Bild: Olivier Scheffer
"Dobberend Bos"

Eine Hafenstadt grün zu bekommen, nachdem schon alles asphaltiert ist, ist gar nicht so einfach – aber möglich. Das wollen Künstler in Rotterdam zeigen. Die Initiative "Dobberend Bos" – niederländisch für "schwimmender Wald" – bepflanzt ausgediente Nordsee-Bojen und lässt sie dann zu Wasser.

Der erste Prototyp der Bojenbäume schwimmt seit März 2014 im Hafen von Rotterdam (Dobberend Bos). Am diesjährigen Baumfeiertag, dem 16. März, sollen zwanzig weitere Ulmen baden gehen.

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Mit der Aktion will die Initiative "Dobberend Bos" nicht nur die graue Hafengegend aufhübschen, sondern auch auf den Klimawandel und den damit einhergehenden steigenden Meeresspiegel aufmerksam machen. Wo sonst, als in den Niederlanden, die zu einem Drittel unter Normalnull liegen. Die Aktion von "Dobberend Bos" ließe sich auch so deuten: Können wir dem Meer schon kein Land abtrotzen, dann bepflanzen wir eben das Meer.

Damit der geplante Wald auf dem Wasser lang überlebt, haben die Künstler die Holländische Ulme ausgewählt. Die Baumart trotzt besonders gut Brackwasserspritzern und der starken Sonnenstrahlung, die durch das Wasser zusätzlich reflektiert wird.

Inspiriert wurde die Gruppe von Jorge Bakkers' Arbeit "In Search Of Habitus". Der niederländische Künstler entwarf in seinen Skulpturen Landschaften die aus Wasser, Bäumen und Hausbooten bestehen:

nuit blanche amsterdam 2012

Posted by Jorge Bakker on Sonntag, 17. Juni 2012

Damit sie nicht umkippen, sind die Bojen fest im Boden verankert. Versorgt werden die Bäume über ein Bewässerungssystem – denn das Hafenwasser ist auch für die robusten Ulmen nicht bekömmlich. Abgesehen von den Leitungen für die Bewässerung setzt "Dobberend Bos" klar auf Upcycling: Nicht nur die Bojen bekommen ein zweites Leben, auch die Bäume wurden ursprünglich von der städtischen Baumschule aussortiert.

Bis zur Realisierung des schwimmenden Walds vergingen dreieinhalb Jahre. Mehre Universitäten beteiligten sich an der Entwicklung – insbesondere Wasserversorgung war schwierig zu entwickeln. Wer das Projekt jetzt noch unterstützen will, kann für 5000 Euro eine Patenschaft für eine der Hafenulmen übernehmen.

Und in Deutschland?

Wer den schwimmenden Wald lieber auf der Alster, Spree oder dem Bodensee sehen will, kann sich beim Projekt "Open Island" einbringen. Hier kommen Bastler aus ganz Deutschland zusammen und bauen aus Müll schwimmende Inseln.

2009 hat "Open Island" Inseln in den Formen aller Kontinente entworfen. Sie schwimmen auf einem See beim Familienpark Sottrum. Das Amüsante: Die Inseln wurden auf ganz natürliche Art und Weise von Bäumen besiedelt – ohne menschliche Hilfe. Allerdings müssen die kleinen Buchen und Birken, die auf den Inseln wachsen, gefällt werden. Sie werden gerade einmal durch eine zehn Zentimeter dicke Styroporschicht getragen. Werden die Bäume größer, kippen die Inseln deshalb einfach um.

(Bild: Projekt Open Island)

Die Macher von "Open Island" wollen mit den Inseln zeigen, wie es sich auf dem Wasser leben lässt. Bei Kunstfestivals bieten sie Orte des Zusammenkommens und der Kultur. Doch es wurde auch mit dem Anpflanzen von Gemüse experimentiert – auf Süßwasser, so entfällt eine aufwendige Bewässerung. Das Besondere an ihren Konzepten: Jeder kann sich beteiligen, die Baupläne gibt es alle kostenlos im Netz. Ihr nächstes Projekt ist eine große, permanente Schwimminsel in den gefluteten Braunkohlegruben bei Ferropolis – pünktlich zum Melt-Festival.

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