Bild: Jannis Große / bento

Unser Musik-Konsum hat sich von der CD in die Cloud verflüchtigt. Nur ein paar Nostalgikerinnen und Liebhaber brauchen dafür noch Plastik: Platten, CDs oder Kassetten. Für alle anderen sind die Songs dieser Welt per Streaming-App nur ein paar Wischs entfernt.

Das wirkt sich auf die Umweltbilanz unseres Musikkonsums aus – aber anders, als man annehmen würde.

Das haben Forscher der Universitäten Glasgow und Oslo jetzt herausgefunden. Sie haben die Ökobilanz des US-Musikmarktes untersucht. Die erste Erkenntnis der Studie ist naheliegend: Weil weniger Tonträger verkauft werden, produziert die Musikindustrie weniger Plastikmüll. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der CD-Produktion, wurden 61.000 Tonnen Plastik benötigt. 2016 waren es nur noch 8000 Tonnen.

Ist heute also alles besser?

Die Forscher haben auch untersucht, wie viele klimaschädliche Gase beim Musikhören anfallen könnten. Ihre Schätzung: 2016 wurden durch Musikstreaming und Downloads allein in den USA zwischen 200.000 und 350.000 Tonnen Treibhausgase freigesetzt – und damit deutlich mehr, als etwa im Jahr 2000 durch die CD-Produktion anfielen (157.000 Tonnen). Die ausführliche Studie wird im Oktober 2019 in einem Buch veröffentlicht.

Zum Vergleich: In ganz Deutschland wurden im selben Jahr 909,4 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt. (Umweltbundesamt)

Wie setzt Musikstreaming Treibhausgase frei?

Das Speichern und Verarbeiten von Musik online verbraucht hohe Mengen an Energie und hat damit große Auswirkungen auf die Umwelt.
Dr. Kyle Devine, Universität Oslo

Die Datenzentren und Server von Onlinediensten haben einen sehr hohen Strombedarf. Das ist nicht nur bei Musikstreaming so.

Emissionen fallen bei der Nutzung aller Onlinedienste an, ob wir googeln, eine Online-Shopping-Tour unternehmen oder einen Film streamen. Wie umweltschädlich die Nutzung eines Onlinedienstes ist, hängt davon ab, woher dieser Dienst den Strom für seine Server bezieht. 

2017 veröffentlichte Greenpeace die Studie "Clicking Clean", in der die Strom-Mixe vieler Internetanbieter verglichen werden. Bei Musikportalen schneidet hier iTunes (Note A) wesentlich besser ab als Spotify (Note D) oder Soundcloud (Note F).

Aber ist streamen umweltschädlicher als CDs kaufen?

Schwer zu sagen. Die Forscher räumen ein, dass sich die Emissionszahlen von Streaming und physischen Tonträgern in ihrer Untersuchung nicht wirklich vergleichen lassen. Sie haben zum Beispiel die Emissionen nicht einberechnet, die bei der Auslieferung von Tonträgern anfallen. (The Conversation)

Klar ist aber: Auch wenn es sich nicht so anfühlt, wird für jeden gestreamten Song Energie benötigt und dabei werden klimaschädliche Gase produziert. Nach eigener Aussage wollen die Forscher mit ihrer Untersuchung nicht "eine der größten Freuden des Lebens ruinieren", sondern Menschen dazu anregen, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen.


Gerechtigkeit

Eine Stadtplanerin erklärt, warum Enteignungen kein Sozialismus sind – sondern Demokratie
Maren Harnack sagt, Wohnraum ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Mit Bafög ein WG-Zimmer in Hamburg finden? Mit dem Einstiegsgehalt eine kleine Wohnung in Berlin? Beides ist fast unmöglich.

Zehntausende sind am vergangenen Samstag gegen explodierende Mieten auf die Straße gegangen. Im Kampf um die Innenstädte der Metropolen wird auch der Ton immer härter (SPIEGEL ONLINE). Aus "Immobilienhaien" sollten "Fischstäbchen" werden, hieß es unter anderem. 

Bei Transparenten und Sprüchen bleibt es nach der Demonstration diesmal nicht. Denn parallel startete die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen enteignen", die den größten privaten Immobilienfirmen Berlins den Grundbesitz wegnehmen will. (SPIEGEL ONLINE)

Wäre das Volksbegehren erfolgreich, würden die 200.000 Wohnungen an das Land Berlin gehen – gegen Entschädigungen in Milliardenhöhe. Das deutsche Grundgesetz erlaubt das zwar, der entsprechende Artikel kam aber noch nie zum Einsatz. All das ist also ein Experiment.

Aber kann das wirklich gut gehen? Wo gab es in Deutschland bereits Enteignungen? Und wie gehen andere Städte mit der Wohnungsnot um?

Darüber haben wir mit Maren Harnack gesprochen. Die Architektin und Stadtplanerin ist Professorin für Städtebau und städtebauliches Entwerfen an der "Frankfurt University of Applied Sciences".

Frau Harnack, sind Enteignungen eine gute Idee – oder utopischer Unsinn?

Ich finde, dass die Diskussion derzeit eine ganz komische Richtung nimmt. Enteignungen sind in Deutschland möglich und es gibt sie bereits regelmäßig. Zum Beispiel, damit Flughäfen und Autobahnen gebaut werden können.

Haben Sie ein Beispiel?

Beim Bau der Messe Stuttgart. Da gab es starken Widerstand der ansässigen Landwirte, weil es um sehr guten Boden ging. Also wurde mit Enteignung gedroht, um die Messe zu bauen. Es wurde sogar ein spezielles Gesetz erlassen, für den Fall, dass die Landwirte nicht kooperieren. Man hat sich dann aber vorher geeinigt. 

Da ging es um Nutzflächen. Gibt es Beispiele, die Wohnraum betreffen?

In der Diskussion um den Braunkohletagebau geht es immer auch um Enteignung von Privatpersonen. Da verschwinden ganze Dörfer. Die Leute werden natürlich entschädigt und bekommen die Möglichkeit, anderswo zu wohnen. Aber viele gehen nicht, weil sie das gut finden oder sowieso ihr Haus verkaufen wollten. Sondern eben mit dieser Drohung im Nacken: Wenn ihr jetzt nicht verkauft, werdet ihr enteignet.