gibt. 
  • Mit der beschlossenen Umtauschprämie habe sich für die Hersteller aber der "goldene Weg eröffnet" noch einmal am Skandal zu profitieren, so Pehnt.

Aber was wäre die Lösung im Dieselskandal? Wer kein neues Auto kaufen will, müsse laut Pehnt zumindest eine kostenlose Nachrüstung erhalten, "ökologisch und aus Gerechtigkeitsgründen." Trotzdem sieht er auch eine Chance im Betrug von Audi, VW und Co: