Worum geht’s?

Um unser Essen. Wir sind es gewohnt, dass wir im Supermarkt um die Ecke alles bekommen, was wir wollen – und das zu einem günstigen Preis.

Dabei stammen viele Lebensmittel von Tieren, von ihrem Fleisch, ihrer Milch oder ihren Eiern. Das Wohl der Tiere bleibt bei der Produktion oftmals auf der Strecke.

Wie ist die Lage aktuell?

Der Großteil der tierischen Produkte aus Supermärkten stammt aus Massentierhaltung.

Im Jahr 2016 lebten laut Albert-Schweitzer-Stiftung rund 753 Millionen Tiere in Massentierhaltung. Je nach Tier- und Nutzart gibt es dabei verschiedene Haltungsformen. Bei allen Haltungsformen identifiziert die Stiftung aber drei grundsätzliche Probleme:

  • Die Tiere werden an die Haltungsform angepasst – indem z.B. Schnäbel oder Zähne ohne Betäubung gekürzt werden.
  • Grundbedürfnisse der Tiere werden ignoriert und ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  • Den Tieren werden routinemäßig Antibiotika verabreicht, um sie leistungsfähig zu halten.

(Weitere detaillierte Infos zu Massentierhaltung findest du hier).

Wen soll ich wählen, wenn ...?

Die Wahlentscheidung ist nicht immer einfach. Während sich manche schon lange sicher sind, für wen sie ihre Kreuze machen, tun sich andere schwer. Und die kompletten Wahlprogramme lesen will auch nicht jeder – immerhin sind manche mehr als hundert Seiten lang. In den einfacher zu verdauenden Kurzversionen werden dagegen nicht alle Fragen beantwortet.

In unserer Reihe "Wen soll ich wählen, wenn ...?" greifen wir uns deshalb jeweils ein Thema heraus, das vielen Menschen am Herz liegt und sehen uns die Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD, den Grünen, der Linken, der FDP und der AfD ganz konkret dazu an.

Immer mehr Menschen stehen der industriellen Massentierhaltung kritisch gegenüber – das zeigt beispielsweise die wachsende Zahl von Vegetariern. Insbesondere unter jungen Menschen hat die Zahl derer, die sich fleischlos ernähren, in den letzten Jahren zugenommen. Allerdings sind Vegetarier immer noch eine Minderheit: Nur vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland ernährt sich laut dem Robert Koch-Institut fleischlos

Der Fleischkonsum der restlichen Bevölkerung liegt weiterhin weit über dem, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt: Statt 16 bis 31 Kilogramm Fleisch essen die Deutschen durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. (SPIEGEL ONLINE)

Manchmal ist es auch schwer zu erkennen, in welchen Produkten eigentlich Tier steckt:

Auch wenn nicht jeder auf tierische Produkte verzichten will, wünschen sich doch viele Verbraucher zumindest bessere Tierschutzregelungen – und auch mehr Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen das Produkt entstanden ist. Es gibt zwar bereits Kennzeichnungen wie das Label "Für mehr Tierschutz". Diese gehen jedoch auf private und nicht auf staatliche Initiativen zurück.

Was wollen die Parteien für Tiere tun?

CDU/CSU

Die CDU/CSU schreibt, Tiere seien "unsere Mitgeschöpfe". Tierschutz sei ein wichtiges Anliegen, er solle allerdings "praxistauglich" sein. Es ist von einem neuen staatlichen Tierwohllabel die Rede. Das soll die Behandlung der Tiere verbessern, aber auch die Marktchancen landwirtschaftlicher Betriebe erhöhen soll.

Neue Regelungen für die Nutztierhaltung wünscht sich die Union als einheitliche EU-Standards.

SPD

Auch die SPD möchte ein staatliches Tierschutzlabel einführen. Dieses soll Produkte kennzeichnen, die von Tieren aus artgerechter Haltung kommen. Grundlage sollen Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes sein.

