Bild: Futur 2 Festival

Sommerzeit ist Festivalzeit. Von Fusion bis Rock am Ring: Hunderttausende werden ihre Zelte, ein paar Dosen Ravioli und diverse Rauschmittel – legale und illegale – einpacken und für ein paar Tage Alltag und lästige Hygienepflichten hinter sich lassen.

Bei größeren Festivals entsteht so für ein paar Tage eine richtige Kleinstadt: Parkplätze, sanitäre Anlagen, Zeltplätze, gastronomische Versorgung. Große Bühnen brauchen riesige Lautsprecher, Bassboxen, Scheinwerfer und Leinwände. Außerdem müssen Equipment und Besucherinnen und Besucher auch an den Veranstaltungsort kommen. 

Ein großes Festival braucht viel Energie – und produziert eine Menge Müll.

Also lieber zu Hause bleiben, der Umwelt zuliebe? Nicht unbedingt. Es gibt Menschen, die versuchen, Festivals nachhaltiger zu gestalten. Einer von ihnen ist Björn Hansen. Er ist einer der Gründer des "Futur 2 Festival", das klimaneutrales Feiern ermöglichen soll. Am 25. Mai findet es zum zweiten Mal in Hamburg statt.

Wir haben Björn getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie kleine und große Festivals klimafreundlicher werden könnten. 

Björn Hansen

(Bild: Yannick von Eisenhart Rothe/bento)

Wenn ich diesen Sommer auf eines der großen Festivals gehe, wie sehr schade ich dann dem Klima?

Das hängt von zwei Faktoren ab: den Bemühungen der Veranstalter und denen der Besucherinnen und Besuchern. Beide Seiten bestimmen, wie groß der ökologische Fußabdruck einer Veranstaltung am Ende ist. Deswegen sind auch beide Seiten dafür verantwortlich, Dinge besser zu machen.

Fangen wir mit den Veranstaltern an: was müssen sie besser machen?

Es gibt zum Beispiel einen total irrationalen Umgang mit der Stromversorgung. Da werden Anschlüsse entsprechend der Maximallast, also der maximalen Wattzahl der Geräte installiert. Aber auch bei deutlich geringerem Verbrauch wird viel mehr Öl verbrannt, als nötig. Wir haben im letzten Jahr vor dem Festival gemessen, was die Geräte wirklich an Strom verbrauchen und die entsprechende Infrastruktur bereitgestellt. So lässt sich enorm viel Strom und Geld sparen.

Wenn sich da so einfach so viel einsparen ließe, warum achten die Veranstalter nicht schon aus Kostengründen darauf?

Weil der Druck nicht groß genug ist. Auf Festivals kommt der Strom oft aus Generatoren. In die darf man in Deutschland aber immer noch billiges Heizöl statt höher besteuertem Diesel schütten. Wenn man das ändern würde, wäre der finanzielle Anreiz viel größer und Veranstalter würden sich mehr um die Effizienz kümmern.

Was kippt ihr in eure Generatoren?

Bisher Rapsöl. Nicht optimal, aber immerhin ein nachwachsender Rohstoff. Unsere Generatoren sind aber nur ein Back-up für unsere Solaranlage, die im Optimalfall den kompletten Strombedarf abdeckt. Im letzten Jahr lief ein Generator für zwei Stunden, die anderen wurden nicht gebraucht. Und das bei 14 Stunden Veranstaltungsdauer. Um das zu ermöglichen, ist unser ganzes Festival nach der Sonne ausgerichtet. Die Solaranlage steht in der Mitte zwischen den beiden Bühnen. 

Und wenn es dieses Jahr den ganzen Tag bewölkt ist, laufen die Generatoren durch?

Nein, bewölkt heißt nicht, dass die Solaranlage gar keinen Output hat. Er ist nur geringer. Die Puffer, die noch zwischengeschaltet sind, sind dann schneller leer, so dass die Generatoren vielleicht eher dazugeschaltet werden.

