Ein Rucksack, eine Wasserflasche, ein Schild: Mehr hat Greta Thunberg nicht um sich herum, während sie vor dem schwedischen Parlament in Stockholm sitzt. Die Szene ist Tag für Tag dieselbe: Seit zwei Wochen setzt sich Greta nun schon dorthin. Denn sie will etwas ändern.

Was genau tut Greta?

Eigentlich müsste die 15-Jährige in der Schule sein, doch Greta ist im Schulstreik. Sie hat Wichtigeres zu tun, als im Klassenzimmer zu sitzen: Bis zu den Parlamentswahlen am 9. September ist es nur noch eine Woche und Greta möchte den Politikerinnen und Politikern eine Botschaft vermitteln: Nehmt den Klimawandel endlich ernst!

Also sitzt sie jeden Tag vor dem Parlament und verteilt Flyer, auf denen steht: 

„Ich mache das, weil ihr Erwachsenen auf meine Zukunft scheißt.“

Worum geht es ihr?

"Kein Politiker nimmt die Klimafrage so ernst, wie sie genommen werden müsste", sagt Greta zur taz. Sie fing schon in der Grundschule an, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Als ihr ein Lehrer erzählt hatte, man müsse Lampen ausschalten, um Strom zu sparen, konnte sie sich nicht vorstellen, was das mit dem Klimawandel zu tun haben soll.

Also begann Greta, sich zu informieren. Sie las viel. Sehr viel. "Greta ist sehr intelligent, hat ein fotografisches Gedächtnis und erinnert sich an alles, was sie liest", sagt ihre Mutter gegenüber der taz, "sie nimmt Sachen in sich auf, setzt sich lange allein damit auseinander und kommt dann mit einer Antwort."

Gretas Antwort ist konsequent: Seit ihrem zwölften Lebensjahr isst sie kein Fleisch mehr und beschloss zum selben Zeitpunkt, niemals zu fliegen. Doch ihre Aktionen allein ändern natürlich nicht viel am Klima. Dafür braucht es die Politik. In einem Gastbeitrag in der schwedischen Zeitung Svenska Dagbladet schrieb Greta: "Was ihr tut oder nicht tut, wird mein ganzes Leben bestimmen und das meiner Kinder und Enkel."

Der jetzige Protest ist Gretas nächster Versuch, etwas zu verändern. Laut Schulpflicht müsste Greta allerdings eigentlich im Klassenzimmer sitzen. Dem Guardian sagte sie dazu: 

„Was lerne ich schon in der Schule? Fakten bedeuten nichts mehr, Politiker hören nicht auf Wissenschaftler, also warum sollte ich lernen?“
Greta Thunberg

Was sagen ihre Eltern zum Protest?

Die sehen das entspannt. Offiziell müssen sie zwar sagen, dass sie Greta der Schulpflicht wegen lieber dort als auf der Straße sehen würden. Allerdings verpasse sie in den drei Streikwochen nicht so viel, habe immer ihre Schulbücher dabei und lerne jeden Abend. (taz)

Ihre Mutter, Opernsängerin Malena Ernman, fasst es so zusammen: "Sie muss eigentlich in der Schule sein, wir können ihre Aktion nicht unterstützen. Aber wir respektieren, dass sie ein Zeichen setzen möchte. Sie kann entweder zu Hause sitzen und sehr unglücklich sein oder protestieren und glücklich sein." (Guardian)

Unglücklich war Greta schon lange genug: "Die Diskrepanz zwischen dem, was Erwachsene sagen und dann doch nicht tun, hat sie richtig krank gemacht", sagt ihre Mutter zur taz. Zum Beispiel, als ihre Lehrer ihr sagten, sie solle Papier sparsam verwenden – und dann nach New York in den Urlaub flogen.

Und die Lehrer?

Sie unterstützen inhaltlich zwar ihren Protest, berufen sich gegenüber den Medien aber auf die Schulpflicht. Bis auf Benjamin Wagner. 

Der 26-jährige Lehrer hat sich Gretas Protest angeschlossen und streikt ebenfalls. Damit verliere er nach eigener Aussage nicht nur drei Wochen Gehalt, sondern möglicherweise auch seinen Job. Er sagt: "Greta ist eine Unruhestifterin, sie hört nicht auf Erwachsene. Aber wir bewegen uns rasend schnell auf eine Katastrophe zu und in dieser Situation ist das einzig angebrachte, unangebracht zu handeln."

Ist Schweden nicht eigentlich – im Vergleich zu anderen Ländern – recht fortschrittlich in Bezug auf grüne Politik?

Ja. Das Land erreicht bereits in diesem Jahr seine Klimaziele für 2030 (bento). Das ist im Vergleich zu anderen Staaten beeindruckend. Trotzdem geht es bei den meisten solcher Maßnahmen nur um das Eindämmen des bereits verursachten Schadens am Klima. Das geht Greta nicht weit genug: "Es ist zu wenig, zu spät", sagt sie, "Schweden ist kein grünes Paradies, es hat einen der größten CO2-Fußabdrücke der Welt."

Wie geht es jetzt weiter?

Gretas Protest zeigt Wirkung. Die Lokalmedien berichten über sie, jeden Tag gesellen sich Menschen zu ihr, um gemeinsam zu protestieren:

Auch die Politik reagiert. "Ich bin beeindruckt von Gretas Mut und Entschlossenheit", sagte die Grünen-Abgeordnete Janine Alm Ericson gegenüber dem Guardian, "trotzdem bin ich traurig, dass sie das Gefühl hat, dies tun zu müssen. Die politischen Parteien in Schweden haben nicht genug getan." 

Schweden hat gerade den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hinter sich, inklusive Dürre und Wildfeuern (New York Times). "Die Menschen können sich nun klarer vorstellen, was der Klimawandel für uns und andere in Europa bedeuten kann, wenn wir ignorieren, was gerade geschieht", sagt Ericson.

Vielleicht kann Greta also wirklich etwas bewirken. Sie selbst ist davon jedenfalls überzeugt und sagt: "Mir ist es egal, ob ich mit der Schule Probleme kriege. Ich glaube daran, dass ein einzelner Mensch einen Unterschied machen kann."


Retro

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WizApp!

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