Bild: privat

Thomas, Anfang 30, arbeitet seit acht Jahren bei der Umweltbehörde EPA. Er heißt eigentlich anders, möchte aber anonym bleiben. Aus Gründen. "Ich komme aus einer Familie, die sehr umweltbewusst ist, und bin damals zur EPA gegangen, weil es für mich wirklich der Traumjob war", sagt er. Genau so erlebte er seine Arbeit auch. Bis jetzt.

Scott, Ende 40, ist ein großer Fan von Kohleenergie und glaubt nicht, dass Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Er ist nun Chef der EPA, Vorgesetzter von Thomas und rund 17.000 anderen Angestellten. Der Republikaner Scott Pruitt ist die Antithese zu fast allem, wofür die EPA in den vergangenen acht Jahren stand.

Was genau er ändern wird, ist noch völlig unklar. Doch die Angestellten bereiten sich auf das Schlimmste vor.

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In einem Büro hängen Poster mit Slogans wie #freeamerica und "Respektiere meine Existenz oder bereite dich auf Widerstand vor". Man kann sie von einer Widerstands-Webseite herunterladen (Amplifier Foundation), die seit Donald Trumps Vereidigung hilft, künstlerisch zu protestieren. Solche Büros sehe man jetzt häufig, wenn man durch die Gänge des Umweltministeriums geht, sagt Thomas zu bento.

Mit unserem Gespräch riskiert er seinen Job.

Doch es gibt gerade Wichtigeres für ihn. Und für seine Kollegen. "Ich würde sagen, dass 90 Prozent der Behörde gegen Trump ist. Und wenn nicht gegen ihn, dann auf jeden Fall gegen Pruitt als Beauftragten für Umweltschutz", sagt Thomas. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei völlig am Boden.

Eigentlich darf momentan niemand aus der Behörde mit der Presse sprechen. Außerdem dürfen vorerst keine weiteren Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, die bereits publizierten sollen von Trumps Team "evaluiert" werden. Was auch immer das am Ende bedeutet.

Der letzte Facebook-Post der EPA stammt vom 19. Januar – einen Tag vor Trumps Amtsantritt. Seitdem herrscht auf allen Kanälen Stille. Was in vielen Medien als Maulkorb interpretiert wurde, ist an sich eine Standardprozedur, die sich immer wiederholt, wenn eine neue Administration von der vorigen übernimmt (Vox). Doch die Sorgen sind berechtigt:

Der Chef der Umweltbehörde: Kohlefreund und Klimawandel-Skeptiker Scott Pruitt(Bild: dpa)

Im Wahlkampf hatte Donald Trump gegen die EPA gewettert und wollte sie komplett abschaffen. Da er das aber nicht darf, entschied er sich für Plan B: Scott Pruitt. Der soll die Behörde von innen schwächen und handlungsunfähig machen (Zeit). Er hat dafür den richtigen Mann gefunden.

Pruitt ist sogar schon als Anwalt gegen die Umweltbehörde vor Gericht gezogen. 13 Mal! Bei seinem größten Fall ging es um Barack Obamas "Clean Power Plan" (bento), er sollte das System reformieren, hin zu mehr erneuerbarer Energie.

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Es ist sehr traurig, wenn alles, wofür hier Menschen jahrelang gearbeitet haben, einfach aus dem Fenster geworfen wird.

Gerade die Arbeit zum Klimawandel, die in fast allen Abteilungen der EPA durchgeführt wird, muss unter Pruitt mit großer Wahrscheinlichkeit leiden. Die Vorstellung, dass all die geleistete Arbeit und alle Erfolge einfach so zerstört würden, sei sehr traurig, sagt Thomas.

Einige Zuständigkeitsbereiche der EPA, wie zum Beispiel die Richtlinien zu sauberer Luft und Wasser, seien zwar durch Gesetze geschützt, so Thomas. Aber selbst diese könnten durch schwindendes Budget und die Neubesetzung von wichtigen Stellen geschwächt werden.

Als das Trump-Team im Dezember bei der Energiebehörde anfragte, welche Mitarbeiter an der Forschung zum Klimawandel beteiligt gewesen seien, lehnte die Behörde die Auskunft konsequent ab. Man werde niemanden ausliefern, wenn die Gefahr bestehe, die Administration könne die Informationen gegen die Mitarbeiter nutzen (Reuters). Die EPA versicherte ihren Mitarbeitern damals, sie würden es im Fall der Fälle genau so handhaben, erzählt Thomas.

Das Motto: gemeinsam in Zeiten des Umsturzes.

Die Umweltbehörde sei immer ein sehr guter Arbeitsplatz gewesen, sagt Thomas, weil "viele der Menschen hier für die Ziele der Organisation brennen". Das sei nun schlagartig anders geworden. "Wo vorher viel Energie war, fühlt es sich jetzt an, als ob alle vor Schreck den Atem anhalten und warten."

Doch zwischen Angst und Lähmung herrscht Hektik.

Denn jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist. Vor allem die Arbeit zum Klimawandel ist gefährdet: "Viele arbeiten jetzt daran, die Forschungsergebnisse auf Servern zu sichern, die nicht von der Regierung kontrolliert werden", sagt Thomas. Es geht um die jahrelange Arbeit Hunderter Wissenschaftler und Unmengen an Daten.

"Was auch immer hier passiert, das darf nicht einfach so verschwinden – die Öffentlichkeit muss Zugang dazu haben!", sagt Thomas.

Schon im Dezember hatten Klimaforscher zu solchen Guerilla-Maßnahmen aufgerufen:

Und die Zeit drängt. Am Mittwoch sollte Pruitt von einem Senatskommittee in seinem neuen Amt bestätigt werden, doch die Demokraten boykottierten dies – indem sie einfach nicht auftauchten (Vox II). Als Barack Obama 2013 seine Kandidatin für das EPA-Amt vorstellte, schafften es die Republikaner im Senat, ihre Bestätigung 136 Tage hinauszuzögern (New York Times). Dieses mal hat es nicht so lange gedauert.

Am Donnerstag bestätigte der Senat nun Pruitts neue Position.

Einige seiner Kollegen hätten die Behörde bereits verlassen, sagt Thomas, viele schauen sich nach neuen Jobs um. Er tue dasselbe: Wenn seine Arbeit unter dem neuen Boss ihren Sinn verliere, werde auch er gehen.

Doch bis dahin will er bleiben. Und kämpfen. Denn "gerade jetzt ist die Zeit, in der wir hier am meisten gebraucht werden".


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