(Bild: Futur 2 Festival)

Eine eurer Bühnen soll von den Gästen durch fahrradbetriebene Generatoren mit Strom versorgt werden. Ist das nur ein spaßiges Gimmick oder funktioniert das wirklich?

Das ist kein Gag. Diese Fahrräder können die Beschallung der einen Bühne vollständig mit Strom versorgen. Der Trittwiderstand auf den Fahrrädern ist abhängig von der benötigten Energie: Wenn der Bass einsetzt, tritt es sich schwerer. Fünf Strampelnde erzeugen in zwei Stunden etwa eine Kilowattstunde, das ist Strom für etwa 25 Cent. Uns geht es nicht nur um den nachhaltigen Strom. Wir lassen unsere Besucherinnen und Besuchern erfahren, was eine Kilowattstunde Strom überhaupt ist.

Ich hoffe, dass das bei unseren Gästen eine Wertschätzung für Energie hervorruft und sie in Zukunft im Flur das Licht ausmachen, wenn sie im Wohnzimmer sitzen.

Und wenn sie nicht genug strampeln, geht die Musik einfach aus?

Ja. LED-Anzeigen machen sichtbar, wie viel Strom die Fahrräder gerade erzeugen. Rot heißt zu wenig, weiß heißt zu viel. Es geht nicht darum, möglichst schnell zu strampeln, sondern genau die benötigte Energiemenge zu erzeugen. 

Müll ist ein weiteres, großes Festivalproblem. Wie geht ihr damit um?

Wir verbieten unseren Sponsoren, Flyer auf dem Festivalgelände zu verteilen. Die würden am Ende alle auf dem Boden liegen. In der Gastronomie geben wir den Gästen gar keine Chance, Müll zu produzieren: Wir setzen auf Mehrweg. Wenn Einweg-Geschirr oder Besteck unvermeidlich ist, nutzen wir Holz oder andere kompostierbare Materialien. Letztes Jahr hatten wir am Ende 30 Gramm Müll pro Gast. Fast alles davon hatten die Gäste aber selbst mitgebracht. Alle können dieses Jahr also selbst dazu beitragen, das weiter zu reduzieren. 

Was fordert ihr noch von euren Gästen? 

Wir fordern nicht, wir schaffen Anreize. Die Anreise ist ein großes Thema. Wir haben natürlich den Vorteil, dass unser Festival in einer Großstadt stattfindet. Deshalb können die Leute mit dem Fahrrad kommen. Dafür haben wir bewachte Fahrradparkplätze, damit kein Rad geklaut werden kann. Pkw-Parkplätze gibt es bei uns nicht, deshalb ist die Anreise mit dem Auto gar keine Option. Wir arbeiten außerdem mit einem Mitfahrdienst und der Hochbahn zusammen, die unsere Gäste mit dem E-Mobil und der Bahn aufs Gelände bringen.

Du rechnest mit 5000 Gästen, da ist das sicher machbar. Für große, kommerzielle Festivals ist das nicht so leicht umsetzen.

Aber der Druck von außen wird größer, weil die Sensibilisierung für Nachhaltigkeit beim Publikum wächst.

Und kein Veranstalter möchte gerne Müll produzieren. Das kostet Geld und ist scheiße für die Umwelt.

Wir zeigen, was alles machbar ist. Wir glauben: Wenn man 5000 Leuten so ein Festivalerlebnis bieten kann, ist das in absehbarer Zeit auch für 50.000 Menschen möglich. 

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Die Regierung ignoriert uns junge Leute – doch wir können etwas dagegen tun

Die Grünen als stärkste Kraft mit 28,73 Prozent, mit Abstand gefolgt von der SPD mit 14,99 Prozent und der CDU mit 12,74 Prozent: Das ist keine Utopie, sondern das wäre Realität – zumindest, wenn in Deutschland nur unter 18-Jährige wählen dürften (U18). Für die anstehende Europawahl gaben 100.000 Jugendliche in Deutschland ihre Stimme ab – zur Übung. Koordiniert wurden die Probe-U-18-Wahlen vom Deutschen Bundesjugendring. 

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