"Flygskam" – die Scham fürs Fliegen.

Den Klimawandel aufzuhalten gehört zu den schwierigsten Herausforderungen unserer Zeit. Viele Industrienationen tun sich allerdings schwer, Klimaschutz wirksam anzugehen. Und mal ehrlich, hier und dort einen Plastikbecher weniger zu kaufen oder einmal die Woche auf Fleisch zu verzichten, löst auch nicht alle Probleme.

Der schwedische Biathlet Björn Ferry geht es radikaler an – und verzichtet auf Flugreisen. Immer mehr Schwedinnen und Schweden folgen seinem Beispiel. 

Ferry, ehemaliger Weltcup- und Olympia-Sieger, verzichtet dem Klima zuliebe bereits seit zwei Jahren auf Flugreisen. Dass es ihm andere nun nachmachen, liegt an seinem neuen Job: Der schwedische Sender SVT hat ihn für die kommende Wintersportsaison als Experten eingekauft. Er soll Sportevents kommentieren.

Ferry hat vor dem Engagement allerdings eine Bedingung gestellt: Egal, ob es ins Studio nach Stockholm oder ins Ausland geht – er fährt nur Bahn.

Zwischen seinem Wohnort in Lappland und Stockholm sind es 800 Kilometer. Außerdem sind Reisen zu Wettkämpfen in Italien, Slowenien und Norwegen geplant. Insgesamt mindestens 13.000 Kilometer auf europäischen Schienen. 

Statt wenigen Stunden ist Björn Ferry dann schon mal zwei Tage bis in die italienischen Alpen unterwegs.

Der Sender hat zugesagt. Und auch Ferry stört es nicht, sagt er gegenüber Klimareporter:

Das meiste lässt sich mit Nachtzügen machen und ein paar Stunden Aufenthalt in Hamburg sind kein Problem, da gibt es ja gutes Bier.

Der Aktionismus steckt an. In Schweden trendete der Hashtag #jagstannarpåmarken, er bedeutet: Ich bleib auf dem Boden. Viele posten Bilder von ihren Reisen auf dem Boden.

Lobby-Gruppen gegen das Fliegen bekommen immer mehr Fans, in der Tageszeitung "Expressen" wurde Vielfliegen als "teuerster Selbstmord der Weltgeschichte" bezeichnet.

Tatsächlich ist Fliegen eine der klimaschädlichsten Methoden, sich fortzubewegen. 

Flugzeuge verbrauchen enorm viel Kraftstoff und pusten schädliches CO2 in die Atmosphäre. Entsprechend hoch ist der ökologische Klimaabdruck jedes Einzelnen an Bord.

Eine Beispielrechnung mithilfe des Portals EcoPassenger:

  • Wer von Berlin nach Barcelona will, braucht mit dem Flieger vier Stunden – mit der Bahn rund 21 Stunden.
  • Allerdings liegt der CO2-Abdruck mit dem Flugzeug bei knapp 141 Kilogramm – bei einer Bahnfahrt nur bei 37 Kilogramm.
  • Ein Flug dauert zwar nur ein Viertel so lang, pustet dafür aber vier Mal so viel CO2 in die Luft. Und das pro Passagier, nicht pro Flugzeug.

Die Flugunlust der Schwedinnen und Schweden hat mittlerweile schon für einen Aufschwung bei der schwedischen Bahn gesorgt. Das Unternehmen SJ sagt, die Belegung der Nachtzüge sei massiv gestiegen, zum Beispiel zwischen Malmö und Stockholm in nur einem Jahr um 100 Prozent. Nun soll es neue Verbindungen geben, und mehr Waggons. 

Ferry selbst weiß nicht, ob sein Engagement wirklich der Auslöser ist. Aber falls er einige motiviert, freut ihn das:

Viele finden das idiotisch. Aber manche denken vielleicht auch: Verdammt, was der Ferry kann, das kann ich doch auch.

Mittlerweile hat sich in Schweden auch ein neues Wort gebildet, dass den aktuellen Trend aufgreift. 

Es heißt "flygskam" – sich seiner Flugreisen schämen. 


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