Außerdem soll es neue Verfahren und Vorschriften für Haltungs- und Transportbedingungen geben.

Die SPD will Eingriffe verbieten, die nur aus wirtschaftlichem Interesse erfolgen – beispielsweise das Schnabelkürzen, das Kupieren von Schwänzen und Schenkelbrand bei Pferden. Auch Antibiotika sollen nur noch eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist.

Zudem möchte die SPD eine Ombudsstelle für besseren Tierschutz einrichten. Tierschutzorganisationen sollen zudem mit einem Verbandsklagerecht die Möglichkeit bekommen, einfacher gegen Tierschutzverstöße zu klagen.

Subventionen in Landwirtschaft sollen auch gezielter dafür verwendet werden, ländliche Räume unter Tierschutz-Aspekten zu gestalten.

FDP

Die FDP möchte mit gezielten Agrarinvestitionsförderungen die Nutztierhaltung verbessern.

Sie spricht sich allerdings gegen "starre" ordnungsrechtliche Vorgaben und Tierwohl-Zertifizierungen aus, da diese vor allem kleine Landwirtschaftsbetriebe überfordern würden.

Noch mehr Themen im Wahlprogramm-Check:

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AfD

Die AfD schreibt, dass Tierschutzgesetze "gleichermaßen für alle gelten" sollen. Sie will deshalb den Handel, die Bewerbung und die Einfuhr von Fleisch von geschächteten Tieren verbieten.

Schächten ist eine insbesondere im Judentum und Islam verbreitete Schlacht-Technik, bei der die Tiere ausgeblutet werden. Das Schächten selbst ist in Deutschland zwar nicht gestattet, im Ausland geschächtete Tiere dürfen jedoch aktuell mit einer Ausnahmegenehmigung eingeführt werden. Eben diese Ausnahme will die AfD aus dem Gesetz streichen.

Die Grünen

Die Grünen wollen "radikale Änderungen in der Tierhaltung", weil sie die Zustände in der Agrarindustrie "einer modernen Gesellschaft unwürdig" finden. Konkret fordern sie:

  • Mehr Platz in den Ställen
  • Zugang zu frischer Luft und Tageslicht
  • Kein Kükenschreddern
  • Keine Amputationen und Qualzuchten
  • Tiergerechte Fütterung
  • Deutlich weniger Antibiotika.

Schlachtungen sollen vermehrt durch regionale Schlachthöfe und mobile Schlachteinrichtungen geschehen, sodass Tiertransporte reduziert werden können.

Auf lange Sicht haben die Grünen das Ziel, industrielle Massentierhaltung vollständig zu beenden – dies soll schon innerhalb der nächsten 20 Jahre geschehen.

Dazu soll es einen "Pakt für faire Tierhaltung" geben, der dafür sorgt, dass sich tier- und umweltgerechte Haltung für Betriebe auch wirtschaftlich rechnet.

Außerdem soll es eine Verordnung geben, die die Haltung aller Nutztiere einheitlich regelt

Informationen über die Tierhaltung sollen zudem für den Verbraucher einfacher zugänglich sein.

Die Linke

Die Linke will den Tierschutz stärken, indem sie bestimmte Praktiken verbietet. Dazu zählen:

  • Schreddern von Küken
  • Anbindehaltung von Rindern und Kühen
  • Haltung von Zuchtsauen im Kastenstand
  • Rupfung von lebenden Tieren für Daunen
  • Import von Produkten aus Zwangsfütterung.

Gerechtigkeit

Wenn dich diese Plakate nicht zum Wählen bewegen, wissen wir auch nicht weiter
"Kreuzen statt klicken, ihr likegeilen Bitches."

Bei Instagram, bei Twitter – überall begegnen dir in den letzten Tagen Briefwahl-Selfies, meist mit einem energischen Wahlaufruf verbunden. Wählen ist wichtig! Geht wählen! Jede Stimme zählt!